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Gudmundur Gudmundsson ist seit September 2010 Trainer bei den Rhein-Neckar Löwen © getty

Auch Stephan kann sich einen isländischen Nationalcoach vorstellen. Gislason erklärt das erfolgreiche System seiner Heimat.

Mannheim/Frankfurt - Man spricht isländisch im Spitzenquartett der Handball-Bundesliga. Drei der ersten vier Teams haben einen Trainer von der Vulkaninsel.

Trend oder Zufall - für Stefan Kretzschmar ist das keine Frage.

Der frühere Nationalspieler hat dem Deutschen Handball-Bund (DHB) unlängst Meistercoach Alfred Gislason (51) vom THW Kiel als Nachfolger von Bundestrainer Heiner Brand wärmstens empfohlen.

Und auch der einstige Welthandballer Daniel Stephan hält viel von den Trainern aus dem Land des Olympiazweiten von 2008.

"Nicht unbedingt Deutscher als Bundestrainer"

"Sie arbeiten sehr akribisch und behalten in der Hitze des Gefechts stets kühlen Kopf. Das ist wohl eine Mentalitätssache", sagte Stephan.

Der frühere Lemgoer Bundesligastar kann sich durchaus vorstellen, dass ein Isländer den wohl in diesem Sommer aus dem Amt scheidenden Brand beerben könnte.

Stephan: "Die Zeiten sind vorbei, in denen unbedingt ein Deutscher Bundestrainer werden muss. Es kommt auf die Qualität an. Man sollte ohne Tabus und ergebnisoffen diskutieren."

Island und die Löwen

Für Coach Gudmundur Gudmundsson vom Tabellendritten Rhein-Neckar Löwen ist die glänzende Bilanz seiner Landsleute in der laufenden Saison kein Zufall.

"Wir Isländer sind geboren, um hart zu arbeiten", sagte der 50-Jährige.

Gudmundsson ist dafür der beste Beweis. Der Vater von vier Kindern trainiert neben den Löwen auch die Nationalmannschaft seines Heimatlandes - ein Mammutprogramm.

"Kein Problem", sagte der Mann mit der Aura eines Uni-Professors und blinzelt keck durch seine Brillengläser.

Gudmundsson: posititiv erfolgsbesessen

Auf der Insel im Nordatlantik ist Handball mit weitem Vorsprung vor Fußball die Sportart Nummer eins. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Bei Länderspielen haben wir eine TV-Quote von rund 80 Prozent. Handball passt eben zu unserer Mentalität", sagt Gudmundsson, der in seiner Heimat ein Volksheld und Träger des Großritterkreuzes ist.

Der Ex-Nationalspieler führte Island bei Olympia 2008 in Peking zur Silbermedaille. Gudmundsson: "Seitdem werden wir in der Heimat überall erkannt."

Und international anerkannt. "Gudmundur ist positiv fanatisch, erfolgsbesessen, überlässt nichts dem Zufall", sagt Löwen-Manager Thorsten Storm.

Handballkultur und Fachwissen

Auch Gudmundssons Kumpel Alfred Gislason, mit dem sich der Löwen-Coach früher in der Nationalmannschaft das Zimmer teilte, ist von der Qualität des isländischen Handballs überzeugt.

"Mit unserer Handballkultur und unserem Fachwissen sind wir absolute Weltklasse", sagt Gislason mit Blick auf die Förderung des Nachwuchses.

Auch eine isländische C-Jugend werde unglaublich gut und professionell trainiert: "Die haben in der Woche fünf bis sechs Einheiten. In Deutschland kämpft man um zwei."

In Deutschland fehlt die Förderung

Das Prinzip zahlt sich aus. Neben den drei Trainern Gislason, Gudmundsson und Dagur Sigurdsson (Füchse Berlin) stehen mittlerweile 16 isländische Spieler in der Bundesliga unter Vertrag. (Auch um 12 und 13 Uhr: die News im TV auf SPORT1)

Für den Kieler Coach ist das kein Zufall. "In Skandinavien und auch in Frankreich wird vom Staat und den Kommunen viel mehr getan als in Deutschland", sagt Gislason, "allein meine Heimatstadt Akureyri hat fünf Hallen für drei Vereine."

Warum der Handball im Land von Björk und Vulkan Eyjafjallajökull einen derart hohen Stellenwert besitzt, liegt nach Meinung von Gislason auch am Klima.

"Es ist eine Wintersportart, das passt perfekt zum isländischen Wetter", sagt der Hobby-Angler, der 2002 den SC Magdeburg als erste deutsche Mannschaft zum Champions-League-Triumph geführt hatte.

Im letzten Jahr gewann der 51-Jährige mit Kiel den Titel in der Königsklasse.

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