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Kreisläufer Bertrand Gille spielt bereits seit 2002 für den Hamburger SV © getty

Die Hamburger gewinnen das erste Kräftemessen der Titelfavoriten. Beim THW läuft noch nicht alles rund, Kraus bleibt blass.

Aus München berichtet Julian Meißner

München - Der erste Titel der Saison geht nach Hamburg: Pokalsieger HSV hat wie im Vorjahr beim ersten Kräftemessen der Titelfavoriten in der Toyota HBL die Oberhand behalten.

Die Hanseaten gewannen durch ein 27:26 (13:11) gegen Rekordmeister THW Kiel zum vierten Mal den Supercup und brachten dem Erzrivalen die erste Niederlage der Vorbereitung bei.

In der nicht ausverkauften Münchner Olympiahalle, die nach der Austragung 2009 in Nürnberg wieder Schauplatz des traditionellen Vergleichs zwischen Meister und Pokalsieger war, spielten die Hamburger früh eine Führung heraus und gaben diese gegen einen teilweise etwas lustlos wirkenden THW nicht mehr ab - auch wenn es am Ende noch einmal richtig eng wurde.

"Ein Supergefühl"

"Ein Supergefühl, den Supercup gewonnen zu haben. Es ist immer toll, Kiel zu schlagen. Wir hatten die Überraschungsmomente auf unserer Seite", sagte Hamburgs Neuzugang Michael Kraus.

Christian Zeitz sah den Grund für die Niederlage in der fehlenden Qualität im Abschluss, blieb für den weiteren Verlauf der Saison aber zuversichtlich.

"Unsere schlechte Torausbeute wurde bestraft. Im letzten Jahr haben wir im Supercup-Finale auch schlecht gespielt und verloren. Wie die Saison endete, weiß jeder", sagte der Rückraumspieler.

Lindberg bester Werfer

Beste Werfer auf Seiten des Siegers in der mäßigen Partie vor 8156 Zuschauern waren Hans Lindberg (9/4) und Igor Vori (4).

Für den THW, der im Vorfeld klar gemacht hatte, dass man zu einem letzten Vorbereitungsspiel nach München reisen würde, trafen Filip Jicha (7/4) sowie Christian Zeitz (6) und Tobias Reichmann (5) am häufigsten.

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"In einem Spiel HSV gegen THW will keiner als Verlierer vom Feld gehen. Es geht nicht um den Cup, sondern um das Gefühl, mit dem man in die Saison startet", hatte HSV-Coach Martin Schwalb noch vor der Partie erklärt.

Kraus in Startformation

Kiels Trainer Alfred Gislason, der auf Daniel Narcisse (Kreuzbandriss) und Christian Sprenger (Knöchelprellung) verzichten musste, setzte seine beiden Neuen Daniel Kubes und Milutin Dragicevic zunächst auf die Bank.

Für Hamburg, das ohne Krzysztof Lijewski (Schulter-Operation) und Stefan Schröder (Kreuzbandriss) antrat, begann dagegen Kraus auf der Spielmacherposition.

Der Nationalspieler, der im Sommer nach langem Transferpoker aus Lemgo an die Elbe gekommen war blieb jedoch unter seinen Möglichkeiten.

Seine Hamburger übernahmen direkt nach dem Anwurf das Ruder. Bertrand Gille, Vorjahres-Torschützenkönig Lindberg und wiederum Gille brachten den HSV schnell mit 3:0 in Führung, Marcin Lijewski erhöhte per Unterhandwurf auf 4:0 (6.).

Gislason nimmt frühe Auszeit

Gislason nahm früh seine erste Auszeit und brachte den 20-jährigen Aron Palmarsson für die Rückraummitte. Unter Führung des isländischen Supertalents kam Kiel bis auf ein Tor heran (4:5/12.).

[kaltura id="0_o8rmuocl" class="full_size" title="Interview Michael Kraus"]

Doch Hamburg blieb dank ansehnlichen Spiels über den Kreis am Drücker und behauptete seine Führung. Auch die Hereinnahme von Defensiv-Spezialist Kubes brachte keine Sicherheit in die Kieler 6:0-Deckung.

Beim 10:6 (20.) durch Pascal Hens war der alte Vorsprung des HSV wieder hergestellt.

Der THW scheiterte bei seinen Angriffsbemühungen immer wieder an Hamburgs schwedischem Keeper Per Sandström, nach einigen technischen Fehlern auf beiden Seiten reduzierten die Kieler ihren Rückstand zur Pause immerhin auf zwei Tore.

HSV wahrt Sicherheitsabstand

Doch nach dem Seitenwechsel leistete sich der THW erneut Nachlässigkeiten in der Offensive, die der HSV bestrafte: Zweimal Blazenko Lackovic aus dem Rückraum und Igor Vori aus dem Gegenstoß sorgten schnell wieder für eine deutliche HSV-Führung (16:12/34.).

Kraus, von dem insgesamt wenig Torgefahr (2 Treffer) ausging, erhöhte auf 20:15 (42.). Dank Reichmann, der Sprenger auf dem rechten Flügel ordentlich vertrat, blieben die Kieler zwar dran (20:23/48.), aber immer auf Sicherheitsabstand (VIDEO: Kraus im Interview)

Schlussspurt reicht nicht

Am Ende behielt der HSV die Oberhand, auch, weil das Torhüter-Duo Sandström/Bitter das Duell gegen Omeyer/Palicka für sich entschied.

Kiel kam zwar am Ende mit einem Schlussspurt noch einmal bis auf ein Tor heran, doch die Hamburger retteten den Prestige-Sieg mit etwas Dusel über die Zeit: Omeyer parierte Sekunden vor Schluss, aber Zeitz leistete sich bei der letzten Chance zum Ausgleich ein Stürmerfoul.

Schwere Aufgabe für Hamburg

Richtig ernst wird es für beide Kontrahenten erst am kommenden Wochenende.

Kiel empfängt am Sonntag Aufsteiger Friesenheim, der HSV hat tags zuvor am 1. Spieltag der Toyota HBL die ungleich schwerere Aufgabe vor der Brust: Schwalbs Team tritt am Samstag bei Frisch Auf Göppingen an.

Den Liga-Auftakt bestreiten bereits am Mittwoch die SG Flensburg und die HSG Wetzlar (19.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und LIVESCORES).

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