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Kreisläufer Marcus Ahlm spielt seit 2003 beim THW Kiel © getty

Vor dem Gigantenduell gegen Hamburg gibt sich THW-Kreisläufer Marcus Ahlm selbstkritisch und macht Werbung für die Partie.

Von Barnabas Szöcs

München - Es wäre für ganz Kiel ein Horrorszenario geworden.

Bei der Vorstellung, dass der Meisterschaftsrivale aus Hamburg beim THW den Titel feiert, wird es Kiels Kreisläufer Marcus Ahlm ganz anders.

"Das wäre sicherlich keine schöne Sache", meint der Schwede, mit einer Mischung aus Enttäuschung und Erleichterung in der Stimme.

Vor dem großen Duell der beiden Spitzenteams der Toyota HBL (Mi., ab 19.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) ist diese Gefahr wenigstens bereits gebannt.

THW-Sieg ist Pflicht

Dennoch: Sieben Zähler liegen die "Zebras" nach Verlustpunkten gerechnet hinter den Hamburgern. Damit ist das Thema Titelverteidigung beim deutschen Rekordmeister fast vom Tisch (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Für Ahlm aber kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Ein Sieg gegen das Team von Martin Schwalb ist aber Pflicht, eine Minimalchance auf den Titel ist noch vorhanden. Zudem geht es im Duell der Nord-Riesen auch um die Ehre.

Doch die Fehler der aktuellen Saison will auch der 32-Jährige nicht unter den Teppich kehren.

Im SPORT1-Interview spricht Marcus Ahlm über das Duell gegen Hamburg, unangehneme Meisterpartys und den Bald-Kieler Patrick Wiencek (Interview: Patrick Wiencek)

SPORT1: Herr Ahlm, wie erklären Sie sich mit etwas Abstand die kostspieligen Niederlagen gegen die Löwen und speziell Großwallstadt?

Ahlm: Das waren zwei komplett verschiedene Spiele. Bei der Partie gegen Großwallstadt hat deren Torhüter Mattias Andersson ein super Spiel abgeliefert, während wir Schwierigkeiten hatten, zu den einfachen Toren zu kommen. Wir waren spielerisch einfach zu schwach.Gegen die Rhein-Neckar Löwen haben wir ein viel besseres Spiel gezeigt, uns aber zu viele Fehlwürfe geleistet - so etwas kann man sich gegen die Löwen nicht erlauben. Wir haben uns das Leben selber schwer gemacht.

SPORT1: Ändert sich durch die Tabellensituation etwas an die Herangehensweise an das Spiel?

Ahlm: Nein, eigentlich nicht. Wir schauen nicht auf die Tabelle, bevor wir in ein Spiel gehen. Es spielt keine Rolle, ob wir im Tableau vor oder hinter einer Mannschaft stehen. Das ist vor der Begegnung mit Hamburg nicht anders.

SPORT1: Wenn Sie es einem Fan, der nur den Abstand in der Tabelle sieht, erklären müssten: Warum muss er sich die Begegnung trotzdem anschauen?

Ahlm: Weil es ein super Spiel wird. Es werden viele gute Handballer auf dem Platz stehen, aus diesem Grund geht man doch als Fan zu solch einer Partie. Es wird ein spannendes, kampfbetontes Spiel mit viel Tempo.

SPORT1: Geht es gegen Hamburg nun auch darum, die Fans für die Heimniederlagen zu entschädigen?

Ahlm: Unsere Fans sind sogar nach der Heimniederlage gegen die Rhein-Neckar Löwen aufgestanden und haben applaudiert und uns unterstützt. Das war für die ganze Mannschaft ein super Gefühl, eine tolle Geste der Fans, die immer hinter uns stehen. Wir wollen das in jedem Spiel zurückgeben - natürlich auch gegen Hamburg.

SPORT1: Dennoch dürften Sie sehr froh sein, dass die Hamburger nicht direkt in Kiel Meister werden können?

Ahlm: (lacht) Das wäre sicherlich keine schöne Sache. Es ist bestimmt nicht einfach, einem Gegner in der eigenen Halle zum Meistertitel zu gratulieren. Aber wir wissen natürlich, dass wir in dieser Saison ein paar Sachen falsch gemacht haben und werden daraus lernen.

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SPORT1: Würden Sie sich bei einem Sieg noch leise Hoffnungen auf einen Hamburger Einbruch machen?

Ahlm: Das ist nicht unser Thema. Wir müssen schauen, dass wir unsere verschiedenen Ziele erreichen. Natürlich müsste man sich nicht um andere Teams kümmern, wenn man selbst gut genug spielt. Aber jetzt sind wir nun einmal Zweiter, das ist Fakt. Daher konzentrieren wir uns darauf, uns weiterzuentwickeln. Durch die allzu vielen Niederlagen, leider muss man das so sagen, haben wir einige Sachen gelernt.

SPORT1: Welche Lehren muss man für die kommende Saison aus dem wohl verpassten Titel ziehen? Oder muss man gar keine ziehen und einfach akzeptieren, dass ein Konkurrent wie Hamburg auch mal stärker sein kann?

Ahlm: Diese Frage müssen Sie mir nach der Saison stellen. Wir können noch kein Fazit ziehen, denn die Saison ist bei weitem noch nicht beendet. Neben der Liga geht es für uns in der Champions League und im Pokal mit den Endspielen erst richtig los. Wenn die Saison vorbei ist, können wir darüber sprechen, was wir gut oder weniger gut gemacht haben.

SPORT1: Welche Erwartungen haben Sie an das Champions-League-Spiel am Wochenende in Barcelona? Werden sie sich sogar dafür gegen Hamburg schonen?

Ahlm:(lacht) So denken wir in Kiel nicht. Wir versuchen zu gewinnen was möglich ist, denn wir haben hohe Ansprüche und Erwartungen. Auch gegen Barcelona haben wir uns viel vorgenommen, das wird ein Hammerspiel.

SPORT1: Wie würden Sie die Problematik des Kreisläufers in Deutschland beurteilen? In der Nationalmannschaft fehlt es auf dieser Position an einem Mann mit Weltklasseniveau.

Ahlm: (lacht) Als Schwede sollte ich mich aus dem Thema Nationalmannschaft und den einzelne Positionen raushalten, das ist nicht unbedingt mein Bereich. Aber ich denke, dass das Team von Heiner Brand eine schwierige Phase hatte und es nun sehr wichtig, Sicherheit zu bekommen und die Gewinnermentalität zurückzubekommen.

SPORT1: Gummersbachs Kreisläufer Patrick Wiencek wird nächste oder übernächste Saison zum THW stoßen. Wie bewerten Sie seine Leistungen? Können Sie ihm noch etwas beibringen?

Ahlm: Er ist noch sehr jung und hat eine gute Zukunft vor sich. Das erreicht man durch harte Arbeit und vielleicht ein Quäntchen Geduld. Und meistens liegt es in der Hand des Spielers,ob man etwas aus den Voraussetzungen macht oder nicht. Es gibt genügend Beispiele von jungen Handballern, denen keine große Karriere vorausgesagt wurde, später jedoch wurden sie Weltklassespieler. Es liegt am Ehrgeiz des Spielers.

SPORT1: Und wie sieht es mit Patrick Wiencek aus?

Ahlm: So weit ich weiß, hat Patrick sehr spät mit Handball angefangen. Das ist in meinen Augen eine gute Sache, man hat viel Ehrgeiz und Energie. Ich weiß zwar nicht, wann er zu uns kommt, aber ich freue mich jedenfalls sehr, dass er kommt.

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