vergrößernverkleinern
Patrick Wiencek feierte 2009 gegen Weißrussland sein Debüt im Nationalteam © imago

Bei SPORT1 spricht der Kreisläufer Patrick Wiencek über seine Ambitionen im Nationalteam und den turbulenten Wechsel nach Kiel.

Von Julia Kling

München - Viele Absagen von arrivierten Kräften musste Bundestrainer Heiner Brand vor den Testländerspielen gegen Norwegen (Sa. und So., jeweils 15 Uhr) hinnehmen.

Neben Kapitän Pascal Hens und Sebastian Preiß fallen auch Holger Glandorf und Spielmacher Michael Kraus aus.

Die Absagen der einen könnte aber zum Glück der anderen werden. Neulinge wie Patrick Wiencek bekommen so die Möglichkeit, sich in der Nationalmannschaft zu präsentieren.

Der 22-Jährige vom VfL Gummersbach - Spitzname "Bamm-Bamm", wie das übernatürlich kräftige Baby aus der "Familie Feuerstein" - zählt zu Deutschlands größten Talenten am Kreis. Zuletzt machte der Junioren-Weltmeister von 2009 aber durch den Stress um seinen Vereinswechsel zum Liga-Kontrahenten THW Kiel für Aufsehen.

Obwohl er deshalb seit Februar nur noch in der Oberliga-Mannschaft spielte und zuletzt mit einem Handbrauch außer Gefecht war, nimmt ihn Bundestrainer Heiner Brand wieder unter die Lupe.

Bei SPORT1 spricht der Kreisspieler über seine Ambitionen in der Nationalmannschaft, seinen turbulenten Wechsel und die Diskussionen um Heiner Brand.

SPORT1: Herr Wiencek, hat es Sie in Ihrer aktuellen Situation überrascht, für die Nationalmannschaft nominiert zu werden?

Wiencek: Schon, denn nach der Verletzung habe ich dann nur in der zweiten Mannschaft trainiert und gespielt. Da habe ich mich um so mehr darüber gefreut.

SPORT1: Sie gelten als eines der größten Talente am Kreis, eine Problem-Position beim DHB. Sind Sie die Lösung?

Wiencek: Also, ich selber sehe mich nicht in dieser Position. Ich möchte mich auf jeden Fall etablieren, aber es gibt in Deutschland auch noch andere gute Kreisläufer, die das Potential dazu hätten. Aber ich werde natürlich alles dafür geben, um dem deutschen Team weiterzuhelfen im Laufe der Zeit.

SPORT1: Was können Sie aus Ihrer Sicht zum deutschen Team beitragen?

Wiencek: Ich bin ein Kämpfer, der nie aufgeben würde. In der Abwehr sehe ich auch meine Stärken, weil ich immer draufhaue.

SPORT1: Das Nationalteam hat eine blamable WM hinter sich, die Trainerfrage ist ungeklärt. Würden Sie im potenziell ersten Spiel nach Ihrem Debüt 2009 lieber in einer anderen Situation wieder zum Team stoßen?

Wiencek: Mir ist das eigentlich relativ egal. Die Jungs hier sind super drauf und man muss ja auch immer nach vorne schauen. Heiner Brand macht eine super Arbeit mit uns.

SPORT1: Nach der WM ist ja viel über die Einstellung der deutschen Handballer gesprochen worden. Dabei auch über die Schwierigkeiten vom erfolgreichen Jugendspieler zum erfolgreichen Senioren-Nationalspieler zu werden. Warum ist der Sprung so schwer?

Wiencek: Die Topvereine der Toyota HBL holen sich ihre Spieler aus dem Ausland, sie wollen die besten Spieler auf den Positionen haben und da bleibt dann kaum Zeit, um die jungen Spieler auszubilden. Ich denke, das ist eines der Probleme im deutschen Handball.

SPORT1: Und wie wollen Sie den Sprung packen?

Wiencek: Ganz einfach: Ich gebe im Training eben mein Bestes und hoffe, dass ich dann zu Einsätzen komme, um mich zu zeigen.

SPORT1: Mit welchen Erwartungen gehen Sie jetzt in die beiden Testländerspiele gegen Norwegen?

Wiencek: Wir und auch speziell ich wollen die Spiele auf jeden Fall gewinnen. Ich weiß zwar noch gar nicht, ob ich Einsatzzeit bekomme, aber ich würde mich sehr darüber freuen.

SPORT1: Würden Sie gerne weiter unter Heiner Brand in der Nationalmannschaft spielen?

Wiencek: Auf jeden Fall. Er hat den deutschen Handball geprägt. Und ich gehe eigentlich auch davon aus, dass Brand weiter machen wird.

SPORT1: In der HBL ist Ihr Wechsel zum THW Kiel fix. Die Frage ist nur noch wann Sie gehen. Wie ist der aktuelle Stand?

Wiencek: Ich habe dieses Jahr noch einen Vertrag in Gummersbach und werde auf jeden Fall 2012 nach Kiel gehen. Was die Vereine jetzt unter sich planen und machen, weiß ich nicht. Es müsste sich in den nächsten Tagen entscheiden, was genau passieren wird. Mehr kann ich dazu noch nicht sagen.

SPORT1: Was genau versprechen Sie sich von Ihrem Wechsel nach Kiel? Die Konkurrenz ist dort groß.

Wiencek: Da muss ich mich dann durchbeißen. Konkurrenzkampf ist immer gut in Mannschaften, nur so kann man auch besser werden. Kiel hat Marcus Ahlm, einen der besten Kreisläufer der Welt. Da kann ich nur lernen.

SPORT1: Werden Sie in dieser Saison noch einmal für die Erste Mannschaft in Gummersbach auflaufen?

Wiencek: Ich hoffe es auf jeden Fall.

SPORT1: Hat es Sie geärgert, wie mit Ihnen umgegangen worden ist? Oder haben Sie im Nachhinein betrachtet auch Fehler gemacht?

Wiencek: Auf jeden Fall. Ich habe den Fehler gemacht, dass ich den VfL im Vorfeld nicht informiert habe. Ich finde es aber auch schade, wie von Vereinsseite her reagiert wird. Es gibt so viele Spieler in der Liga, die das genauso gemacht haben und nur mit dem Verein gesprochen haben. So wie Pettersson (Alexander Pettersson, der von Berlin zu den Rhein-Neckar Löwen wechselt, d. Red.), der schon lange im Vorfeld woanders unterschrieben hat, der jetzt aber 60 Minuten durchspielt.

SPORT1: Wie ist das aktuelle Verhältnis zu Verein und Fans?

Wiencek: Ich gehe zum Training der zweiten Mannschaft, das ist dreimal die Woche und viel mehr bekomme ich nicht mit. Ich bin natürlich mit den Spielern in Kontakt.

SPORT1: Würden Sie im Zweifel auch noch ein Jahr in der Reserve verbringen, wenn der Wechsel nicht vor 2012 klappt?

Wiencek: Wenn sie mir das vorschreiben, würde ich das natürlich auch machen.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel