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Drückt die Verzweiflung in Stralsund aus: Keeper Konstantinos Tsilimparis © imago

Dem Stralsunder HV droht der Todesstoß. Der Aufsteiger soll sich die Bundesliga-Lizenz erschlichen haben.

Von Wolfgang Kleine

Dortmund/Stralsund - In der Bundesliga brennt weiter der Baum. Erst drohte der HSG Nordhorn die Insolvenz, die dann knapp abgewendet wurde.

Danach geht der Traditionsklub TuSEM Essen pleite und wird zum Zwangsabstieg verdonnert. Nordhorn werden wegen Verstößen gegen die Lizenzauflagen von der HBL vier Punkte abgezogen und jetzt droht dem Stralsunder HV der Todesstoß.

Während HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann im Sport1.de-Interview ("Von der Hand in den Mund") noch vor der Finanzkrise warnt, die schon Anfang 2009 die Bundesliga erreichen könnte, ist Aufsteiger Stralsund möglicherweise schon vorher am Abgrund.

Im Mittelpunkt des Skandals steht Thomas Haack. Er war im März als Manager des Stralsunder HV entmachtet worden. Angebliche Gründe: Kommunikationsstörungen und "massiver Vertrauensverlust".

Lizenz erschlichen?

Doch jetzt scheint der wahre Grund ans Tageslicht zu kommen. Nach einem Bericht der "Zeitung am Strelasund" sollen unter der Verantwortung des früheren HBL-Vorstandsmitgliedes Haack Kontoauszüge und Bilanzen gefälscht worden sein.

Die Zeitung hat jetzt Kontoauszüge veröffentlicht. Es heißt: Der Klub soll sich damit die Lizenz (Bob Hanning warnt vor Frontalschaden) erschlichen haben.

Sollte die HBL die Lizenz widerrufen, muss Stralsund in die Oberliga absteigen. Bohmann hat jetzt schnell reagiert und den neuen Geschäftsführer Jörg Dombdera einen Brief geschrieben. Bohmann gegenüber Sport1.de: "Ich will wissen, ob die in den Medien erhobenen Vorwürfe stimmen. Wenn dem so sein soll, kommt der Vorgang einem massiven Betrug gleich. Konsequenzen für den Fall möchte ich hier aber noch nicht nennen."

Der neue Geschäftsführer Dombdera wurde Ende Juli intrhonisiert. Bohmann stellt in diesem Zusammenhang noch einmal klar, dass die finanziellen Dinge im Klub erst mit dem "Geschäftsführer-Wechsel zu Tage kamen", er aber den früheren Manager Haack ausdrücklich nicht entlastet.

Ex-Manager Haack hat den "schwarzen Peter"

Doch nach den Meldungen der Zeitung, soll ganz klar Haack den "schwarzen Peter" haben. Dabei sollen Kontoauszüge frisiert worden sein.

Der im Dezember 2007 vorgelegte Kontoauszug soll laut "Zeitung am Strelasund" einen Kontostand von minus 11.959,15 Euro ausgewiesen haben. Im Januar 2008 waren es dann nach den Auszügen schon ein Minus von 19.204,02 Euro.

Die Zeitung präsentierte jetzt aber Kontoauszüge, auf denen die Minuslast viel höher ist. Im Dezember 2007 seien das demnach 111.959,15 Euro gewesen, im Januar 2008 119.240,02 Euro.

Beträge um 100.000 Euro frisiert?

Demnach wäre die erste "1" von den Auszügen entfernt worden und damit ein Betrag von 100.000 Euro.

Dazu seien mehrere Darlehensverträge den Gesellschaftern nicht vorgelegt worden und darüber hinaus berichtet die Zeitung von einem Sponsorenvertrag mit der Firma SKET GmbH über 95.100 Euro. Von dem Vertrag habe die Maschinenbau-Firma aber selbst keine Ahnung. Der Vertrag sei gar nicht von der Firma unterschrieben worden.

Die Verbindlichkeiten des Klubs sollen sich nach einer Wirtschaftsprüfung inzwischen auf über 500.000 Euro belaufen.

Chantziaras nach Dormagen

Während die HBL die Situation nun prüft, beginnt im Team der Ausverkauf.

Rückraumspieler Konstantinos Chantziaras macht den Anfang und wird als Erster den Verein verlassen. Sein neuer Klub ist der TSV Dormagen.

Sofort spielberechtigt

Der HV hat den Vertrag aus wirtschaftlichen Gründen aufgelöst, demnach ist der Grieche sofort für seinen neuen Klub spielberechtigt.

Bereits am Samstag könnte der 26-Jährige im Spiel bei MT Melsungen (Sa., ab 15 Uhr LIVESCORES) zum Einsatz kommen.

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