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Martin Schwalb wechselt nach der Saison auf den Posten des Geschäftsführers © getty

Vor dem Spiel gegen Berlin spricht HSV-Coach Schwalb im SPORT1-Interview über die Stärken des Gegners und Vorvorgänger Hanning.

Von Barnabas Szöcs

München - International ist dem HSV mit dem 33:24 gegen den schwedischen Meister IK Sävehof in der Champions League am Donnerstag der Befreiungsschlag gelungen.

Somit hat der Pokalsieger rechtzeitig vor dem Spitzenspiel in der Toyota-HBL gegen Spitzenreiter Füchse Berlin (So., 17.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) Selbstvertrauen getankt.

Nun will das Team von Martin Schwalb den noch verlustpunktfreien Hauptstadtklub ein Bein stellen.(die Stenogramme des 7. Spieltags)

Dessen Geschäftsführer Bob Hanning formuliert seine Erwartungen vor dem Duell gegenüber SPORT1 vielsagend: "Wir haben eine Ein-Prozent-Chance, aber 99 Prozent Überraschungsmoment."

Im Interview mit SPORT1 spricht der HSV-Coach über den wichtigen Sieg gegen Sävehof, die Stärken der Füchse und seinen Vorvorgänger Hanning.

SPORT1: Herr Schwalb, sind Sie nach dem Sieg gegen Sävehof erleichtert? Oder handelte es sich um eine Pflichtaufgabe?

Martin Schwalb: Ich bin grundsätzlich nie erleichtert nach Spielen. Erleichterung ist keine Gefühlsregung, die ich während oder nach Spielen habe.

SPORT1: Aber nach der Niederlage gegen Kolding bekam das Spiel gegen den schwedischen Meister eine neue Bedeutung?

Schwalb: Wir wollten das Spiel gewinnen, weil wir davor in Kolding blöd verloren haben. Sicherlich war es ein wichtiger Erfolg für uns, um in der Champions League unsere Ziele zu erreichen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

SPORT1: Haben Sie vor oder während des Spiels eine gewisse Nervosität bei Ihren Spielern bemerkt? Immerhin hat sich nach der bitteren Kolding-Niederlage sogar HSV-Präsident Andreas Rudolph mit deutlichen Worten im "Hamburger Abendblatt" geäußert und moniert, eine "katastrophale Leistung" gesehen zu haben.

Schwalb: Nein, das stimmt nicht. Das hat er überhaupt nicht gesagt. Andreas Rudolph und ich stehen in einem engen Austausch und haben uns beide sehr über das Spiel in Kolding geärgert, weil wir nicht gut gespielt haben und weil die Mannschaft nicht den Kampfgeist gezeigt hat, den wir von ihr erwarten. Aber genau das müssen sie immer wieder im Dreitages-Rhythmus beweisen, das haben sie gegen Kolding nicht getan und dafür von uns deutliche Worte bekommen.

SPORT1: Hat die Mannschaft mit dem Sieg gegen Sävehof die exakt geforderte Reaktion gezeigt?

Schwalb: So ist es. Wir haben sehr viele Spiele und Aufgaben zu bewältigen, da ist es nicht einfach, immer auf alles konzentriert zu sein. Aber genau das müssen wir, genau das müssen wir von der Mannschaft fordern und das müssen wir auch am Sonntag wieder zeigen.

SPORT1: Denn dann ist Tabellenführer Füchse Berlin in Hamburg zu Gast. Worauf ist gegen den Überraschungs-Spitzenreiter der HBL zu achten?

Schwalb: Sie verfügen über eine sehr variable und aggressive 6:0-Abwehr, wofür wir gute Antworten haben müssen, uns im Angriff gut bewegen, die Duelle gewinnen, voller Selbstvertrauen auf die Lücken gehen und im Angriff einfach gut agieren. In der Abwehr spielen sie den Ball sehr lange, dazu verfügen sie mit Petersson, Jaszka und Christophersen über einen Rückraum, wo jeder immer eine gute Lösung hat. Wir dürfen vor allem keine "einfachen" Tore im eins gegen eins bekommen und müssen in der Abwehr gut dastehen.

SPORT1: Spielt die Welle des Erfolgs, auf der sich die Füchse Berlin momentan zweifellos befinden, für Sie und den HSV eine besondere Rolle?

Schwalb: Wir wissen, dass die Berliner mit einem großen Selbstvertrauen anreisen. Aber für uns verändert das nichts, weil wir gegen jede Mannschaft gewinnen wollen. Und wenn man das möchte, muss es egal sein, was der Gegner vorher oder nachher fabriziert. Es zählen nur die 60 Minuten.

SPORT1: Dennoch ist die Serie der Berliner von sieben Siegen in sieben Spielen beeindruckend.

Schwalb: Sicherlich haben die Füchse einen Lauf, aber für uns ist das irrelevant und uninteressant. Wir wollen die zwei Punkte haben. Und es ist auch egal, gegen wen wir die Punkte holen - wir wollen sie einfach haben.

SPORT1: Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning, früher ebenfalls Trainer beim Hamburger SV, wurde vor einiger Zeit mit der Aussage zitiert, der HSV "müsse sich langsam hinterfragen, wenn es wieder nichts wird" mit dem Liga-Titel. Ihre Antwort darauf?

Schwalb: Gesetz dem Fall, dass diese Worte wirklich so gefallen sind, gibt es dazu von mir nur eine Aussage: In bestimmten Situationen kann man den Charakter eines Menschen erkennen. Solche Aussagen sagen mehr über den Charakter eines Menschen aus, der sie tätigt, als über alles andere. Hätte, wenn und aber ist nicht unser Stil, ist aber womöglich der Stil von anderen. Despektierliche Äußerungen von Leuten, denen es gerade gut geht und die glauben, etwas Oberwasser zu haben, sagen viel über den Charakter aus. Da sollte jeder genau darauf achten, welche Aussagen er tätigt.

SPORT1: Haben Sie ein gutes Gefühl, was das Spitzenspiel angeht?

Schwalb: Ich habe immer ein gutes Gefühl, weil wir eine tolle Mannschaft haben und das seit Jahren nachweisen. Wir wollen Titel holen, sind im Pokal und werden in der Champions League weit kommen. Somit habe ich immer ein gutes Gefühl bei meiner Mannschaft.

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