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Vergangenes Jahr unterlag Marcus Ahlm (r.) mit dem THW deutlich im Supercup © getty

Im Supercup messen sich die Titelfavoriten aus Kiel und Hamburg kurz vor Saisonstart. Es geht um den Pokal - und um Psychologie.

Von Matthias Becker

München - Auf den ersten Blick liegt der HSV im Kampf der norddeutschen Handball-Giganten mit Dauermeister THW Kiel vor dem Start der Toyota-HBL-Saison ganz knapp vorne.

30:21 siegten die Hamburger in ihrem letzten Testspiel gegen den dänischen Meister Aab Handbold Aalborg.

Gegen den gleichen Gegner kam der THW beim "Unser Norden"-Cup in eigener Halle "nur" zu einem 25:17-Erfolg.

Ein Tor höher siegte der HSV also gegen die Dänen. Ein Fingerzeig? Wohl kaum.

Denn zum einen spielten die Kieler in ihrem Test nur über zwei Mal 20 Minuten. Zum anderen steht die erste echte Bewährungsprobe der Nordrivalen erst im Supercup am Dienstag in München (ab 19.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) bevor.

Bloß keine Pleite im Prestige-Duell

Denn auch wenn der THW das Duell mit dem Vize-Meister und Pokalsieger auf der eigenen Website etwas abwertend als "allerletztes Testspiel vor dem Bundesligastart" bezeichnet, verlieren möchte der Serienmeister das Prestige-Duell auf keinen Fall.

Vor allem, da die Hamburger nach dem knappen Titelrennen der Vorsaison endlich den ganz großen Wurf landen wollen. "Die Titelvergabe in der Meisterschaft und Champions League muss über den HSV führen", sagte HSV-Trainer Martin Schwalb unlängst.

Schwalb wechselt nach der Saison in Hamburg auf den Posten des Geschäftsführers und würde sich nur zu gerne mit dem ersten Meistertitel der Vereinsgeschichte von der Trainerbank verabschieden.

Supercup als Triple-Ouvertüre

In Kiel ist der Respekt vor der Konkurrenz zwar vorhanden. Der HSV befinde sich "auf Augenhöhe mit uns und wir müssen uns noch mehr steigern, um Hamburg erneut hinter uns zu lassen", prognostizierte THW-Trainer Alfred Gislason.

[kaltura id="0_o8rmuocl" class="full_size" title="Interview Michael Kraus"]

Gleichzeitig beruhigte der Isländer die eigenen Fans aber auch wieder: "Keine Bange, wir werden noch deutlich besser. Es muss immer unser Anspruch sein, um alle Titel mitzuspielen", sagte er.

In der Vorbereitung gewann der THW seine Spiele meist überzeugend und flößte den Kontrahenten um die Meisterschaft damit schon wieder Respekt ein.

Die Kieler wollen als amtierender Champions-League-Sieger zum zweiten Mal nach 2007 das Titel-Triple holen - und diesem möglichst schon als Ouvertüre den Sieg im Supercup vorausschicken.

"Es geht um das Gefühl"

"Der Supercup ist der kleinste Titel von allen", sagte Kiels Kapitän Marcus Ahlm zwar. Doch weniger das Renomee als die psychologische Bedeutung eines Erfolgs stehen im Vordergrund:

"In einem Spiel HSV gegen THW will keiner als Verlierer vom Feld gehen. Es geht nicht um den Cup, sondern um das Gefühl, mit dem man in die Saison startet", erklärt Martin Schwalb.

Kraus fühlt sich "pudelwohl"

Er kann erstmals auf der großen Bühne Neuzugang Michael Kraus im HSV-Trikot ins Spiel schicken. Der wollte unbedingt in die Champions League, weshalb er bei seinem Wechsel vom TBV Lemgo an die Elbe einen Teil der Gesamtablösesumme von 270.000 Euro selbst übernommen hat, wie er im Gespräch mit SPORT1 (das Video) bestätigte.

"Der HSV ist eine Herzensangelegenheit", sagte Kraus, der gegen Aalborg mit acht Treffern schon bester HSV-Werfer war: "Ich fühle mich hier richtig wohl und die Mannschaft hat mich super aufgenommen. Das ist der absolute Idealfall."

Von der Leistungsfähigkeit seiner neuen Mannschaft ist Kraus angetan. "Die haben alle das Sieger-Gen. Die Mannschaft ist gespickt mit Welt- und Europameistern", sagte er.

Verletzte auf beiden Seiten

Im Supercup in der Münchner Olympiahalle geht es für Kraus und Kollegen um die Titelverteidigung. 2009 überraschte der HSV den THW mit einem 35:28-Erfolg. Das bessere Ende hatten im Meisterschaftskampf aber doch wieder die "Zebras" für sich.

Die müssen vor den erwarteten 10.000 Zuschauern aber größere personelle Lücken schließen als der HSV. Rückraum-Star Daniel Narcisse fällt mit einem Kreuzbandriss noch bis zur Rückrunde aus.

Auch Kim Andersson und Nationalspieler Christian Sprenger fehlen verletzungsbedingt. Die Hamburger müssen "nur" den an der Schulter des Wurfarms operierten Krzysztof Lijewski und Rechtsaußen Stefan Schröder (Reha nach Kreuzbandriss) ersetzen.

Ein Fingerzeig ist aber auch das wohl kaum.

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