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Für TuSEM Essen ist es der zweite schwere Rückschlag innerhalb kurzer Zeit © imago

Gekämpft, verloren, aber die Zeichen stehen schon wieder auf Neuanfang: TuSEM Essen wird Insolvenz anmelden.

Von Katharina Blum

München - TuSEM Essen hat den Wettlauf mit der Zeit verloren: Der Europapokalsieger von 2005 wird einen Insolvenzantrag stellen.

"Nach intensiver Prüfung der wirtschaftlichen Situation und Feststellung der katastrophalen finanziellen Lage, keiner Aussicht auf zusätzliche Sponsoringeinnahmen auch nur in annähernd ausreichender Größenordnung, fehlender Liquidität und der Ankündigung von Gläubigern, ihrerseits einen Insolvenzantrag zu stellen, haben wir uns zu diesem Schritt entschließen müssen. Es gab und gibt keine andere bzw. bessere Lösung für diese Situation", hieß es in einer Pressemitteilung des Klubs.

Mit dem Insolvenzantrag steht der Verein somit bereits als erster Absteiger fest.

Treffen mit der HBL-Führung

Ein Treffen mit der HBL-Führung in der vergangenen Woche sollte für Essen der erste Schritt aus der Krise sein, doch die Konzepte zur Rettung des Klubs sind wohl gescheitert.

Nach dem Gespräch hatte Frank Bohmann, der Geschäftsführer der Handball-Bundesliga (HBL), bereits erklärt, dass der "Handlungsdruck größer denn je und die Lage sehr dramatisch ist".

Und auch die neue Geschäftsführung räumte damals bereits ein, dass ein sportlicher Abstieg für den aktuellen Vorletzten wohl das Beste sei, um dann einen Wiederaufbau in der 2. Liga zu starten.

"Wir können nicht mit allen weiterspielen"

"Wir wollen die derzeitige Situation hinter uns bringen und etwas Gutes, Großes aufbauen", sagte Niels Ellwanger, der gemeinsam mit Michael Keusgen und Thomas Vomfell künftig die Geschäftsführung beim dreimaligen Meister bildet.

Ob und welche Profis, die bislang nur einen Saisonsieg schafften, den Verein sofort verlassen werden, soll sich in den nächsten Tagen klären. "Wir können nicht mit allen weiterspielen", erklärte Ellwanger weiter.

Spielbetrieb soll fortgeführt werden

Laut Bohmann will der Klub den Spielbetrieb aber noch bis Saisonende fortführen, ehe es dann im Unterhaus weitergehen soll.

Da die Essener zwar als Absteiger feststehen, die Punkte aus den Partien gegen den Ruhrgebietsklub in der Liga aber ganz normal mitgerechnet werden, sieht Bohmann auch noch ein anderes Problem: "Der Druck von anderen Vereinen wird kommen. TuSEM wird für das Verfahren nicht geliebt werden."

Ob weitere Strafen seitens der Liga drohen, darüber wollte sich der HBL-Geschäftsführer nicht äußern. Man werde aber prüfen, ob beim Lizenzierungsverfahren Fehler gemacht oder falsche Zahlen vorgelegt wurden.

Zweite schwere Finanzkrise

Für Essen ist es bereits die zweite schwere Finanzkrise innerhalb kürzester Zeit: 2005 musste der Verein nach einem Lizenzentzug bereits in die Drittklassigkeit absteigen.

Derzeit sollen mehr als 50 Gläubiger bei dem Verein Schlange stehen. Es gibt Außenstände bei Krankenkassen oder der Berufsgenossenschaft. Die Spieler warten teilweise auf bald drei Monatsgehälter. Die Unterdeckung beträgt insgesamt rund eine Million Euro.

"Seit Gründung der neuen Handball GmbH 2005 gibt es eine monatliche Unterdeckung von durchschnittlich 50.000 Euro", erklärte Keusgen.

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