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Essens Jewgeni Worontsow (l.) kämpft gegen Jens Bechtloff vom TBV Lemgo © imago

Kiels Manager Schwenker sieht in der Insolvenz des Bundesligisten TuSEM Essen ein grundlegendes Problem im deutschen Handball.

Hamburg - Der Insolvenzantrag des Traditionsklubs TuSEM Essen hat Kritik am Lizenzierungsverfahren der Handball-Bundesliga (HBL) hervorgerufen.

"Sowas darf nicht passieren und ist höchst schädlich für die Liga. Deshalb ist es zwingend notwendig, das Lizenzierungsverfahren intensiv zu überprüfen", sagte Uwe Schwenker, Manager des THW Kiel.

Dies sei eine der Konsequenzen, die aus dem "höchst imageschädigenden" Vorgang zu ziehen sei.

Betroffenheit in der Liga

Mit Betroffenheit habe er die Meldung vom Scheitern der jüngsten Rettungsversuche in Essen zur Kenntnis genommen, so Schwenker weiter. "Ich kann keine Ferndiagnose stellen, aber offensichtlich hat da das Kontrollsystem versagt", sagte der 49-Jährige.

Ähnlich sieht es Manager Bob Hanning von den Füchsen Berlin. "Es überrascht und enttäuscht mich, dass ein solcher Fall so früh in der Saison passiert. Da muss man wohl das Lizenzierungsverfahren kritisch hinterfragen", so der frühere Bundesliga-Trainer, der zugleich warnend den Zeigefinger erhebt:

"Wer versucht krampfhaft mitzuhalten mit von Mäzenen finanzierten Spitzenklubs, kann damit Schiffbruch erleiden."

Drohender Ausverkauf

Am Dienstag hatte der Tusem die Konsequenz aus der katastrophalen Finanzlage des Vereins mit offenbar weit mehr als einer Million Euro Schulden gezogen und Antrag auf Insolvenz gestellt. Neben dem Zwangsabstieg droht dem Verein damit der Ausverkauf. Der Spielbetrieb in dieser Saison soll aber aufrecht erhalten werden.

Thorsten Storm, Manager der Rhein-Neckar Löwen, befürchtet sogar ein "Systemproblem" im Profi-Handball. "Dass ein Klub in Finanznöte gerät, ist kein Einzelfall. Wir haben die Gehaltsspirale zu weit gedreht. Wir müssen alle zusammen aufpassen, dass die Schere nicht zu weit auseinandergeht", sagte Storm.

Rettung für HSG Nordhorn

Zuletzt hatte neben Essen auch die HSG Nordhorn mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen, wobei ein Großteil der Etatlücke unter anderem durch die Unterstützung der Städte Nordhorn und Lingen geschlossen werden konnte.

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