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Im Fernduell: Hamburgs Igor Vori (r.) und Kiels Momir Ilic © getty

Im Fernduell zwischen THW und Hamburg greift Schwalbs Team nach dem Matchball - der Coach wiegelt trotzdem ab.

Von Barnabas Szoecs

München - Man muss kein begnadeter Hellseher sein, um die Gemüts- und Ausgangslage der Kieler vor dem Fernduell um die Meisterschaft mit dem HSV Hamburg deuten zu können.

Dafür sprechen bereits die Umstände eine zu deutliche Sprache, dafür scheint der Druck auf die "Zebras" zu hoch.

Und somit hat das Heimspiel gegen die Rhein-Neckar Löwen (ab 19.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) für den THW bereits acht Spieltage vor Schluss einen vorentscheidenden Charakter.

Bei einer Niederlage gegen die Badener wäre wohl nicht nur die Meisterschaft futsch - auch Platz zwei würde dann auf der Kippe stehen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Kiel am Scheideweg

Sechs Punkte trennen die beiden Liga-Riesen aus dem hohen Norden an der Tabellenspitze voneinander, im schlimmsten Fall für Kiel könnte Hamburgs Vorsprung auf acht Zähler anwachsen.

Geht es nach der Statistik, sind die Trümpfe klar auf Seiten des Tabellenführers: Kiel kassierte zuletzt eine 25:28-Heimpleite gegen den TV Großwallstadt.

Das Team von Martin Schwalb dagegen kommt mit einer bemerkenswerten Serie von 25 Liga-Partien ohne Niederlage (24 Siege, ein Remis) nach Flensburg (ab 20.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1).

Bemerkenswerte HSV-Bilanz

Und: Das letzte Direkt-Duell gewann der HSV locker mit 32:24. Ein Sieg des Tabellenführers in Schleswig-Holstein scheint demnach nahezu Formsache. Auch zehn der letzten elf Auswärtsspiele entschied der HSV für sich.

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Doch Schwalb wiegelt ab: "Es wird ein sehr emotionales und schweres Spiel werden, bei dem wir alle Kräfte zusammen nehmen müssen. Flensburg hat Michael Knudsen und Thomas Mogensen wieder dabei, zudem wird die Halle restlos ausverkauft sein."

Was dem THW dagegen zusätzlichen Druck bereitet: Sollten die Löwen die Partie für sich entscheiden - was ihnen in bisher neun Anläufen in Kiel jedoch noch nie gelang - würden sie mit der Mannschaft von Coach Alfred Gislason tabellarisch gleichziehen.

Füchse in Lauerstellung

Statt der Meisterschaft müsste man sich dann ernsthafte Sorgen um Platz zwei in der Endabrechnung machen.

Zumal auch die Füchse aus Berlin noch in der Champions-League-Region wildern ? ein Dreikampf um die restlichen Podestplätze wäre die Folge.

Ganz anders sieht die Situation bei den Hamburgern aus: Flensburg gilt als letzte echte Barriere auf dem Weg zur ersten HSV-Meisterschaft. "Wenn sie die Hürde in Flensburg überwinden, steht Hamburg als Deutscher Meister so gut wie fest", prognostiziert auch SPORT1-Experte Daniel Stephan. (INTERVIEW: "Kiels Niederlage motiviert den HSV noch mehr")

Vranjes forsch

Auch Flensburg weiß um die entscheidende Bedeutung des Fernduells - und rüstet sich entsprechend:

"Die werden mit einer riesengroßen Motivation bei uns aufschlagen", sagt SG-Trainer Ljubomir Vranjes: "Wenn sie gewinnen, sind sie zu 80 Prozent Deutscher Meister."

Kampflos will sich der Tabellensechste natürlich nicht beugen: "Ich werde meine Mannschaft so vorbereiten, dass wir gewinnen", so Vranjes. "Würde ich sie auf eine Niederlage einstimmen, hätte ich ja meinen Job verfehlt."

Hansen will Revanche

Auch Rechtsaußen Lasse Svan Hansen ist heiß: "Wir haben zuletzt immer gegen den HSV verloren. Daher brennen wir aber natürlich auf Revanche."

Ähnliches gilt für die Rhein-Neckar Löwen, die trotz der engen Tabellensituation die Favoritenrolle den Kielern zuschieben: "Die Partie ist eines der wenigen Spiele in der Saison, in der wir Außenseiter sind?, sagt Geschäftsführer Thorsten Storm.

So sieht es auch Coach Gudmundur Gudmundsson: "Wir müssen eine sehr gute Leistung zeigen, um beim THW etwas holen zu können."

Hamburg noch bei den Löwen

Sollte beide Favoriten ihre Spiele gewinnen, lohnt der Blick aufs Restprogramm.

Fünf Auswärtspartien müssen die Kieler noch bestreiten, allerdings ohne einen Gegner aus den Top-Fünf-Rängen.

Hamburg hingegen gastiert noch vier Mal in der Fremde, unter anderem bei den Löwen.

Gipfeltreffen am 20. April

Davor aber kommt es am 20. April zum absoluten Gipfel zwischen THW Kiel und dem HSV Hamburg.

Ein Heimsieg im Big-Point-Spiel ist für die Kieler natürlich absolute Pflicht, um das wohl letzte Wörtchen im Titelkampf mitreden zu können.

Allerdings könnte das direkte Spitzenduell für den THW dann bereits zu spät kommen - das aktuelle Fernduell wird darüber entscheiden.

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