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Im Champions-League-Halbfinale spielten Omeyer und Fernandez noch gegeneinander © imago

Vor dem Spiel des THW Kiel in Berlin spricht Thierry Omeyer bei SPORT1 über die Verpflichtung seines Freundes Jerome Fernandez.

Von Julian Meißner

München/Kiel - Die Toyota HBL ist um eine Attraktion reicher: Mit der Verpflichtung von Jerome Fernandez gelang dem THW Kiel zwei Wochen nach Saisonstart ein Transfer-Coup sondergleichen.

Für die Fans ist der Kapitän der französischen Nationalmannschaft "nur" ein weiterer absoluter Weltstar, für seinen Landsmann Thierry Omeyer zudem eine persönliche Bereicherung.

Die beiden sind gut befreundet, der Torhüter gewährt dem Rückraum-Routinier sogar zunächst Asyl, bis dieser sich im hohen Norden richtig orientiert hat.

Für sein Debüt im "Zebra"-Trikot hat Fernandez den passenden Rahmen gewählt. In ihrer fünften Ligapartie treten seine Kieler beim einzigen ebenfalls noch ungeschlagenen Team, den Füchsen Berlin, an (So., 17.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und LIVESCORES).

Vor dem Duell des Ersten gegen den Zweiten spricht Omeyer im SPORT1-Interview über die spektakuläre Verpflichtung, die anstehenden Aufgaben und einen schwarzen Fleck in Fernandez' Titelsammlung.

SPORT1: Herr Omeyer, der THW hat alle Ligaspiele gewonnen, gegen Balingen gab es einen Kantersieg. Verläuft die Saison bislang so, wie Sie sich das vorstellen?

Thierry Omeyer: Soweit ist das in Ordnung, es fängt gerade an, gut zu laufen. Wir haben uns in jedem Spiel ein bisschen gesteigert, das ist sehr wichtig zu Anfang der Saison.

SPORT1: Wo gibt es noch am meisten Steigerungspotenzial?

Omeyer: Unsere Abwehr ist schon recht gut, aber es geht immer noch besser. Daniel Kubes hilft uns hinten sehr und wird uns auf lange Sicht noch mehr verstärken. Aber wir sind insgesamt schon deutlich weiter als zum gleichen Zeitpunkt im letzten Jahr.

SPORT1: Und jetzt erzielen Sie auch noch Tore wie gegen Balingen. Eine neue Qualität?

Omeyer (lacht): Ich hatte so viele Versuche in meiner ganzen Karriere und habe insgesamt nur drei Tore gemacht. Natürlich freue ich mich sehr, wenn ich ein Tor erzielen kann, aber wichtiger sind die Paraden.

SPORT1: Nun geht es gegen die Füchse Berlin. Erster gegen Zweiter, beide noch ungeschlagen - ein echtes Spitzenspiel?

Omeyer: Ja, auf jeden Fall. Die Berliner haben sehr gut angefangen in dieser Saison. Sie sind sehr stark, besonders in der Defensive und haben in den vier Partien nur wenig Tore kassiert. Wir wissen, dass das ein ganz schweres Spiel wird.

SPORT1: Gegen Berlin wird Jerome Fernandez sein Debüt für Kiel geben. Was können wir von ihm erwarten?

Omeyer: Er wird uns verstärken, aber er braucht Zeit, sich in die Mannschaft einzufinden. Ich denke aber, dass er uns schon gegen Berlin helfen kann. Jerome hat hohe individuelle Qualität und kann leichte Tore erzielen. Allerdings hat er bis jetzt kaum mit uns trainiert. Und für die Taktik bleibt nicht viel Zeit bis Sonntag.

[kaltura id="0_ewxa47dg" class="full_size" title="Omeyer mit Zauber-Pass"]

SPORT1: Wird ihm die große Erfahrung helfen, sich schnell einzufinden?

Omeyer: Natürlich. Taktisch macht ihm keiner was vor, er hat bei Barca und Ciudad Real gespielt. Dennoch braucht es Zeit, bis er unsere Spielzüge und die Laufwege der Mitspieler kennt.

SPORT1: Sie beide sind befreundet. Haben Sie den Transfer mit eingefädelt?

Omeyer: Naja, viel habe ich nicht getan. Aber als ich mitbekommen habe, dass der Kontakt besteht, habe ich mit Alfred Gislason und Uli Derad gesprochen. Natürlich wollte ich, dass der Wechsel klappt, weil Jerome ein guter Freund von mir ist. Aber vor allem brauchen wir ihn wegen unserer Verletzungssorgen. So ein Spieler hilft jeder Mannschaft.

SPORT1: Was ist er für ein Typ?

Omeyer: Ein ganz einfacher, ruhiger und freundlicher Mensch. Er bringt immer gute Stimmung mit zum Training und zu den Spielen. Es ist leicht, mit ihm gut klarzukommen.

SPORT1: Wird der THW überhaupt noch zu stoppen sein, wenn Daniel Narcisse und Kim Andersson zurückkommen?

Omyer: Sicher haben wir eine große Mannschaft, die sich vor niemandem verstecken muss und alle Gegner schlagen kann. Das heißt aber nicht, dass wir alle Spiele automatisch gewinnen. Klar ist: Wir wollen Titel holen!

SPORT1: Im DHB-Pokal müssen Sie nächste Woche nach Fredenbeck. Wie schwer sind diese Pflichtaufgaben, in denen der THW immer der große Favorit ist?

Omeyer: Natürlich sind wir dort der Top-Favorit. Aber wir bereiten uns auf jedes Spiel gewissenhaft vor. Wir unterschätzen niemanden.

SPORT1: Nächste Woche beginnt auch die Champions League gegen Chambery. Der leichteste Gegner in dieser furchtbaren Gruppe?

Omeyer: Das glaube ich nicht, sie haben sich gut verstärkt. Natürlich sind sie nicht so bekannt wie Montpellier, aber es ist eine Top-Mannschaft mit erfahrenen Spielern. Ich kenne sie sehr gut, sie haben eine hohe Qualität und kommen ohne Druck nach Kiel. Ein erstes Spiel in einem Wettbewerb ist zudem immer etwas Besonderes.

SPORT1: Bedauern Sie die schwere Auslosung, oder freuen Sie sich auf die namhaften Gegner?

Omeyer: Wir spielen Champions League, um gegen solche Gegner anzutreten. Aber natürlich ist es eine Hammer-Gruppe. Wir können gegen alle diese Mannschaften gewinnen, aber auch verlieren. Wir werden von Spiel zu Spiel schauen, um uns eine gute Position für das Achtelfinale zu schaffen.

SPORT1: Nach dem Triumph im Mai: Wie wichtig wäre es, diese Saison wieder zum Final 4 nach Köln zu fahren?

Omeyer: Es war dieses Jahr ein unglaublich tolles Erlebnis. Wir wollen natürlich wieder dahin. In einem Verein wie dem THW will man immer in allen Wettbewerben bis zum Ende dabei sein. Das Final 4 ist deshalb ein großes Ziel.

SPORT1: Zurück zu Jerome Fernandez: Er hat schon alles gewonnen - bis auf die deutsche Meisterschaft?

Omeyer (lacht): Ich werde natürlich alles tun, um ihm dabei zu helfen. Mit Jerome gemeinsam auf dem Rathausplatzbalkon, das wäre schon was.

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