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Velimir Petkovic kam 2004 von der HSG Wetzlar zu Frisch Auf Göppingen © getty

Göppingens Coach beschwert sich bei SPORT1 über den Terminplan und blickt aufs Lufthansa Final Four sowie das EHF-Pokal-Finale.

Von Jakob Gajdzik und Annette Bachert

München - Bei Frisch Auf Göppingen ist er ein Urgestein. Seit 2004 fungiert Velimir Petkovic bereits als Trainer bei den Süddeutschen, und selten war er erfolgreicher als heute.

In der Toyota HBL steht das Team auf dem fünften Platz und ist auf bestem Wege in die europäischen Wettbewerbe - sogar die Champions League ist noch drin. (DATENCENTER: Toyota HBL)

Dazu steht Frisch Auf im Finale des EHF-Cups gegen den TV Großwallstadt und trifft beim Lufthansa Final Four im DHB-Pokal auf den THW Kiel (Sa., ab 13 Uhr LIVE im TV auf SPORT1).

Im SPORT1-Interview blickt der 54-Jährige auf die Pokalwettbewerbe, spricht harte Worte gegenüber der Liga und äußert sich zu den Spekulationen um die Brand-Nachfolge.

SPORT1: Herr Petkovic, am Wochenende treffen Sie und Ihr Team beim Final 4 in Hamburg auf den THW Kiel. Mit welchen Erwartungen fahren Sie dorthin?

Velimir Petkovic: Die Erwartungen sind groß. Wir haben in letzter Zeit einen richtig guten Lauf. Momentan spielt die Mannschaft nach meinem Wunsch. Somit werden auch die Erwartungen von Tag zu Tag und von Spiel zu Spiel größer, sowohl bei den Fans als auch im Verein. Allein die Teilnahme am Final Four ist schon ein großer Erfolg für uns, aber wenn man erst einmal dabei ist, darf man damit nicht zufrieden sein. Ich bin auch als ein Trainer bekannt, der sich nicht mit Kleinigkeiten zufrieden gibt. Wir sind so weit gekommen, nun müssen wir auch versuchen etwas zu holen.

SPORT1: Ist der Gewinn des DHB-Pokals also ein realistisches Ziel?

Petkovic: Es ist alles möglich, auch wenn die Situation für uns momentan nicht einfach ist. Wir haben einige Verletzte und können nicht in Bestbesetzung antreten. Mit Pavel Horak oder Drasko Mrvaljevic fallen wahrscheinlich zwei sehr bedeutende Spieler aus. Das ist der Kern unserer starken Deckung. Von daher ist es noch ein großes Fragezeichen, welcher Kader mir in den kommenden Spielen zur Verfügung steht, auch schon am Samstag gegen Kiel. Das wird auch entscheidend.

SPORT1: Wie bewerten Sie Ihren Gegner aus Kiel?

Petkovic: Kiel ist angeschlagen. Sie haben das erste Mal nach einer langen Zeit bereits zu diesem Zeitpunkt der Saison zwei Titel verloren. Das ist also ihre letzte Möglichkeit auf einen Titel. Das kann natürlich auch eine psychische Belastung bedeuten.

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SPORT1: Spielt Ihnen die Kieler Schwächephase also in die Karten?

Petkovic: Das auch wieder nicht, denn sie haben immer noch zahlreiche Weltklassespieler in ihren Reihen. Sicherlich ist es möglich, dass sich die Niederlagen etwas auf die Motivation auswirken. Auf der anderen Seite können sie mit dem Titel auch noch die Saison zumindest etwas retten. Sie werden also auch alles versuchen, den Titel zu holen. Aber auch meine Jungs sind hungrig. Wir sehen unsere Chance auf eine Sensation und werden ebenfalls alles geben.

SPORT1: Werden Sie gegen Kiel eine besondere Strategie verfolgen?

Petkovic: Das kann ich noch nicht sagen. Ich muss erst einmal schauen, wer aus meinem Kader spielen kann. Davon wird auch unsere Strategie abhängen.

