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Alfred Gislason ist seit 2008 Cheftrainer beim THW Kiel © getty

Der THW-Coach lässt die Kritik von Christian Zeitz nicht auf sich sitzen. Seinen Spielern prophezeit Gislason harte Wochen.

Von Raphael Weber

München - Die verpasste Meisterschaft in der abgelaufenen Saison ärgert THW-Coach Alfred Gislason noch immer.

Auch in der scheinbaren Idylle des Trainingslagers auf La Reunion kam der Kieler Trainer nicht zur Ruhe.

Nach Gründen, die ihn auf die Palme bringen, musste der Trainer auf der Insel im Indischen Ozean nicht lange suchen.

Dass der eine oder andere Spieler zum Auftakt des Trainingslagers körperlich nicht voll auf der Höhe war, konterte der Isländer mit Sarkasmus und einer offenen Drohung.

Die verbalen Attacken von Rückraumspieler Christian Zeitz sorgten dagegen für mehr Aufregung.

Zoff mit Zeitz

Zeitz hatte in einem Interview erklärt, Gislason sei zu demokratisch und habe seinen Führungsstil erst nach einem Gespräch mit den Vertretern der Mannschaft geändert. Erst das habe den Pokalsieg ermöglicht.

"Das ist lächerlich. Meinen Stil habe ich in den vergangenen 15 Jahren nicht geändert", echauffiert sich Gislason gegenüber den "Kieler Nachrichten"."Profi-Handball ist keine Demokratie."

Einmal in Fahrt, konnte sich der Isländer dann auch eine Spitze gegen Zeitz nicht verkneifen. (126233DIASHOW: Die HBL-Wechselbörse)

Nachhilfe für den Ex-Nationalspieler

"Ich rede mit Spielern viel über Taktiken, um zu sehen, ob sie sie verstehen", so der Coach. "Das gilt besonders für Christian, der sich bei Videoanalysen nie zu Wort meldet."

Nachhilfe also für den ehemaligen Nationalspieler, der auch unter dem neuen Bundestrainer Martin Heuberger nicht mehr für Deutschland spielen will (News).

"Weil ich so viel mit ihm geredet habe, hat er immerhin so viele Taktiken verstanden, dass wir am Ende Zweiter wurden und nicht Dritter", erklärt Gislason. "Vielleicht habe ich aber mit meiner Art, mit Spielern umzugehen, den einen oder anderen überschätzt."

Klärendes Gespräch

Wenigstens dieser Disput scheint aber vorerst aus der Welt geschafft.

"Der Trainer war deswegen ziemlich aufgebraust", erklärte THW-Geschäftsführer Klaus Elwardt gegenüber den "Handball-News". (EXKLUSIV: Klaus Elwardt im SPORT1-Interview)

"Aber die Sache ist im Gespräch mit Zeitz, Filip Jicha und Marcus Ahlm geklärt worden."

Manko Fitness

Der zweite Reizpunkt für "Vulkan" Gislason ist der Fitness-Zustand seines Teams.

Zu Beginn der Trainingswoche auf La Reunion hatte der Coach noch erklärt, er sei sehr zufrieden mit dem Zustand der Mannschaft.

Mit sarkastischem Unterton fügte er aber auch an: "Sicher, nicht jeder ist hier in einer Super-Form angekommen. Aber ein Vorteil einer kurzen Pause ist, dass die Spieler kaum an Fitness verlieren können."

"Es wird brutal"

"Einige haben in der Sommerpause nichts gemacht", moniert Gislason, zeigt aber zugleich auch Verständnis: "Die Pause war sehr kurz. Da kann ich nicht erwarten, dass die Jungs weiter voll trainieren."

Sein Mitleid kennt aber klare Grenzen und wer sich nicht fit gehalten hat, kann sich schon mal auf die Quittung gefasst machen.

"Ab Montag wird es brutal. Wer bisher nichts gemacht hat, wird es bereuen", droht der Coach.

Die Ruhe vor dem Sturm

Vor der ostafrikanischen Küste standen ohnehin andere Qualitäten im Vordergrund.

"Um sich als Mannschaft zu finden, war diese Zeit super", erklärte Kapitän Marcus Ahlm. "Wir haben viele lustige Dinge erleben dürfen."

Dafür ließ sich letztendlich sogar der kühle Nordländer Gislason erwärmen. Für das Teambuilding sei das Trainingslager ideal gewesen. "Nur deshalb habe ich zugestimmt", sagte der 51-Jährige.

"Egoismus ist fehl am Platz"

Im taktischen Bereich sieht er dagegen durchaus noch Nachholbedarf.

"Einige müssen sich mehr mit dem eigenen Spiel beschäftigen. Das Rotationssystem, das wir spielen wollen, ist in erster Linie Kopfsache," so der Isländer. "Egoismus ist fehl am Platz", erklärt er. "Es ist mir lieber, einer wirft drei Tore in drei Versuchen als acht in 15."

Gut möglich, dass Zeitz und Co. deswegen auch wieder desöfteren zur Videoanalyse gebeten werden. Ganz demokratisch natürlich.

Die Zielsetzung für das kommende Jahr ist für Gislason jedenfalls klar: "Eine Saison ohne Meisterschaft ist unbefriedigend."

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