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Alfred Gislason übernahm 2008 den Trainerjob in Kiel von Noka Serdarusic © getty

Vom THW als "grauste Maus der Liga" verspottet, hat die TVG Kiel wohl den Titel gekostet. Gislason hadert mit sich selbst.

Von Martin Hoffmann

Kiel/München - "Die grauste Maus der Liga": So nannten die Presseleute des THW Kiel den TV Großwallstadt im Vorfeld den TV Großwallstadt.

Ein Ausdruck, der dem Klub nun um die Ohren fliegt. Über die größte anzunehmende Graumaus sind die "Zebras" nach 1239 Tagen ohne Heimniederlage nun nämlich böse gestolpert.

Nach der blamablen 25:28-(12:12)-Heimniederlage liegt der Abo-Meister sechs Minuspunkte hinter dem HSV Hamburg - und die Hoffnungen, ihn noch einzuholen sind auf ein Minimum geschrumpft (STENOGRAMME: 27. Spieltag) .

"Die Meisterschaft ist entschieden", befand Christian Zeitz (Video) direkt nach dem Spiel bei SPORT1(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Selbstvorwürfe von Gislason

Und der THW kann sich kaum gegen den Eindruck wehren, dass das daran liegt, dass er den TVG ebenso wenig ernst genommen hat wie seine Presseabteilung.

Auch Trainer Alfred Gislason, der sich bei SPORT1 selbst den Vorwurf machte, sich bei seinen Personalentscheidungen für die vermeintliche Pflichtübung verzockt zu haben (Video).

"Ich muss auch sagen, dass es vielleicht ein großer Fehler von mir war, mit einer ungewohnten Formation zu starten", so Gislason: "Ich muss mir selbst an die Nase fassen, da habe ich vielleicht den Rhythmus rausgebracht."

Langer Fehlerkatalog

Kapitän Marcus Ahlm, Weltmeister-Keeper Thierry Omeyer und Welthandballer Filip Jicha setzte er zunächst auf die Bank.

Dominik Klein und der auf dem Absprung nach Toulouse befindliche Jerome Fernandez standen gar nicht im Kader.

[kaltura id="0_q9pxt5td" class="full_size" title="Fatale Pleite f r Kiel"]

Ohne die geschonten Spieler lief bei Kiel nur bis zur 3:0-Führung Beginn alles nach Plan, danach war das Team aus dem Tritt:

Unwahrscheinlich viele Fehler im Angriff, eine Abwehr, die nicht stand wie sie sollte, zu wenig Tempo, zu wenig Zusammenspiel, Probleme bei der ersten und zweiten Welle: Der von Gislason aufgezählte Fehlerkatalog war lang.

Glanztag des Geburtstagskinds

Und weder die Einwechslungen der Stars auf der Bank noch durch zwei Umstellungen der Abwehrformation fand Kiel zur gewohnten Stärke.

Auch weil Ex-Kieler Mattias Andersson im Tor einen Glanztag erwischte und 19 Bälle parierte - wenn auch diverse schwache Würfe der Kieler darunter waren.

"Die Leistung von Mattias Andersson war wirklich überragend und der Hauptgrund für unsere Niederlage", zog THW-Geschäftsführer Uli Derad dennoch den Hut.

"Ein bisschen unbequem" fühle er sich, sein Ex-Team so in Not gestürzt zu haben, gestand Andersson an seinem 33. Geburtstag bei SPORT1 ein (Video).

Omeyer kritisiert die Offensive

"Wenn man zu Hause nur 25 Tore macht, ist es schwer zu gewinnen", musste Anderssons Gegenüber Omeyer bei SPORT1 feststellen (Video).

Jicha ermahnte derweil jeden seiner Mitspieler, sich an die eigene Nase zu fassen (Video) - wobei er sich nicht ausnahm ("habe katastrophal gespielt").

Gislasons Fazit fiel grundsätzlicher aus: "Man kann gegen jeden Gegner verlieren, wenn man nicht gut spielt."

Zwei bis drei Wochen Pause für Nationalspieler Christian Sprenger - der sich ohne Gegnereinwirkung am Knie verletzte - vermiesten seinen Tag zusätzlich.

Verpasste Chance

Kiel muss realistischerweise nun wohl alle Energie auf Pokal und Champions League fokussieren.

Mit der Niederlage gegen den TVG hat man die Chance verpasst, den Druck auf den HSV aufrechtzuerhalten - kurz bevor die Hamburger in die schwerste Phase der Saison gehen.

Das Schwalb-Team muss in den nächsten vier Spielen nach Flensburg, Kiel und zu den Rhein-Neckar Löwen.

Dazu steht am 10. April ein Heimspiel gegen die Großwallstädter an - die man in Hamburg nun sicher nicht mehr als grauste Maus der Liga wahrnehmen wird.

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