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Daniel Stephan spielte 13 Jahre lang für TBV Lemgo © imago

Vor dem Fernduell zwischen dem THW und Hamburg glaubt SPORT1-Experte Daniel Stephan an keine Flensburger Überraschung.

Von Barnabas Szoecs

München - Es ist ein kleiner Strohhalm, an den sich der THW Kiel klammern kann, auch wenn manch Spieler mit der Meisterschaft bereits abgeschlossen hat.

Während die Kieler im Fernduell mit dem HSV Hamburg (ab 19.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) gegen die Rhein-Neckar Löwen vorlegen, startet der Titelrivale gegen Flensburg in das erste von drei schweren Auswärtsspielen, die mit den Duellen in Kiel und bei den Rhein-Neckar Löwen fortgesetzt werden.

Doch bereits die Partie der Hamburger, die in der Tabelle mit sechs Punkten vor den Kielern führen, in Flensburg hat vorentscheidenden Charakter in Sachen Meisterschaftsendspurt.

"Wenn sie die Hürde in Flensburg überwinden, steht Hamburg als Deutscher Meister so gut wie fest", prognostiziert auch SPORT1-Experte Daniel Stephan.

Allerdings muss auch der THW seine schwere Aufgabe Rhein-Neckar Löwen mit Bravour lösen. Zumal der Tabellendritte dem Branchen-Primus den zweiten Platz abspenstig machen will. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Im Interview mit SPORT1 beleuchtet Stephan, der das Spiel der Kieler gegen die Löwen als Co-Kommentator begleiten wird, das Fernduell und spricht über die Champions-League-Auslosung.

SPORT1: Herr Stephan, es steht das große Fernduell zwischen Kiel und dem HSV an. Aber steht Hamburg bei sechs Punkten Abstand nicht schon als Deutscher Meister so gut wie fest?

Daniel Stephan: Wenn sie die Hürde in Flensburg überwinden, sieht es sehr danach aus. Man soll nie nie sagen, aber eine kleine Vorentscheidung ist dann sicherlich schon gefallen.

SPORT1: Die SG hat zuletzt beeindruckende Auftritte hingelegt. Wie kann Flensburg denn den HSV zum Stolpern bringen?

Stephan: Es kann sicherlich eine Überraschung geben, dann muss aber bei Flensburg alles passen. Es ist in der Tat überraschend, dass Flensburg gute Leistungen gebracht hat, denn sie hatten sehr viel Verletzungspech. Michael Vestergaard Knudsen hat zuletzt nur sporadisch gespielt, dafür sind Thomas Mogensen, Petar Dordic und Oscar Carlen noch verletzt. Die Ausfälle macht Flensburg mit Kampfkraft wett und taktisch sehr gut.

SPORT1: Mit dem Erreichen des Viertelfinales in der Champions League haben die Flensburger ihr Ziel bereits erreicht. Fehlt gegen den HSV möglicherweise die nötige Anspannung?

Stephan: Natürlich haben sie ihr Ziel in der Champions League erreicht, dafür hinken sie in der Liga hinterher - man hatte sich mehr ausgemalt. Die Anspannung ist sicherlich nicht weg, denn man möchte in der kommenden Saison ja auch international spielen. Sie dürfen nicht mehr viele Punkte abgeben.

SPORT1: Wie beurteilen Sie die derzeitige Verfassung beim HSV? Stolpern die Hamburger noch?

Stephan: Ich muss sagen, dass die Hamburger sehr gefestigt wirken. Sie haben sich in der Champions League gegen Valladolid, trotz eines Aussetzers in der ersten Hälfte des Hinspiels, souverän die nächste Runde erreicht. Daher glaube ich, dass der HSV momentan so stark ist, dass sie auch in Flensburg gewinnen. Die Kieler Niederlage gegen Großwallstadt motiviert die Hamburger noch mehr - sie wissen, dass sie in diesem Jahr dran sind mit der Deutschen Meisterschaft.

SPORT1: Bedeutet das, dass die Partie Kiel gegen die Löwen bereits ein Duell um Platz zwei ist?

Stephan: Das kann man durchaus so behaupten. Selbst die Kieler haben ja bereits offiziell verkündet, dass sie sich nicht mehr mit der Meisterschaft beschäftigen. Sie haben zwar sicherlich noch ein Auge darauf, aber sie werden alles dafür tun, Platz zwei zu sichern.

SPORT1: Wie gut haben die Kieler die Niederlage gegen Großwallstadt verkraftet?

Stephan: Mit der Niederlage haben sie zu kämpfen. Das hat sie ein bisschen aus der Bahn geworfen, weil ganz Handball-Deutschland, und natürlich auch die Kieler, nicht damit gerechnet haben. Es wird sehr spannend zu sehen, wie der THW das Spiel und den großen Rückstand im Kampf um die Meisterschaft verarbeitet hat. Dennoch finde ich es gut, wie die Kieler damit umgegangen sind; sie haben die Fehler bei sich gesucht, und auch Trainer Alfred Gislason hat Selbstkritik geübt, weil er nicht mit der etatmäßigen Aufstellung ins Spiel gegangen ist. Ich glaube, dass die Kieler hochmotiviert in die Partie gehen werden.

SPORT1: Wie schätzen Sie die Chancen der Löwen ein, den THW noch einzuholen?

Stephan: Die Rhein-Neckar Löwen haben jetzt Lunte gerochen, das ist ein absolutes Big-Point-Spiel für sie. Sie sind nicht der Favorit, können deshalb aber frei aufspielen - auch wenn in den letzten Wochen einige Unruhe herrschte, weil einige Spieler den Verein wohl verlassen werden. Sie wissen um ihre Chance und werden sich nicht kampflos ergeben. Und nach der Niederlage der Kieler weiß auch jeder Verein, dass der THW zu schlagen ist. Das wollen die Löwen ausnutzen, um den zweiten Platz zu erreichen.

SPORT1: Sind Sie zurzeit in der Verfassung, die Kieler zu schlagen?

Stephan: Die Rhein-Neckar Löwen haben sich zuletzt in der Champions League genauso gut verkauft wie in der Bundesliga gegen Melsungen, wo sie gar nichts haben anbrennen lassen. Sie haben auswärts sehr gute Spiele gemacht, etwa in Hamburg, und besitzen genug Qualität, um beim THW zu punkten.

SPORT1: Nun hat die Auslosung zum Viertelfinale der Champions League einige Kracher für die deutschen Teams gebracht. Kiel trifft auf Barcelona und Flensburg auf Ciudad Real.

Stephan:(lacht) Wie es aussieht, spielt Kiel eigentlich jedes Jahr gegen Barcelona. Das wird ein Leckerbissen, diese Paarung hat es einfach in sich. Und Ciudad: Das ist ein ganz großer Gegner, da wird das Weiterkommen für Flensburg sehr schwierig. Ciudad ist in meinen Augen Favorit.

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