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Bei Insolvenz droht Essen der Zwangsabstieg aus der Liga © imago

Nach erster Begutachtung der aktuellen Zahlen schlagen die neuen TuSEM-Geschäftsführer Alarm.

Essen - Alarm bei TuSEM Essen: Die Finanznot beim Bundesligisten ist offenbar deutlich größer als befürchtet.

Das ist das Resultat einer ersten Prüfung der aktuellen Zahlen durch die neue Geschäftsführung unter Niels Ellwanger, Unternehmensberater Michael Keusgen und Rechtsanwalt Thomas Vomfell.

Bevor der bisherige Geschäftsführer Horst-Gerhard Edelmeier am Sonntag nach scharfer Kritik an seiner Amtsführung zurückgetreten war, ging man davon aus, dass dem dreimaligen deutschen Meister kurzfristig 400.000 Euro fehlen, insgesamt rund eine Million. Zudem waren zwei Monatsgehälter nicht bezahlt worden.

"Deutlich schlechter dar als erwartet"

Diese Situation hatte Frank Bohmann als Geschäftsführer der Handball-Bundesliga HBL bereits sehr besorgt kommentiert: "Die Zeit rennt dahin. Es wird keinen langen Aufschub von Gläubigerseite mehr geben."

In einer Pressemitteilung des Vereins vom Mittwoch heißt es: "Nach erster Begutachtung der aktuellen Zahlen stellt sich die wirtschaftliche Situation als deutlich schlechter dar als erwartet und bislang kommuniziert."

Eine Konzeption zur Lösung der wirtschaftlichen Probleme werde die Geschäftsführung spätestens bis zur Mitte der nächsten Woche vorlegen. Am Donnerstag soll es auf einer Pressekonferenz weitere Details geben.

Geschäftsführung bittet um Geduld

Weiter heißt es: "Alle Gläubiger, Spieler und Angestellte und natürlich auch die Fans bittet die neue Geschäftsführung zunächst um weitere Geduld. Im Gegenzug können alle Beteiligten volle Transparenz im Prozess erwarten. Ein von dritter Seite herbeigeführter Insolvenzantrag wäre für alle Beteiligten, insbesondere auch die Gläubiger, die schlechteste Lösung."

Sofern die aktuelle Krise gemeistert werden könne, strebt Dr. Niels Ellwanger mit dem TuSEM einen professionellen wirtschaftlichen und sportlichen Neuanfang an, "wenn es irgend wie geht zumindest in der zweiten Bundesliga."

Künftig werde der TuSEM in jedem Fall vermehrt auf eine exzellente eigene Jugendarbeit und auf die Talente der Region setzen.

Enge Abstimmung

Für die Lösung der Krise und die Konzeption des Neuaufbaus streben die Geschäftsführer Ellwanger, Keusgen und Vomfell eine enge Abstimmung mit den Verantwortlichen der Handball-Bundesliga sowie den Sponsoren, Gönnern und Helfern des Vereins an.

"Wir benötigen einen Vertrauensvorschuss, ohne diesen wird nichts gelingen", so die Geschäftsführer unisono.

Eine Insolvenz würde den Zwangsabstieg bedeuten. Allerdings wäre auch im diesem Fall noch möglich, dass der Klub die Saison zu Ende spielt. Schon jetzt sollen andere Vereine Interesse an TuSEM-Spielern bekundet haben.

Zweite schwere Finanzkrise

Für TuSEM ist es die zweite schwere Finanzkrise innerhalb kürzester Zeit: 2005 musste der Verein nach einem Lizenzentzug in die Drittklassigkeit absteigen.

Auch sportlich läuft es derzeit alles andere als rund. Mit 2:18 Punkten aus den ersten zehn Saisonspielen ist der Klub Tabellenvorletzter.

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