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Pascal Hens (r.) kam 2003 von der SG Wallau-Massenheim nach Hamburg © imago

Hamburgs Spieler feiern den Titel-Coup und kündigen weitere Großtaten an. Trainer Martin Schwalb spricht von "großen Gefühlen".

Von Julian Meißner

Hamburg/München - Wie sehr sie sich nach diesem Moment gesehnt hatten, wurde in der Stunde des größten Triumphes der Vereinsgeschichte überdeutlich.

Geradezu diebisch freute sich Johannes Bitter, als ihm und seinen Hamburger Mannschaftskollegen der Meistertitel, dem sie so lange hinterher gelaufen waren, endlich auch theoretisch nicht mehr zu nehmen war.

"Jetzt haben wir es mal allen gezeigt, die uns nachgesagt haben, dass unsere jahrelange Arbeit doch zu nichts führen würde", so der lange Torhüter des frisch gebackenen Champions: "Das ist eine große Genugtuung für das gesamte Team."

Aus Pascal Hens sprach dagegen vielmehr Erleichterung. "Ein riesiger Ballast fällt von uns ab", sagte er: "Ich bin froh, dass wir den ersten Matchball genutzt haben."

Ende der Kieler Serie

Nach sechs Meisterschaften des großen Rivalen THW Kiel in Folge wird nun zur Abwechslung erstmals der Name des HSV Hamburg in die Meisterschale eingraviert.

Mit dem ungefährdeten 35:30 (20:14) gegen den VfL Gummersbach (Bericht) hatten die Hanseaten am Mittwochabend drei Spieltage vor Saisonende ihr Meisterstück perfekt gemacht und 13.269 Fans in heimischer Halle in einen kollektiven Freudentaumel gestürzt.

"Es war eine herausragende Saison", freute sich Trainer Martin Schwalb bei SPORT1: "Die Jungs haben in jeder Phase an sich geglaubt. Jetzt sind wir durch, das ist ein ganz großes Gefühl."

Krönung für "Schwalbe"

Für den 48-Jährigen, der nach der Saison in die Geschäftsführung des Klubs aufrückt, ist der begehrte Titel die Krönung seiner Laufbahn als Coach. 2005 hatte "Schwalbe" (Porträt) die Hamburger übernommen und kontinuierlich an die Spitze herangeführt.

"Natürlich ist der letzte Schritt immer der schwerste, aber die Jungs haben das heute einfach klasse gemacht. Ich bin stolz auf meine Mannschaft", sagte der von der obligatorischen Bierdusche gezeichnete Schwalb.

Daran, dass die Hamburger der absolut verdiente Meister sind, besteht nicht der leiseste Zweifel. Angesichts von unglaublichen sechs Minuspunkten reicht dazu eigentlich ein Blick auf die Tabelle.

Kontinuität der Schlüssel

"So souverän und dominant, wie der HSV angetreten ist, hat man das natürlich verdient", meinte SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar: "Darauf hat man neun Jahre hingearbeitet und logischerweise auch viel investiert."

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Schlüssel zum Erfolg der Hamburger war neben den großzügig vorhandenen Mitteln, die Präsident Andreas Rudolph dem Klub über Jahre hinweg zur Verfügung stellte, letztlich die Kontinuität in der Personalplanung und die Beharrlichkeit, mit der man dem großen Ziel hinterherjagte.

Vor der Saison gab es mit Michael Kraus gerade einmal eine Neuverpflichtung, die Mannschaft legte mit der Zeit ihr divenhaftes Verhalten ab und gewann zunehmend an der nötigen Konstanz.

Die dürfte nun auch beim Feiern zum Tragen kommen.

"Kräftetanken" auf Mallorca

Schon am Donnerstagvormittag ging es für den kompletten HSV-Tross auf Einladung des Präsidenten für vier Tage nach Mallorca, zum "Kräftetanken", wie es offiziell hieß.

Neben drei bedeutungslosen Liga-Spielen gegen Friesenheim, Lemgo und Balingen wartet nach der Rückkehr auf deutschen Boden dann noch ein echtes Highlight auf den frisch betankten Meister.

Champions League als nächstes Ziel

Ende Mai tritt der HSV in Köln beim Final Four der Champions League im Kampf um Europas Krone an.

Gegner im Halbfinale ist Spaniens Star-Truppe Ciudad Real, ein Team von Weltklasseformat, gegen das die Hamburger in der Vergangenheit wenig zu melden hatten.

Doch der lang ersehnte Titel hat den Spielern ein neues, unerschütterliches Selbstvertrauen verschafft.

Der Kroate Igor Vori meinte, berauscht vom Augenblick: "Mit diesem großartigen Team können wir alles erreichen."

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