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Blazenko Lackovic wechselte 2008 von der SG Flensburg-Handewitt zum HSV Handball © getty

Noch will beim HSV niemand vom Titel sprechen. Aber der Sieg gegen Kiel zeigt, dass das Team einen Schritt weiter ist.

Von Annette Bachert

München ? Mit einem unbändigen Jubel befreite sich der HSV Handball von der Anspannung der letzten Tage.

Die komplette Bank samt Trainer und Verantwortliche rannte nach dem 26:25-Sieg gegen den THW Kiel mit dem Schlusspfiff geschlossen aufs Feld, die Spieler sprangen wie kleine Kinder auf und ab, lagen sich in den Armen und die ausverkaufte O2-Arena stand Kopf.

Ruhiger wurde es an diesem Abend in der Halle nur, als die Heimmannschaft beim Halbzeitstand von 12:16 mit hängenden Köpfen in die Kabine ging. (DATENCENTER: Ergebnisse Tabelle)

Doch der HSV kam zurück und wie.

"Das Herz in beide Hände" nehmen

"In der ersten Halbzeit hatte man das Gefühl, dass wir vielleicht in den acht Minuten vor der Pause entscheidend in Rückstand gegangen sind. Dementsprechend war die Stimmung in der Kabine. Aber wir haben uns geschworen, das Herz in beide Hände zu nehmen, und alles zu geben, was geht. Das hat das Team dann auch gemacht", kommentierte HSV-Trainer Martin Schwalb die Leistung seiner Mannschaft.

Blazenko Lackovic ließ sich bei SPORT1 nach dem Spiel dann sogar noch zu einer Kampfansage hinreißen: "Ich hoffe, dass wir am Ende endlich auf eins stehen werden."

"Ein Meisterstück" des HSV

In den Hamburger Zeitungen gibt man dem Erfolg bereits eine immense Bedeutung: In der "Morgenpost" darf der HSV bereits "vom Titel träumen" und das "Abendblatt" titelt mit "Meisterstück".

Solche Äußerungen sind zwar am 12. Spieltag etwas verfrüht, ein Ausrufezeichen ist der Sieg allemal.

Spieler, Trainer und Verantwortliche spielten die Bedeutung ebenfalls herunter und legten nur Phrasen wie "eine Etappe" (Martin Schwalb), "zwei Punkte" (Michael Kraus) und "die Saison ist noch lang" (Uli Derad) an den Tag, dennoch müssen sich die Hansestädter eingestehen, dass dieser Sieg etwas mehr bedeutet.

[kaltura id="0_qk5yuaor" class="full_size" title="Der HSV besiegt Titelverteidiger Kiel"]

Bisher fehlten die Nerven

In der letzten Spielzeit waren die Hamburger bereits nahe am Rekordmeister dran, scheiterten in solch wichtigen Spielen dennoch meist an den fehlenden Nerven.

So verlor man am 32. Spieltag in der O2-World das im Nachhinein entscheidende Spiel um die Meisterschaft und in der Champions League unterlagen die Hamburger im Duell gegen Ciudad Real, obwohl man das Hinspiel noch für sich entschieden hatte.

Überhaupt gewannen die Hamburger das letzte Mal vor drei Jahren gegen den THW.

Top-Leistungen bei Top-Spielen

Diese Saison ist das zumindest in der Bundesliga anders. Wenn es darauf ankommt, ist das Schwalb-Team zur Stelle.

Die einzige Niederlage in dieser Toyota-HBL-Saison datiert vom ersten Spieltag, seitdem marschiert der HSV durch die Liga. 313298(DIASHOW: Das Gigantenduell in Hamburg)

In den Top-Spielen gegen die Füchse Berlin, die SG Flensburg-Handewitt und nun gegen den THW zeigte der HSV Top-Leistungen, Siegeswillen und vor allem gute Nerven.

"Siegermentalität zum richtigen Zeitpunkt"

Auch Matchwinner Johannes Bitter, der mit dem gehaltenen Siebenmeter in der Schlussminute den Sieg erst möglich machte, erkannte eine Veränderung in der Mannschaft: "Es war geil zu sehen, wie die Mannschaft an sich geglaubt hat und nicht aufgesteckt hat. Wir haben die Siegermentalität zum richtigen Zeitpunkt an den Tag gelegt und zwei richtig schöne Punkte gewonnen."

Bitter schien zwischendurch von der Heldenrolle weit entfernt. In der 24. Minute nahm in Schwalb vom Feld und schickte ihn erst in der 45. Minute wieder zwischen die Pfosten.

Auch der angeschlagene Pascal Hens lobte die Einstellung seiner Mannschaft: "Wir haben in der zweiten Halbzeit wie die Teufel gebissen."

"Keine Krisensitzung" in Kiel

Auf Kieler Seite zeigte man sich sportlich.

Coach Alfred Gislasson beglückwünschte die Hamburger und sprach von einem Spiel "zweier Weltklasse-Mannschaften auf hohem Niveau". (STENOGRAMME 12. Spieltag)

Ebenso sah es Rückraum-Shooter Filip Jicha: "So ist Sport. Wir brauchen jetzt aber keine Krisensitzung, auch wenn wir natürlich traurig sind."

THW-Kapitän Marcus Ahlm ist sich aber sicher: "Für die Meisterschaft bedeutet diese Niederlage nicht viel."

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