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Die Verhandlung gegen Uwe Schwenker (l., mit Alfred Gislason) beginnt im September © imago

Der neue THW-Geschäftsführer Klaus Elwardt spricht bei SPORT1 über Derads Abgang, die Gerüchte um Schwenker und Personalpläne.

Von Julian Meißner

München - Der neue starke Mann beim THW Kiel ist einer des Volkes.

SPORT1 erreicht Klaus Elwardt, als er beim Fanclub-Turnier der Kieler "Zebrasprotten" vorbeischaut.

Wenige Tage zuvor wurde der 55-Jährige als Nachfolger von Uli Derad auf dem Geschäftsführerposten beim deutschen Rekordmeister präsentiert (Bericht: Derad dankt ab).

Derad war Anfang der Woche völlig überraschend aus "gesundheitlichen und persönlichen" Gründen zurückgetreten. Vom Burn-Out-Syndrom ist die Rede.

"Für mich ist es ganz wichtig, dass die THW-Familie zusammensteht", betont Elwardt.

"Er ist die logische Besetzung", sagt THW-Kapitän Marcus Ahlm über Elwardt, der zunächst einen Einjahresvertrag unterschrieben hat.

Im Interview mit SPORT1 spricht Elwardt, der zwischen 1975 und 1984 für den THW auflief, über Derads Abgang, seine neue Aufgabe, die Gerüchte um Uwe Schwenker und personelle Veränderungen.

SPORT1: Herr Elwardt, Glückwunsch zum neuen Posten. Der Führungswechsel beim THW kam sehr überraschend - für Sie auch?

Klaus Elwardt: Ja, das kann man so sagen. Damit hatte ich nicht gerechnet. Wir haben am Dienstag zusammengesessen und darüber gesprochen, am Donnerstag ist Herr Derad zurückgetreten und am Samstag wurde ich gefragt, ob ich übernehmen würde - und habe dann auch zugestimmt. Am Montag war ich Geschäftsführer des THW Kiel.

SPORT1: Mussten Sie lange überlegen?

Elwardt: Nein, da musste ich gar nicht überlegen. Für mich war sofort klar, dass ich helfen werde.

SPORT1: Verspüren Sie Vorfreude, auch wenn die augenblickliche Situation nicht gerade einfach ist?

Elwardt: Genauso ist es. Auch die Sponsoren und Fans sind froh, dass kein Neuer gesucht wird, sondern die Aufgabe von jemandem aus dem Umfeld übernommen wird, der direkt dabei ist und weiß, was ansteht.

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SPORT1: Wie ist Ihr Engagement angelegt: Sehen Sie sich als Übergangslösung oder werden Sie den Job langfristig ausüben?

Elwardt: Erst einmal bin den Job angetreten, damit wir hier einen Geschäftsführer haben. Deshalb haben wir die Zusammenarbeit zunächst auf ein Jahr befristet. Im Anschluss müssen wir sehen, was wir daraus machen. Wenn mir der Job gefällt und wenn man mit mir zufrieden ist, kann ich mir durchaus vorstellen, das länger zu machen.

SPORT1: Zu Uli Derads Abgang gibt es verschiedene Darstellungen. Können Sie für Klarheit sorgen?

Elwardt: Herr Derad hat aus gesundheitlichen Gründen um die Auflösung seines Vertrags gebeten. Dem haben wir entsprochen. Mehr ist dazu nicht zu sagen.

SPORT1: Dass Uwe Schwenker im Hintergrund angeblich immer noch die Fäden zieht, soll ebenfalls eine Rolle gespielt haben. Was ist da dran?

Elwardt: Das sind alles Spekulationen, an denen werde ich mich nicht beteiligen. Noch einmal: Herr Derad hat sein Engagement krankheitsbedingt beendet. Bei dieser Aussage bleibe ich. Vielleicht hatte er auch persönliche Gründe, das muss dann Herr Derad wissen.

SPORT1: Spielt Herr Schwenker denn noch eine Rolle in Kiel?

Elwardt: Nein. Herr Schwenker spielt im Moment überhaupt gar keine Rolle. Der Prozess steht an und die Frage nach Herrn Schwenker stellt sich gar nicht. Der Posten war von Herrn Derad besetzt und wurde jetzt von mir übernommen. Deshalb muss ich mir um Herrn Schwenker überhaupt gar keine Gedanken machen.

SPORT1: Gilt das auch für Sie persönlich? Schließlich haben Sie lange Jahre zusammengespielt.

Elwardt: Wir sind befreundet. Aber das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.

SPORT1: Offenbar gab es Stimmen, Herr Derad sei mit der Aufgabe überfordert gewesen. Wie kommentieren Sie das?

Elwardt: Das möchte ich nicht kommentieren. Herr Derad hat hier einen guten Job gemacht und scheidet krankheitsbedingt aus. Er hat auch kein Problem damit, das so zu sagen. Es ist traurig für Herrn Derad, dass er krank ist, und ich wünsche ihm, dass er schnellstmöglich wieder auf die Beine kommt.

SPORT1: Stehen Sie mit ihm noch wegen einer geregelten Übergabe in Kontakt?

Elwardt: Ja, wir haben ständigen Kontakt. Er ist zwar in Behandlung, aber er meldet sich bei mir. Da ist alles in Ordnung.

SPORT1: Wo sehen Sie Ihre Aufgaben, was Sind die größten Baustellen?

Elwardt: Als erstes müssen unseren Spielerkader auf Vordermann bringen, da haben wir ja noch einige Baustellen. Vor allem, was unsere Kreisläufer anbelangt. Sollten wir für Patrick Wiencek aus Gummersbach keine Freigabe bekommen, wird Daniel Kubes am Kreis spielen. Wir haben Milutin Dragicevic, von dem wir uns trennen würden, wenn wir einen Verein für ihn finden. Das sind Dinge, die wir jetzt erst mal in die richtigen Bahnen lenken müssen.

SPORT1: Gibt es akute Personalien - außer der Kreisläuferposition - an denen Sie arbeiten?

Elwardt: Nein. Ansonsten ist unser Kader gut aufgestellt, wir planen keine weiteren Neuverpflichtungen.

SPORT1: Sind Sie guter Dinge, dass der THW nun wieder in etwas ruhigeres Fahrwasser kommt?

Elwardt: Wir befinden uns bereits in ruhigem Fahrwasser. Viele erwarten ja von mir, dass ich, als altes Gesicht des THW, dafür sorge, dass alles wieder in den richtigen Bahnen verläuft. Ich hoffe, ich kann diese Erwartungen erfüllen. Aber wir stehen ja nicht schlecht da: Wir haben eine Top-Truppe - die einzige Baustelle ist vielleicht der Kreisläufer.

SPORT1: Wie ist Ihr Draht zu Trainer Alfred Gislason?

Elwardt: Sehr gut. Wir telefonieren täglich, das haben wir vorher allerdings auch schon gemacht. Es läuft als Geschäftsführer genauso wie zuvor, als ich noch im Aufsichtsrat war. Wir tauschen uns regelmäßig aus.

SPORT1: Sehen Sie Kiel auf gutem Wege, wieder die Nummer eins in Deutschland zu werden?

Elwardt: Wir wollen natürlich Deutscher Meister werden, das ist klar. Ich glaube, dass wir ein gehöriges Wörtchen mitreden werden. Im letzten Jahr hatten wir mit den vielen Verletzten eine schwierige Saison und sind dennoch Weltpokalsieger und Pokalsieger geworden. Hamburg war in Deutschland allerdings die beste Mannschaft.

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