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Daniel Kubes (r.) spielte bei der EM 2010 mit Tschechien 26:26 gegen Deutschland © imago

Kiels neues Abwehr-Ass Daniel Kubes spricht bei SPORT1 über die Eingewöhnung beim Rekordmeister und den Supercup gegen Hamburg.

Von Julian Meißner

München/Kiel - Offiziell ist Daniel Kubes Rückraumspieler, aufs Tor wirft der kantige Tscheche aber vergleichsweise selten.

Rekordmeister THW Kiel hat den 32-Jährigen vom TBV Lemgo an die Förde geholt, um die beste Abwehr der Bundesliga weiter zu verstärken.

Kubes, der an der Seite seines Landsmannes Filip Jicha über 100 Länderspiele absolviert hat, nimmt die Rolle als Spielzerstörer an.

"In der Defensive kann ich meine Erfahrung, aber auch meine Größe und Physis einbringen", sagt der 110 Kilo schwere Zwei-Meter-Mann.

Kubes zeigt sich im Gespräch mit SPORT1 äußerst zufrieden mit seinem Betätigungsfeld. Er spricht über die Eingewöhnung beim derzeit erfolgreichsten Klub der Welt, seine persönlichen Ziele und den Saisonauftakt beim Supercup gegen Hamburg (Di., ab 19.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1).

SPORT1: Herr Kubes, wie haben Sie Ihre ersten Wochen beim großen THW Kiel erlebt?

Daniel Kubes: Es war eine interessante, spannende und vor allem anstrengende Zeit. Dass die Vorbereitung hart wird, war aber vorher klar. Ich fühle mich sehr wohl hier und bin richtig glücklich. Es kommt mir vor, als wäre ich schon viel länger dabei.

SPORT1: Was ist der Unterschied zu anderen Klubs?

Kubes: In der Bundesliga kann ich es mit Lemgo, Nordhorn und Lübbecke vergleichen. Wir haben in allen Bereichen mit mehr Intensität und mehr Volumen gearbeitet. Das multipliziert sich mit der Qualität der Spieler. In jeder Situation im Training muss man aufpassen, hier sind nur absolute Top-Spieler. Und im Umfeld merkt man die extreme Professionalität. Wir haben die Möglichkeit, uns nur auf den Handball konzentrieren. Das gefällt mir sehr gut.

SPORT1: Hat Filip Jicha Ihnen die Eingewöhnung erleichtert?

Kubes: Wir haben schon vorher natürlich viel über den THW gesprochen. Das hat mir geholfen, den Klub zu verstehen. Nun bin ich aber fast zwei Monate hier, mittlerweile läuft das von alleine.

SPORT1: Was zeichnet Alfred Gislasons Arbeit als Trainer aus?

Kubes: Wir arbeiten unter ihm sehr strukturiert, sehr genau und auch sehr hart. Der Spaß kommt deswegen aber nicht zu kurz. Wir lachen auch mal im Training, aber die meiste Zeit geht es sehr konzentriert zur Sache.

SPORT1: In den Testspielen gab es beeindruckende Ergebnisse. Ist der THW schon fit für die neue Saison?

Kubes: Ich denke schon. Leider hat sich Daniel Narcisse schwer verletzt, das war natürlich ein Dämpfer. Von der Qualität, die wir in den letzten Spielen gezeigt haben, sah das aber schon recht gut aus.

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SPORT1: Ihre Rolle war beim TBV die des reinen Abwehrspielers. Wo sehen Sie selbst Ihre Stärken?

Kubes: Natürlich ist das die Defensive, hier kann ich meine Erfahrung, aber auch meine Größe und Physis einbringen. Meine Spielanteile werden sicher in der Abwehr größer sein. Ich hoffe aber, dass ich auch im Angriff ein bisschen mitmischen darf. Ich werde ständig an mir arbeiten.

SPORT1: Erwarten Sie aufgrund des Ausfalls von Narcisse mehr Einsatzzeiten im Angriff?

Kubes: Nicht unbedingt. Unsere Spielanlage ist ja ohnehin so, dass wir bei Ballgewinn sofort nach vorne gehen. Dann bin ich dabei! Es war schon immer eine Stärke des THW, schnell von Abwehr auf Angriff umzuschalten. Wir werden weiter so spielen, und ich will unsere Mannschaft dabei bestmöglich unterstützen. Den Spezialistenwechsel gibt es, wenn die Zeit da ist.

SPORT1: Agieren Sie lieber in einer 6:0-Deckung, wie sie der THW ja traditionell spielt, oder hinter einem vorgezogenen Mann?

Kubes: Ich denke, der THW hat mich geholt, weil ich sehr gut in der 6:0 spielen kann. Aber wenn wir auf 3-2-1 umschalten, bin ich dafür auch bereit. Diese Variante will ich noch mehr verinnerlichen, auch wenn ich nicht weiß, wie oft wir sie spielen werden. Bisher funktioniert die 6:0 nämlich richtig gut, alle Gegner hatten damit echte Probleme.

SPORT1: Beim Supercup geht es am Dienstag gegen Hamburg. Was erwarten Sie von der ersten echten Standortbestimmung der Saison?

Kubes: Es wird sicher ein interessantes Spiel, auf das ich mich riesig freue. Dann kommt endlich dieses Gefühl, dass die Saison anfängt. Ich weiß nicht, wie es die anderen Spieler sehen, aber ich nehme die Partie richtig ernst. Ich werde alles daran setzen, Hamburg zu besiegen. Wir sind bislang ungeschlagen, ich möchte nicht schon jetzt die erste Niederlage kassieren. Es soll so weitergehen, so lange es geht.

SPORT1: Die Fachwelt erwartet wieder einen Zweikampf um den Titel. Ist der HSV der große Gegner?

Kubes: Der HSV ist natürlich ein großer Gegner. Das hat die letzte Saison ja gezeigt. Daneben gibt es aber auch noch andere starke Mannschaften wie die Löwen oder die SG Flensburg-Handewitt. Aber in Kiel konzentriert man sich wirklich immer nur auf den nächsten Gegner und auf das nächste Spiel - und nicht zu sehr auf die Konkurrenten im Kampf um Titel. Und mit dieser Einstellung ist der THW bislang ja sehr erfolgreich gewesen.

SPORT1: Michael Kraus als Ihr ehemaliger Mannschaftskollege verstärkt die Hamburger. Freuen Sie sich schon auf die Duelle mit ihm?

Kubes: Absolut. Mimi ist ein guter Spieler, mit dem ich zwei Jahre in Lemgo zusammengearbeitet habe. Aber es ist nichts Besonderes, gegen ihn anzutreten. Dennoch bin ich gespannt, wie er zum HSV passt. Ich kenne natürlich seine Stärken und muss auf ihn aufpassen.

SPORT1: Welche persönlichen Ziele haben Sie sich beim THW gesetzt?

Kubes: Ich habe mir für diese Saison vorgenommen, das Vertrauen meiner Mitspieler zu gewinnen und die Abwehr weiter zu stabilisieren.

SPORT1: Und mit der Mannschaft? Eine Saison ohne Titel ist in Kiel eine verlorene Saison?

Kubes: Vielleicht wundern Sie sich jetzt, aber wir haben über unsere Ziele noch gar nicht gesprochen. Ich kann nach der Vorbereitung nur sagen, dass unser einziges Ziel sein muss, jedes einzelne Spiel zu gewinnen. Und so wie ich Handball verstehe, haben wir gute Chancen. Niederlagen wird es nur sehr selten geben.

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