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Henning Fritz spielt seit 2007 für die Rhein-Neckar Löwen © imago

Neuer Personal-Trubel und ein verschenkter Sieg: Vor dem Füchse-Spiel spricht Keeper Henning Fritz über die Löwen-Lage.

Von Marcus Giebel

München - Henning Fritz hat in seiner Karriere schon viel erlebt.

Einen solch turbulenten Saisonstart dürfte aber auch der langjährige Nationaltorwart noch selten erlebt haben.

In der Champions League sind die Rhein-Neckar Löwen noch ungeschlagen, inklusive des Coups in Barcelona, die Qualifikation für die Königsklasse gelang souverän, auch in der Toyota HBL stehen die Löwen mit sieben Siegen aus acht Spielen sehr gut da - dennoch musste Coach Ola Lindgren bereits seinen Hut nehmen.

Vor dem Spitzenspiel bei dem Überraschungsteam Füchse Berlin (So., 17.30 LIVE im TV auf SPORT1) gibt es neuen Trubel (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Trubel um Heinevetter und Stefansson

Zum einen sind ausgerechnet jetzt Gerüchte aufgekommen, dass Füchse-Schlussmann Silvio Heinevetter zur kommenden Saison zu den Löwen wechseln und dort den Platz von Fritz' scheidenden Keeper-Kollegen Slawomir Szmal einnehmen könnte.

Zum anderen gibt es Verwirrung über die Zukunft von Rückraum-Routinier Olafur Stefansson. Löwen-Gesellschafter Jesper Nielsen hatte erklärt, dass der Isländer ab Sommer 2011 für den Partnerverein Kopenhagen spielen würde.

Stefansson hat das im "Mannheimer Morgen" brüsk zurückgewiesen: "Ich will Ruhe in meiner Mannschaft haben und weiß nicht, warum Jesper Nielsen das gesagt hat. Es gibt zwischen ihm und mir keine feste Vereinbarung, was meine Zukunft angeht."

Wie Stefansson will Fritz den Trubel ausblenden und sich aufs Sportliche konzentrieren. Bei SPORT1 spricht er über den Saisonstart, die Meisterschaft und den neuen Trainer.

SPORT1: Herr Fritz, nach acht Spieltagen stehen Sie mit den Rhein-Neckar Löwen punktgleich mit dem Spitzenreiter auf Rang vier. Wie ordnen Sie den Saisonstart ein?

Henning Fritz: Eigentlich hatten wir geplant, zu diesem Zeitpunkt gar keinen Minuspunkt auf dem Konto zu haben. Letztes Jahr hatten wir auch in Magdeburg gewonnen, aber in dieser Saison haben sie sich bislang sehr gut geschlagen. Wir hätten das Spiel aber gewinnen müssen, haben zu viele Chancen ausgelassen. Von daher ist der Start nur bedingt befriedigend.

SPORT1: Auf den ersten Tabellenplätzen geht es sehr eng zu. Ist die Liga offener und die Spitze breiter geworden?

Fritz: Im Moment kann man das schon sagen. Berlin ist auch keine Eintagsfliege. Sie haben Kiel geschlagen, in Flensburg gewonnen und in Hamburg lange Zeit mitgehalten. Das ist schon eine beachtliche Leistung. Da muss man Berlin schon als Konkurrenz um die oberen Tabellenplätze sehen.

SPORT1: Welches Team hat nach Ihren bisherigen Eindrücken die besten Meisterschaftschancen?

Fritz: Ich denke, dass Kiel wieder die besten Chancen haben wird, weil sie einen breiten und starken Kader haben. Sie kennen die Situation am besten und sind auch in den letzten Jahren immer gut damit klargekommen, erfolgreich zu spielen und zum richtigen Zeitpunkt da zu sein.

SPORT1: Welches Ziel haben Sie mit den Löwen?

Fritz: Den THW zu ärgern (lacht). Wir wollen konstant auf einem hohen Niveau spielen. Ich denke, dass wir da in einigen Spielen einen Schritt nach vorne gemacht haben, aber immer noch nicht in der Konstanz spielen, wie wir uns das gewünscht haben. Das beste Beispiel war die Partie in Kielce, wo wir am Ende glücklich unentschieden gespielt haben. Das hat dem Spielverlauf nicht entsprochen, weil wir einfach zu viele Bälle weggeworfen haben. Da haben wir den Sieg verschenkt. Ich hätte gedacht, dass wir da schon weiter sind.

SPORT1: Die Löwen haben vor einigen Wochen den Trainer ausgetauscht. Gudmundur Gudmundsson ist auf Ola Lindgren gefolgt. Hat das den Druck auf das Team erhöht?

Fritz: Nein, denn der Druck ist immer da. Wir wollen ja erfolgreich sein, der Verein und die Fans natürlich auch. Wir wollen irgendwann auch einen Titel gewinnen. Dass das nicht leicht ist, ist aber auch allen bewusst. Wenn man sieht, mit welcher Konstanz und welcher Qualität Hamburg das schon versucht, die sind ja auch noch nicht Meister geworden. Das sieht man, wie schwer es ist, den Titel zu holen.

SPORT1: Ist das Spiel gegen die Füchse eine richtungweisende Partie, zumal bei einer Niederlage das Abrutschen ins Mittelfeld droht?

Fritz: Auf jeden Fall. Es wäre für uns schon sehr wichtig, in Berlin zu punkten. Wir gehen mit der Motivation ins Spiel, dass wir gewinnen wollen. Aber wir wissen, dass Berlin eine gute Mannschaft hat. Dadurch dass sie gegen Kiel gewonnen haben, würde es für uns doppelt zählen, wenn wir dort siegen würden.

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SPORT1: Wo sehen Sie die Stärken der Füchse?

Fritz: Sie haben sich in der Abwehr verstärkt, haben mit Denis Spoljaric einen sehr guten Abwehrspieler aus Kroatien geholt. Außerdem sind sie sehr diszipliniert, denn sie nehmen sich nicht eine halbe Chance, sondern warten immer hundertprozentig auf die ganze. Was sie auszeichnet: Sie machen nichts besonders, aber das was sie können, machen sie sehr gut. Dadurch sind sie auch schwer auszurechnen.

SPORT1: Die Füchse haben zuletzt beim HSV erstmals in dieser Saison verloren. Welche Rolle spielt das für die Partie?

Fritz: Es wäre schon eine sehr große Überraschung gewesen, wenn sie in Hamburg gewonnen hätten. Aber für unser Spiel spielt es keine Rolle, denn sie konnten da recht locker hinfahren. Ich glaube nicht, dass sie die Niederlage in ihrer Einstellung geschwächt hat. Sie werden mit dem gleichen Selbstvertrauen in das Spiel gehen. Deshalb müssen wir an unserem absoluten Limit spielen, um in Berlin eine Chance zu haben.

SPORT1: Es gibt Gerüchte, dass die Löwen an Füchse-Keeper Silvio Heinevetter dran sind. Wie haben Sie das aufgenommen?

Fritz: Das höre ich jetzt zum ersten Mal.

SPORT1: Würden Sie es begrüßen, wenn Heinevetter zu den Löwen kommen würde? Immerhin wäre er auch eine neue Konkurrenz für Sie?

Fritz: "Kasa" Szmal ist für mich ja auch Konkurrenz. Es geht ja darum, erfolgreich zu sein. Da ist ein gutes Torwartgespann natürlich förderlich.

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