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Thorsten Storm (l. mit Sigurdsson) ist seit Juli 2007 Geschäftsführer bei den Löwen © imago

Nach der Pleite gegen den HSV spricht spricht Manager Thorsten Storm bei SPORT1 über den Champions-League-Gegner Barcelona.

Von Hardy Heuer

München - Dem HSV Handball ist die Meisterschaft in der Toyota HBL wohl kaum mehr zu nehmen.

Nach dem 31:27-Sieg bei den Rhein-Neckar Löwen (Spielbericht) haben es die Gastgeber verpasst, noch einmal für Spannung im Titelrennen zu sorgen.

Da half den Badenern auch die breite Brust nach dem Champions-League-Coup gegen Montpellier (Spielbericht) nicht.

In der Liga bedeutete die Pleite für das Team von Trainer Gudmundur Gudmundsson nach sieben Siege in Serie wieder eine Nullnummer.

"Ich glaube, dass durch die turbulente Saison mit viel Unruhe im Umfeld die Mannschaft näher zusammengerückt ist. Die Jungs haben im Training einfach Spaß miteinander. Wir sind gut drauf", erklärt Löwen-Manager Thorsten Storm bei SPORT1 die Gründe für die aktuelle Erfolgsserie. Trotz der Niederlage gegen den Tabellenführer.

Im Interview mit SPORT1 spricht Storm über den Erfolg gegen Montpellier, den kommenden Champions-League Gegner Barcelona und die Unruhen im Umfeld.

SPORT1: Herr Storm, erst mal Glückwunsch zum Einzug ins Champions-League-Halbfinale. Wie überraschend war für Sie der deutliche Erfolg in Montpellier?

Thorsten Storm: Wir haben im ersten Spiel eine super erste Halbzeit gezeigt, aber dann eine grottenschlechte zweite. Deswegen hat Montpellier auch verdient mit zwei Toren gewonnen. Wir wussten aber, dass da noch keine Entscheidung gefallen ist und dass das Rückspiel bei 0:0 losgeht. Die Mannschaft hat die taktische Marschroute sehr gut umgesetzt und auf ihre Chance gewartet.

SPORT1: Vor allem Slawomir Szmal war in exzellenter Verfassung.

Storm: Ja, wir haben sicherlich eine unglaublich starke Torhüter-Leistung von Szmal gesehen, der über 50 Prozent der Bälle, nämlich 25, gehalten hat. Mit so einem Torwart gewinnst du dann auch Spiele auf diesem Niveau, wenn zwei ähnlich starke Topmannschaften aufeinandertreffen.

SPORT1: Haben Sie nach der Heim-Niederlage im Hinspiel noch daran geglaubt?

Storm: Na klar. Ich weiß, wie stark unsere Jungs sind. Wir hätten ja auch das Heimspiel gewinnen können. Es ist heute kein großer Vorteil mehr, ob man zu Hause oder auswärts spielt. Das Spiel hat sich etwas gedreht und auch die internationalen Schiedsrichter sind besser geworden.

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SPORT1: Im Gegensatz zu Ihnen hat es Liga-Konkurrent Kiel nicht ins Halbfinale geschafft. Haben Sie erwartet, dass der THW an Barcelona scheitert?

Storm: Das ist schwer zu sagen. Wir, Kiel und Barcelona sind ja drei Mannschaften, die in der Vorrunde schon alle gegeneinander in der Gruppe gespielt haben. Das waren alles enge Spiele. Wir sind als Qualifikant sicherlich die größere Überraschung beim Final-Four-Turnier als das Ausscheiden Kiels. So etwas kann immer mal passieren. Gerade, wenn du gegen einen Gegner wie Barcelona spielst. Auf dem Niveau entscheidet die Tagesform. Bei Barcelona war an diesem Tag der Torhüter einfach der bessere und die ganze Abwehr stand besser.

SPORT1: Nun ist Barcelona ihr Gegner im Halbfinale des Final Four. Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein?

Storm: Nachdem Barcelona in Kiel so cool aufgetreten ist, sind sie der große Favorit auf den Titel. Wir hatten zwei enge Spiele gegen sie und hätten dort sogar gewinnen können. Wir werden alles versuchen. Es ist immer eine Sache der Tagesform und welche Spieler man an diesem Tag im Kader zur Verfügung hat. Aber wir können so weit noch gar nicht schauen, da wir erst mal den HSV und das Pokal-Halbfinale vor der Brust haben.

SPORT1: Was müssen sie besser machen als Kiel?

Storm: Wir schauen jetzt gar nicht mal auf Kiel. Wir haben bereits zwei Mal gegen Barcelona gespielt und unser Trainer und die Mannschaft haben das bereits erlebt. Da wird sicherlich nichts zu verstecken sein, weil man alles kennt. Wenn wir einen Super-Sahne-Tag erwischen, haben wir auch gegen Barcelona eine Chance.

SPORT1: Bei Ihnen läuft es ja derzeit richtig rund. Sie haben sieben Siege in Serie gefeiert. Was macht den derzeitigen Erfolg aus?

Storm: Ich glaube, dass durch die turbulente Saison mit viel Unruhe im Umfeld die Mannschaft näher zusammengerückt ist. Die Jungs haben im Training einfach Spaß miteinander. Wir sind gut drauf. Wenn ich sehe, wie zum Beispiel Uwe Gensheimer in Montpellier von elf Versuchen zehn Tore macht. Bei uns ist der Teamgeist wichtig, weil du im Handball als stärkeres Team gewinnst.

SPORT1: Was macht den Teamgeist Ihrer Mannschaft aus?

Storm: Wir haben zum Beispiel mit Eike Rigterink einen Spieler aus der zweiten Mannschaft, der im Moment immer im Training ist, aber eigentlich fast nie spielt. Und trotzdem ist er im Team anerkannt. Das macht auch eine gute Stimmung in der Mannschaft aus, wenn du solche Typen dabei hast.

SPORT1: Kann sich die Mannschaft nach dem tollen Champions-League-Triumph überhaupt auf die Partie konzentrieren?

Storm: Für uns geht es auch um viel. Wir wollen möglichst bis zum Ende der Saison auf dem dritten Platz bleiben.

SPORT1: Sie haben vorher die Unruhen im Umfeld des Vereins angesprochen. Ihr Kapitän Sigurdsson kritisierte zuletzt die Transferpolitik. Wie stehen Sie dieser Kritik gegenüber?

Storm: Das kam in den Medien falsch rüber. Das hat er so, wie es geschrieben wurde, nicht gemeint.

SPORT1: Sondern?

Storm: Das haben wir beide untereinander geklärt und ich will da auch nicht weiter darauf eingehen. Das liegt in der Vergangenheit und wir schauen nach vorne.

SPORT1: Im Sommer steht wohl ein Umbruch bevor. Gunnarsson, Stefansson, Bielecki und Sigurdsson sollen nach Kopenhagen wechseln. Kopenhagen und die Löwen haben ja in Jesper Nielsen denselben Geldgeber. Wie stehen Sie dazu?

Storm: Das ist natürlich im Moment ein Thema, das schon die ganze Zeit über uns schwebt. Wir müssen uns damit beschäftigen und das werden wir auch intern tun. Sobald es etwas zu vermelden gibt, werden wir dies tun.

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