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Filip Jicha (li. mit Jerome fernandez) war mit sieben Treffern bester Werfer der Partie © getty

Nach der historischen Pleite ist die Verunsicherung beim THW groß. Filip Jicha stützt sich schon auf Wünsche und Hoffnungen.

Von Annette Bachert

München/Kiel - Hängende Köpfe, leere Blicke und zurückhaltende Worte. So deprimiert hat man den THW Kiel lange nicht gesehen.

Nach der 31:33-Niederlage gegen die Rhein-Neckar Löwen zeigten sich die Kieler betrübt und verunsichert.

"Es ist traurig, dass wir das zweite Spiel bei uns hier verloren haben. Wir haben so etwas lange nicht erlebt. Aber wir müssen jetzt mit dieser Situation klar kommen", sagte Filip Jicha bei SPORT1.

Mit "lange" meint der Tscheche einen Zeitraum von knapp 33 Jahren. Denn, dass der THW zwei Bundesliga-Niederlagen in Folge kassierte, gab es zuletzt im November 1978.

"Da ist der Wurm drin"

Aber warum sich der Rekordmeister momentan so schwer tut, konnte nach der Partie niemand so richtig begründen.

"Wir spielen einfach nicht gut", ?"da ist irgendwie der Wurm drin" und "jetzt hakt es irgendwie" waren die ersten kläglichen Versuche.

Doch eines ist klar: Die Kieler müssen möglichst bald wieder in die Spur finden, wenn nicht nach der Meisterschaft schon das nächste Ziel abgehakt werden soll (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Nicht auf die Titel fokussiert

Denn mit dem Viertelfinale in der Königsklasse gegen den Vorjahresfinalisten FC Barcelona (20. und 27. April) und dem DHB-Pokal-Final-Four (7. und 8. Mai, LIVE im TV auf SPORT1) warten die nächsten schweren Aufgaben.

Doch soweit denken die Spieler von der Förde noch nicht. "Wir sind nicht fokussiert, auf die zwei Titel, die noch ausstehen. Wir sind darauf fokussiert, dass unser Spiel wieder besser wird, dass wir wieder siegen", so Jicha.

Und wie, dass weiß der Rückraum-Shooter auch schon: "Wir müssen uns wieder finden, und an uns glauben."

[kaltura id="0_wfo4o49b" class="full_size" title="Jicha: Es ist sehr traurig"]

"Der Torwart hat uns fertig gemacht"

Denn in der Partie gegen die Mannheimer fehlte es nicht nur an einem durchschlagenden Angriff oder einer aggressiveren und aktiveren Abwehr, sondern an Sicherheit und Selbstvertrauen (STENOGRAMME: 31. Spieltag).

Auch wenn Löwen-Keeper Slawomir Szmal einen hervorragenden Tag erwischte, sechs vergebene Siebenmeter und einige verworfene Gegenstöße sprechen für Verunsicherung und fehlendes Selbstbewusstsein auf Kieler Seite.

"Der Torwart hat uns fertig gemacht", sagte Momir Ilic über Szmals Weltklasse-Leistung bei SPORT1.

Szmal als Sieggarant

Im Gegenzug bekamen Kiels Keeper kaum eine Hand an den Ball. Weder Thierry Omeyer (55 gespielte Minuten, sieben Paraden), noch Andreas Palicka (5/0) konnten die unsichere Vordermannschaft stabilisieren.

"Thierry Omeyer hatte einen schlechten und Slawomir Szmal einen unglaublichen Tag. Das war der große Unterschied", bilanzierte Löwen-Abwehrchef Oliver Roggisch.

Und Linksaußen Uwe Gensheimer witzelte bei SPORT1: "Mit diesem Kasa Szmal hinten im Tor, wären es ja fahrlässig gewesen, wenn wir die Punkte hergegeben hätten."

"Wir haben die Meisterschaft vor Augen"

Alles andere als fahrlässig zeigte sich der HSV Hamburg. Im zweiten Top-Spiel des Abends setzte sich der Tabellenführer mit 34:30 bei der SG Flensburg-Handewitt durch und machte damit einen weiteren großen Schritt Richtung Meisterschaft. (STENOGRAMME: 27. Spieltag).

Feiern will man diese an der Elbe zwar noch nicht, aber mit nun acht Punkten Vorsprung auf Kiel und die Löwen bei noch sieben ausstehenden Partien, dürfte dem Team von Coach Martin Schwalb der Titel wohl kaum mehr zu nehmen sein.

"Wir haben die Meisterschaft vor Augen, und wir glauben auch daran, aber darüber reden und feiern wollen wir erst, wenn wir es wirklich geschafft haben", sagte Pascal Hens bei SPORT1.

Und davor stehen unter anderem noch Partien gegen die beiden Kiel-Bezwinger Groswallstadt und Rhein-Neckar Löwen und das Spitzenspiel beim THW selbst.

"Ich wünsche uns, dass wir das bald hinkriegen"

Für die Kieler geht es vorher aber noch zur HSG Wetzlar (Sa., ab 19 Uhr im LIVESTREAM auf SPORT1). Und da gilt es nun wieder voll anzugreifen, Selbstvertrauen tanken und das nächste Ziel, Platz zwei, zu erreichen.

"Ich hoffe und ich wünsche uns, dass wir das bald hinkriegen", so Jicha.

Und THW-Manager Uli Derad sagte zu SPORT1: "Für uns gilt es jetzt einfach, sich zu berappeln und zu unserer Leistung zurück zu finden."

Wie? "Hart arbeiten, weiter hart arbeiten, sich einfach an die guten Momente erinnern", schlug Derad vor.

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