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Bertrand Gille verteidigte im Januar mit Frankreich den Weltmeister-Titel © getty

Bertrand Gille spricht nach der gewonnenen Meisterschaft bei SPORT1 über den langen Weg zum Titel und die neue Rolle des HSV.

Von Jürgen Blöhs

Hamburg - Im Jahr 2002 wechselten Bertrand Gille und sein Bruder Guillaume als frisch gebackene französische Meister vom Chambery Savoie HB an die Elbe.

Die französischen Nationalspieler sollten dazu beitragen, den gerade aus Bad Schwartau in die Hansestadt umgezogenen HSV Hamburg in der Bundesliga zu etablieren.

Ziel von Präsident Andreas Rudolph war es, eines Tages den Titel nach Hamburg zu holen. Neun Jahre später wurde der Traum wahr.

Drei Spieltage vor Ende der Saison sicherten sich die Hamburger mit einem 35:30 gegen den VfL Gummersbach (Bericht) die erste Meisterschaft der Vereinsgeschichte und ließen nach den Vize-Meisterschaften 2007, 2009 und 2010 den großen Rivalen THW Kiel hinter sich.

"Endlich", zeigte sich Gille in einem Gespräch mit SPORT1 erleichtert, und der Welt-, Europameister und Olympiasieger verriet, wie wichtig ihm der Titel ist. "Darauf haben wir neun Jahre hingearbeitet."

"Jetzt werden wir feiern, feiern, feiern", freute sich der Welthandballer von 2002 auf ein paar Tage mit der Mannschaft auf Mallorca. Danach heißt es aber wieder volle Konzentration, denn die Hamburger haben noch ein großes Ziel vor Augen: Das EHF Final Four in Köln.

"Es wäre toll, die Champions League zu gewinnen. Der Titel fehlt noch in meiner Sammlung", so der erfolgsverwöhnte Franzose, der noch lange nicht satt ist. Der 32-Jährige hat genau wie sein Bruder den Kontrakt mit den Hamburgern bis 2013 verlängert.

SPORT1: Herr Gille, Herzlichen Glückwunsch zur Meisterschaft. Wie fühlt sich das an?

Bertrand Gille: Großartig. Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis wir so richtig begriffen haben, was wir heute geschafft haben. Nach dem Schlusspfiff habe ich nur gedacht: Endlich! Ewig Vize-Meister hinter Kiel, das war schon fast ein Trauma.

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SPORT1: Sie hatten vier Spiele Zeit, die Meisterschaft zu sichern. Trotzdem zeigte die Körpersprache von Anpfiff an, dass die Mannschaft den Titel heute holen wollte.

Gille: Wenn nicht heute, wann dann? Wir wollten auf keinen Fall verlieren. Da war schon ein wenig die Angst im Hinterkopf, dass es doch noch schiefgehen könnte und wir am Ende wieder mit leeren Händen dastehen. Außerdem hat uns Gummersbach letzte Saison aus der eigenen Halle geschossen. Wir haben uns geschworen, dass das nicht wieder passiert.

SPORT1: Bis zehn Minuten vor Schluss lag der HSV immer souverän sieben, acht Tore vorn. Dann folgten einige Minuten ohne Torerfolg und Gummersbach kam noch einmal ran. Hatten Sie Angst, dass die Partie noch kippen könnte?

Gille: Angst nicht, aber plötzlich kam doch Nervosität auf. Die letzten Minuten wollten einfach nicht vergehen. Immer wieder habe ich auf die Uhr gesehen. Die schien stillzustehen. In der Phase haben wir es Pelle (Torhüter Per Sandström; die Red.) zu verdanken, dass Gummersbach nicht noch näher gekommen ist. Er hat super gehalten.

SPORT1: Sie sind Welt- und Europameister, Olympiasieger, wurden Französischer Meister... Was bedeutet Ihnen der Titel Deutscher Meister?

Gille: Das ist nicht einfach zu beschreiben. Ich glaube, wenn ich später mal über meine Titel rede, wird es schwer sein, zu erklären, warum dieser Titel einem WM-Titel oder Olympiasieg gleichkommt. Gefühlsmäßig ist das schon einfacher, denn auf diesen Titel haben wir hingearbeitet, seit ich vor neun Jahren nach Hamburg kam. Nun hat es endlich geklappt.

SPORT1: Vielleicht auch, weil die Bundesliga als die stärkste der Welt gilt?

Gille: Die Bundesliga ist auf jeden Fall die stärkste Liga der Welt. Sich hier durchzusetzen, das heißt schon was. Und dann kommt ja noch der Stellenwert hinzu, den die Liga bei den Fans hat. Der Titel ist in Deutschland merkwürdigerweise viel wichtiger als der Gewinn der Champions League.

SPORT1: Welchen Anteil haben die Fans am Titel?

Gille: Einen riesengroßen. Der Titel gehört auch ihnen. Die Stimmung in der Halle ist phänomenal, und sie unterstützen uns auch, wenn wir mal nicht so gut spielen und geben uns so noch einmal den letzten Push. Pfiffe hat es hier in neun Jahren nie gegeben. Wahnsinn.

SPORT1: Nach Jahren als Jäger ist der HSV Hamburg in der kommenden Saison der Gejagte...

Gille: Ein komisches Gefühl, das ich noch nicht kennengelernt habe. Sicher wird es sehr schwer, den Titel zu verteidigen.

SPORT1: Werden wir uns auch die kommenden Jahre auf den Zweikampf zwischen Hamburg und Kiel einstellen müssen?

Gille: Ich glaube schon. Aber Berlin hat sich kontinuierlich weiterentwickelt und in kürzester Zeit in der Spitzengruppe etabliert, die muss man im Auge behalten. Wie es bei den Rhein-Neckar Löwen weitergeht, kann ich nicht beurteilen. Da steht ja jedes Jahr ein beinahe neues Team auf dem Platz.

SPORT1: Trainer Martin Schwalb hat "Ausgang bis zum Umfallen" gegeben. Danach macht die Mannschaft einen kurzen Abstecher nach Mallorca - und dann gibt es ja noch einen großen Titel zu gewinnen...

Gille: Richtig. Aber an die Champions League denken wir jetzt ein paar Tage nicht. Jetzt lassen wir erstmal den Druck der letzten Wochen und Monate abfallen und werden feiern, feiern, feiern. Danach konzentrieren uns dann voll auf das Final Four in Köln. Es wäre toll, die Champions League zu gewinnen. Der Titel fehlt noch in meiner Sammlung.

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