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Uli Derad (li.) und der Kieler Chefcoach Alfred Gislason © imago

Kurze Zeit nach Derads Vertragsauflösung werden Gerüchte um die Hintergründe lauter. Auch Schwenker soll beteiligt sein.

Von Annette Bachert

München/ Kiel ? Burnout-Syndrom.

Das ist der genannte Grund für Uli Derads vorzeitigen Abgang aus der Geschäftsführung beim THW Kiel, der am Montag bekannt wurde (Bericht: Derad dank ab).

Sein Nachfolger und Freund Klaus Elwardt versuchte ihn offenbar noch umzustimmen. Vergeblich.

Wie die "Kieler Nachrichten" berichten, soll Derad zu Elwardt gesagt haben: "Ich kann nicht mehr. Ich will nicht mehr."

Seit seinem Amtsantritt 2009 kämpfte der 45-Jährige eben nicht nur mit den üblichen Aufgaben eines Geschäftsführers, sondern auch mit den Hinterlassenschaften und der immer währenden Präsenz seines Vorgängers Uwe Schwenker.

Gislason kein großer Freund Derads

Beispielsweise THW-Coach Alfred Gislason hegte immer besseren Kontakt zu Schwenker als zu Derad, den er angeblich nur duldete.

Auch ein großer Teil des Kaders besteht immer noch aus Spielern, die Schwenker in seiner Zeit verpflichtet hatte. Bei einigen Neuzugängen in den vergangenen zwei Jahren soll Schwenker ebenfalls mitbeteiligt gewesen sein.

Wie die "Süddeutsche" berichtet, lassen sich unter anderem die Kieler Profis Aron Palmarsson und Tobias Reichmann von Schwenker beraten.

Derad eher der Verwalter

Überhaupt trat Derad nie so recht ins Rampenlicht wie sein Vorgänger oder auch seine Pendants in der Bundesliga wie Bob Hanning (Füchse Berlin), Holger Kaiser (SG Flensburg-Handewitt) oder Thorsten Storm (Rhein-Neckar Löwen).

Derad war immer eher ein Verwalter des Klubs und weniger der Mann, der den Verein in der Öffentlichkeit präsentiert hat.

"Das war nicht seine starke Seite"

Die Kritik, dass der gesamte THW mit Derad in der öffentlichen Wahrnehmung nur eine untergeordnete Rolle spielte, nimmt man in Kiel auch an.

Aufsichtsratsmitglied Reinhard Ziegenbein kommentierte dies so: "Das war nicht seine starke Seite, dafür hätte er sich zu sehr verstellen müssen. Und das wollten wir nicht."

Auch wenn Elwardt bereits einen Ein-Jahres-Vertrag unterschrieben hat und sich die Option auf mehr offen lässt, wird bereits um dessen Nachfolge spekuliert.

Auch der Name Uwe Schwenker taucht in dieser Liste bereits wieder auf, denn seine Verdienste - unabhängig von den Manipulationsvorwürfen - sind unbestritten.

Verfahren bereits eröffnet

Von 1993 bis 2009 war Schwenker beim Rekordmeister als Manager und in der Geschäftsführung tätig.

Erst als die Staatanwaltschaft Kiel ihm 2009 Schiedsrichter-Bestechung vor dem Champions-League-Finale 2007 vorwarf, wurde der Manager-Vertrag im Einvernehmen mit sofortiger Wirkung aufgelöst. Sein Amt in der Geschäftsführung legte er selbst nieder.

Ein Jahr später klagte das Kieler Landgericht Schwenker und den damaligen THW-Coach Noka Serdarusic wegen Untreue und Betrug an.

Das Verfahren wurde im Januar diesen Jahres eröffnet, die Hauptverhandlung beginnt im September.

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