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Heiner Brand hat als Bundestrainer mit Deutschland 2007 den WM-Titel geholt © getty

Der scheidende Bundestrainer spricht bei SPORT1 über seine neuen Aufgaben - und sieht "Wahrheiten ein bisschen verdreht".

München - Der scheidende Bundestrainer Heiner Brand blickt bei SPORT1 nach vorne und will die Querelen um seinen Rücktritt nicht weiter befeuern: (Einwurf: Ende der Alibi-Suche)

"Es geht nicht darum nachzukarten", sagte der 58-Jährige vor dem Spiel in der Toyota HBL zwischen dem VfL Gummersbach und den Rhein-Neckar Löwen (36:28). (die Stenogramme des 32. Spieltages)

Nach 396 Spielen und mehr als 14 Jahren als Nationaltrainer hatte Brand am 18. Mai seinen Rücktritt erklärt (Interview und Video). Jetzt will er als Manager beim DHB eine Veränderung einleiten. (Machen Sie es wie SPORT1 und Heiner Brand: Unterstützen Sie München 2018)

Brand hat sich dabei vor allem die Nachwuchsförderung auf die Fahnen geschrieben: Man müsse "die Liga zu zwingen, auch junge Leute einzubauen."

Gummersbach in Nöten

Brands Ex-Klub Gummersbach erlebt derweil eine wahre Achterbahnfahrt der Gefühle. Noch am Freitag jubelte der Klub über den Sieg im Pokalsieger-Cup, bangt aber gleichzeitig um die Lizenz. (Bericht: VfL zwischen Jubel und Existenzangst )

Bis Ende der Woche muss der Verein 2,2 Millionen Euro für die Spielberechtigung auftreiben. Brand sieht den VfL dennoch auf einem guten Weg: "Die Chancen sind so gut wie noch nie. Aber zwei Millionen sind eine Menge." (DATENCENTER: Die Toyota HBL)

Bei SPORT1 spricht der Bundestrainer über seine Ziele beim DHB, das Niveau der Nachwuchsarbeit in Deutschland und seine künftigen Aufgaben.

Heiner Brand über...

das Verhältnis zwischen Liga und DHB:

"Wir sind dabei, besser zusammen zu arbeiten. Die so genannte Task-Force oder die Arbeitsgruppe Nationalmannschaft arbeitet ja schon sehr gut zusammen. Außerdem haben wir eine Nachwuchsgruppe aufgebaut ? das sind erste Anzeichen für eine Verbesserung."

[kaltura id="0_mmc10bpt" class="full_size" title="Brand rechnet ab"]

die Nachwuchs-Situation:

"Mir geht es auch nicht ums Nachkarten, sondern darum, dass meinem Nachfolger bessere Bedingungen geboten werden und dass wir wieder auf Dauer in der Lage sind, deutsche Nachwuchsspieler an ein internationales Niveau heranzuführen.

Dass Einige unseren Rückstand auf diesem Gebiet abstreiten, kann ich nicht ganz verstehen. Über meine gesamten vierzehneinhalb Jahre hat es sich so dargestellt, dass Wahrheiten ein bisschen verdreht werden und man nicht zu einer konsequenten Wende in der Lage ist. Und dass, obwohl andere Nationen und Sportarten das machen.

Nur wir nicht: Wir versuchen noch nicht einmal, den kleinen Weg zu gehen. Man hat uns sogar irgendwann den 13. und 14. U 23-Spieler aus der Mannschaft gestrichen."

seine neue Rolle:

"Es gibt ein vielfältiges Aufgabengebiet. Ich werde alles im Leistungssport machen - außer Bundestrainer. Wer mich kennt, der weiß, dass ich ehrgeizig bin. Ich habe jetzt schon einige Dinge im Kopf und einige Projekte auch schon angefangen. Ich bin in allen Themen involviert, werde aber verstärkt versuchen, für eine noch bessere Nachwuchsförderung zu sorgen."

das Niveau im Nachwuchsbereich:

"Wir machen auch bisher schon eine sehr gute Nachwuchsarbeit. Im Jugend- und Juniorenbereich sind wir erfolgreich. Darum sind die Argumente, die zwischendurch aufgekommen sind, nicht ganz korrekt."

seine Ziele:

"Ich werde versuchen, dass wir im Bereich des DHB die jungen Leute noch besser ausbilden, dass wir Elite-Spieler heranziehen und diesen beim Karriereverlauf helfen. Auch die Landesverbände spielen in meinen Überlegungen eine große Rolle.

Ich werde auch mal über den Tellerrand hinausschauen und versuchen, mit wissenschaftlichen Instituten zusammen zu arbeiten oder auch mal bei anderen Verbänden reinschauen. Ich will Entsprechendes erreichen und auf diese Art und Weise die Liga zu zwingen, auch junge Leute einzubauen."

Gummersbachs Rettungschancen:

"Zwei Millionen bis Freitag sind eine ganze Menge, und ich weiß nicht, ob man dabei tatsächlich erfolgreich sein wird. Ich hoffe natürlich, dass jetzt alle die Situation erkannt haben und dass man den VfL retten will. In dieser Region ist man schon irgendwo abhängig von der Popularität des VfL. So viele Aushängeschilder gibt es nicht."

die Voraussetzungen in Gummersbach:

"Aus meiner Sicht sind die Chancen für den VfL eigentlich so gut wie noch nie. Die Voraussetzungen sind besser, als es zu meiner aktiven Zeit der Fall war. Wir haben erfolgreiche Unternehmer im Aufsichtsrat, die sich für den VfL engagieren und bereit sind, den Neuanfang zu machen.

Wenn man es schafft, die zwei Millionen aufzubringen, sehe ich optimale Voraussetzungen für den VfL. Das hatte es noch nie ? selbst in der erfolgreichsten Zeit des VfL Gummersbach in den 70er und 80er Jahren ? , dass sich oberbergische Unternehmen in diesem Maße engagiert haben, wie das jetzt der Fall ist. Das wäre eigentlich eine sehr gute Voraussetzung."

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