Jesper Nielsen erweist den Löwen einen Bärendienst. Die Doppel-Trainer-Entlassung zerkratzt den dünnen Lack des Klubs.

Es war auch beinahe zu ruhig geworden um Jesper Nielsen.

Der millionenschwere Geldgeber der Rhein-Neckar Löwen hatte trotz der erneut titellosen Saison 2009/10 und der verpassten Direkt-Quali für die Champions League auf öffentliche Tiraden und einen totalen Kaderumbau verzichtet.

Und prompt hatten die Badener von der Pleite in Magdeburg abgesehen begonnen, positive Schlagzeilen zu schreiben.

8:2 Punkte in der Bundesliga, vor allem aber der überzeugende Sieg im Quali-Turnier für die Königsklasse - dazu der ungefährdete Einzug in die dritte DHB-Pokal-Runde am Mittwoch: Die Löwen ließen ihren Ansprüchen erste Taten folgen.

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Doch just da sieht sich der dänische Schmuck-Magnat Nielsen, der dem deutschen Handball durch wiederholte Ankündigungen von Korruptionsbeweisen gegen den THW Kiel (die er schuldig blieb) noch unliebsam in Erinnerung ist, zum "rechtzeitigen Ziehen der Reißleine" gezwungen und feuert das schwedische Trainerduo Ola Lindgren/Kent-Harry Andersson.

Nicht nur das: Statt des Managers Thorsten Storm drängte Nielsen sich bei der Begründung des undurchsichtigen Schrittes an die erste Stelle, qua Amts des Aufsichtsratsbosses.

Er habe hohe Ziele mit den Löwen und sei "nicht mehr davon überzeugt, dass wir diese mit den bisherigen Coaches erreichen werden". Harte Worte gegen Lindgren, der mit Nordhorn 2008 den EHF-Pokal gewann, und Andersson, der Flensburg zu drei Titeln führte.

Storm blieb nur noch, den Geschassten für die geleistete Arbeit zu danken und darauf zu verweisen, dass die Gesellschafter, sprich auch Nielsens Kasi-Group, die Entscheidung "mittragen" - gemeint ist wohl eher: einfordern.

Letztlich zerkratzt der Vorgang weniger den Lack von Lindgren und Andersson als den ohnehin dünnen der Rhein-Neckar Löwen, die diese einmal mehr undurchsichtige Personalien auch noch denkbar schlecht kommunizierten.

Gudmundsson erbt nun den unbequemsten Trainerstuhl der Liga und darf sich sicher sein, dass die nächsten Neuzugänge nicht wegen der ruhigen Hand der Bosse zu den Löwen kommen. Aber immerhin haben diese augenscheinlich Geld genug in den Händen, um dennoch namhafte Stars zu ködern.

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