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Pascal Hens gibt sich vor der Saison bescheiden
In der Kritik: Die mangelnde Vermarktung von DHB-Stars wie Pascal Hens © getty

Die Toyota HBL lässt den Grundlagenvertrag mit dem DHB auslaufen. Es geht um Vermarktungsmängel und "verramschte Leistung".

München - Hauskrach im deutschen Handball: Die Toyota HBL hat den Grundlagenvertrag mit dem Deutschen Handball-Bund (DHB) gekündigt.

Der Schritt erfolgte fristgerecht vor dem 30. September 2011. Ein Jahr später läuft die Übereinkunft aus.

DHB-Vizepräsident Horst Bredemeier bestätigte einen entsprechenden Bericht der "Sport Bild".

Dort erklärte Toyota-HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann: "Das mussten wir tun. Wir sehen bei wichtigen Eckpfeilern der Zusammenarbeit Gesprächs- und Handlungsbedarf."

"Da muss mehr Geld erwirtschaftet werden"

Besonders die Vermarktungsstrategien des DHB sind in Reihen der Liga offenbar Kritikpunkt Nummer eins.

"Die Nationalmannschaft hat einen Werbewert zwischen acht und zehn Millionen Euro. Damit muss der Handball mehr Geld erwirtschaften", meinte Bohmann.

Geld, das aus seiner Sicht auch in Abstellungsgebühren für die Nationalspieler an die Klubs fließen sollte.

Ärger über einen Werbe-Deal

Die Liga ist zudem verärgert über einen Werbevertrag, den der Deutsche Handball-Bund mit einem Versicherungskonzern abgeschlossen hat.

Das Unternehmen zahlt für Werbeflächen auf der Bekleidung der Schiedsrichter geschätzte 70.000 Euro pro Saison.

Viel zu wenig, findet Bohmann: "Da wird Leistung verramscht."

Zankapfel Profi-Schiris

Ein weiterer Zankapfel sind die Unparteiischen.

Die HBL hatte jüngst angekündigt, das Schiedsrichterwesen aus den Händen des DHB in großen Teilen übernehmen zu wollen. "Im Rahmen der Überlegungen spielen durchaus Modelle eine Rolle, die sich mit dem hauptberuflichen Schiedsrichter auseinandersetzen", sagte Bohmann.

Bredemeier wiegelte aber bereits ab: "Profi-Referees wird es nicht geben. Diese gehören zum DHB. Außerdem kämen dann enorme Kosten auf die Vereine zu."

Ein Stück Selbstständigkeit

Der Grundlagenvertrag zwischen der Liga und dem DHB, der unter anderem Namens- und Vermarktungsrechte regelt, wurde 2003 abgeschlossen. Die HBL führt pro Jahr 511.000 Euro an den Verband ab und erkauft sich dadurch ein Stück Selbstständigkeit.

Die Gefahr, dass sich die Liga beim Scheitern der Verhandlungen gänzlich lösen könnte, sieht Bredemeier indes nicht. In diesem Fall wären die Klubs nicht mehr verpflichtet, Spieler an die Nationalmannschaft abzugeben.

"Eine wilde Liga will keiner haben. Alle Vereine sind im DHB. Und dieser ist Mitglied im europäischen und im Welt-Verband. Es gebe also zum Beispiel in punkto Europacup viele bürokratische Hürden", meinte der DHB-"Vize".

Auch Bohmann bleibt trotz der angespannten Lage zuversichtlich: "Ich hoffe sehr, dass wir uns einigen. Ein endgültiges Scheitern wäre die allerletzte Option", betonte der HBL-Geschäftsführer.

"Auf Augenhöhe"

Bredemeier skizziert, wie es nun weitergeht: "Im Januar wird es jetzt weitere Gespräche geben. Dort werden wir über jeden Punkt diskutieren. Wir begegnen uns auf Augenhöhe und werden alles dafür tun, damit der Vertag verlängert wird."

Der frühere Bundestrainer stellte aber auch klar: "Die Rechtslage ist eindeutig. Sollte es keine Einigung geben, gehen alle Rechte wie Vermarktung an den DHB zurück."

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