SPORT1: Eine Woche später steigt das Hinspiel im EHF-Pokal-Finale gegen den TV Großwallstadt. Wie ist es, in einem europäischen Finale gegen einen Liga-Konkurrenten zu spielen?

Petkovic: Mir wäre eine ausländische Mannschaft lieber gewesen, das ist schließlich auch ein europäischer Wettbewerb. Dennoch: Auch gegen den TVG wird es schwer. Die Mannschaft hat eigentlich eine schwache Saison gespielt, hat sich jedoch in letzter Zeit gesteigert und wirkt gefestigt. Sie sind aus ihrem Tief herausgekommen und haben zuletzt auch für einige Überraschungen gesorgt. Sie werden sicher alles versuchen, um den Titel zu holen. Das ist für beide Vereine eine einmalige Chance.

SPORT1: Ist es denn kein Vorteil, dass man den Gegner besser kennt als einen ausländischen Klub?

Petkovic: Nein, das ist kein Vorteil.

SPORT1: Sie haben zuerst Heimrecht. Ein Nachteil?

Petkovic: Das zweite Spiel zu Hause zu haben ist nicht der entscheidende, aber dennoch ein Vorteil. Jeder weiß, was die Atmosphäre ausmachen kann. Die Stimmung kann für entscheidende Momente und Tore sorgen. Wir haben bisher aber im EHF-Cup alle Spiele zuerst zu Hause gespielt, von daher kennen wir das.

SPORT1: Theoretisch können Sie die Saison mit zwei Titeln beendet. Wäre das wie ein Traum?

Petkovic: Natürlich. Und gerade deswegen bin ich sehr erschrocken über die Entscheidung der Toyota HBL, unser Spiel gegen die Füchse Berlin auf den kommenden Dienstag zu verlegen. Das ist nicht ok. Das können weder ich noch meine Mannschaft nachvollziehen. Aber wir sind Sportler und müssen die Entscheidung akzeptieren. Trotzdem frage ich mich, wie man so eine Entscheidung treffen kann. Insbesondere wenn man bedenkt, dass Berlin für eine direkte Konkurrenz um die oberen Plätze und eventuell die Champions League darstellt.

SPORT1: Zumal mit Kiel, Flensburg und wieder Großwallstadt in der Liga noch weitere schwere Spiele anstehen.

Petkovic: Genau, auch deswegen kann ich diese Idee der Toyota HBL nicht verstehen. Die Liga bestraft uns. Wir haben am Samstag und eventuell am Sonntag eine starke Belastung in Hamburg und müssen am Dienstag schon wieder nach Berlin. Das wären dann drei Spiele in vier Tagen. Und nicht irgendwelche, sondern alles sehr wichtige Partien. Das kann meine Mannschaft nicht.

SPORT1: In der Liga stehen Sie momentan auf Platz fünf. Was ist noch drin für die Mannschaft - die Champions-League-Qualifikation?

SPORT1: Theoretisch ist alles ist drin. Das kann Platz vier oder auch Platz sechs sein. Aber so weit denke ich noch nicht. Ich denke von Spiel zu Spiel, und da steht das Final Four als Nächstes auf dem Programm. Die Gedanken an andere Dinge würden nur unsere Konzentration stören.

SPORT1: Als zuletzt über eine Nachfolge von Heiner Brand spekuliert wurde, fiel öfters Ihr Name. Wie ist da der Stand? Sind Sie interessiert?

Petkovic: Zu diesen Spekulationen äußere ich mich nicht, das habe ich schon öfters gesagt. Ich schätze Heiner Brand sehr. Er steht vor einer schwierigen Aufgabe, mit Deutschland die Qualifikation für die Europameisterschaft in Serbien zu schaffen. Spekulationen über seine Nachfolge sind in dieser Situation absolut kontraproduktiv.

SPORT1: Dennoch, rein spekulativ: Würden Sie ihren Job bei Frisch Auf für ein Engagement als Bundestrainer aufgeben?

Petkovic: Ich habe in Göppingen einen Vertrag bis 2013, und bis heute habe ich meine Verträge immer erfüllt.

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