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Jerome Fernandez (am Ball) unterschrieb beim THW einen Einjahresvertrag © imago

Auch Neuzugang Jerome Fernandez kann die erste Kieler Saisonpleite nicht verhindern. Manager Uli Derad zeigt sich ernüchtert.

Von Julian Meißner

München - Aufatmen bei den neutralen Fans, Ernüchterung bei den erfolgsverwöhnten Anhängern von Serienmeister THW Kiel: Auch nach der Verpflichtung von Superstar Jerome Fernandez ist die dominierende Mannschaft im deutschen Handball nicht unschlagbar.

Eindrucksvoll stellten dies die Füchse Berlin unter Beweis, die die "Zebras" am Sonntag dank einer überragenden Vorstellung mit 26:23 (14:11) in die Schranken verwiesen.

"Es ist eine bittere Erkenntnis, dass kein Spiel ein Selbstgänger ist", meinte THW-Manager Uli Derad nach der ersten Saisonniederlage seines Teams, die für neue Spannung in der zuletzt einseitigen Toyota HBL sorgt.

Ausgeglichene Liga-Spitze

Die Kieler, Meister der vergangenen sechs Bundesliga-Spielzeiten, haben nun wie die Titel-Konkurrenten aus Hamburg und von den Rhein-Neckar Löwen zwei Minuspunkte auf dem Konto.

Völlig verdient siegten die Füchse über den THW, der nie recht ins Spiel fand und nur dank der 13 Treffer von Filip Jicha lange Zeit auf Augehöhe agierte (STENOGRAMME: 4. Spieltag).

"Jicha hat zwar 13 Tore gemacht, er hat aber auch zu viel verworfen", kritisierte THW-Trainer Alfred Gislason: "Alle haben zu viel verworfen."

Daran war Füchse-Keeper Silvio Heinevetter nicht ganz unschuldig. Der Nationaltorhüter glänzte mit 18 Paraden, hielt in Halbzeit eins unglaubliche 11 von 21 Bällen.

Ärger bei Gislason

Gislason, dessen Werfer allerdings auch oft zu früh den Abschluss suchten, musste anerkennen: "Die Berliner haben das Spiel verdient gewonnen, sie haben in dieser Saison einen großen Schritt nach vorn gemacht."

Bei allem Respekt vor der Vorstellung des Gegners ärgerte er sich primär "über unsere eigene Leistung".

Fernandez kein Faktor

Auch Fernandez, der unter der Woche zum Team gestoßen war und in Berlin sein Debüt für den THW feierte, konnte seinem neuen Klub nicht entscheidend helfen.

"Unter dem Strich war unsere Leistung einfach nicht gut genug", sagte Torhüter Thierry Omeyer in den "Kieler Nachrichten": "In der Abwehr haben wir genau so stark agiert wie die Berliner, gefehlt hat es heute im Angriff."

[kaltura id="0_dx6ravvu" class="full_size" title="Heinevetter im Interview"]

Viel Zeit zur Fehleranalyse bleibt nicht: Schon am Mittwoch treten die Kieler im DHB-Pokal beim VfL Fredenbeck an, am Wochenende startet die Champions-League-Saison mit der Partie gegen Chambery.

Hannings Mission nimmt Form an

Die Füchse sonnen sich derweil als einziges verlustpunktfreies Team an der Tabellenspitze und genießen den Augenblick.

Die Mannschaft habe es verstanden, "Werbung für unsere Sache zu machen", sagte Geschäftsführer Bob Hannig, der mit seinem Klub den Europapokal anstrebt.

Fredenbeck als Aufbaugegner

Die ungleich höheren Ambitionen der Kieler haben mit der Niederlage in Berlin einen ersten Dämpfer erlitten.

Was die Konkurrenz aus der Liga natürlich freut - beim drittklassigen Pokalgegner aber wohl nicht ganz so gern gesehen wurde. Gislason wird eine Reaktion seines Teams einfordern.

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