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Johannes Bitter (re., mit Dan Beutler) wechsel- te 2007 vom SC Magdeburg nach Hamburg © Freitag

Der HSV hat Bitter mit Beutler einen neuen Spitzen-Keeper zur Seite gestellt. Doch statt Kampf herrscht in Hamburg Fairness.

Von Annette Bachert

München - Die im Fußball so berühmte T-Frage stellt sich im Handball eigentlich nicht. Denn meist wechseln die Trainer ihre Keeper während des Spiels immer wieder durch.

Und dennoch gibt es in vielen Mannschaften einen Stamm- und einen Ersatz-Torhüter.

Anders ist das beim HSV Hamburg.

Dort spielen mit Johannes Bitter und Dan Beutler zwei ähnlich starke Schlussmänner, so dass es laut Bitter "nichts bringen würde, eine klare Nummer eins zu verteilen".

"Dan und ich sehen das ähnlich. Das hat man auch in den letzten Jahren beim HSV gesehen, dass die guten Leistungen dann zustande kamen, wenn man gut zusammen gespielt hat", erklärt der 28-Jährige SPORT1.

"Das beste Torwartpaar in der Bundesliga"

Und genau so sieht das auch der neue Hamburger Coach Per Carlen: "Es gibt nicht immer eine Nummer eins und zwei. Man muss viele Dinge beachten, wie den aktuellen Leistungsstand des Spielers oder den Gegner."

Bitter, mit 2,05 Meter der Größte im Team und der drittgrößte Keeper der Toyota HBL, steht dank seiner Reichweite und seiner Präsenz im Tor oft wie eine Wand.

Der Schwede Beutler ist mit 1,93 Meter zwar (rein größentechnisch) nur Mittelmaß in der Bundesliga, profitiert aber von seiner Reaktionsschnelligkeit und dem taktisch-geprägten Torwart-Spiel.

Carlen bringt es bei SPORT1 auf den Punkt: "Für mich ist es das beste Torwartpaar in der Bundesliga."

Bitter und die Schweden - das passt

Aber nicht nur sportlich harmonieren die beiden gut, auch menschlich kommen die vermeintlichen Konkurrenten gut miteinander aus.

"Es ist wirklich sehr harmonisch", sagt Bitter: "Ich hatte bisher mit keinem Schweden ein Problem. Und es scheint sich zu bewahrheiten, dass ich mit den neuen Schweden im Team (Anmerk. der Red.: Beutler und Rückraum-Shooter Oscar Carlen) gut klarkomme."

Auch Beutler, der früher als etwas schwierig galt und bei Flensburg die Nummer eins war, hat sich in seiner neuen Rolle gefunden.

"Ich habe mit Jogi kein Problem. Er ist ein positiver Mensch, es passt. Ich weiß, was er kann und andersherum. Wir werden uns unterstützen", sagt der 33-Jährige in der "Bild".

"Beide sind faire Sportsmänner"

"Ich spreche viel mit Dan darüber, was wir im Tor zusammen machen wollen. Wir haben uns auf grundlegende Sachen geeinigt, wo wir eine ähnliche Einstellung zu dem Ganzen haben", so Bitter.

Beispielsweise im Bezug auf die Abwehr sind sich die beiden einig. "Beide bevorzugen eine 6-0-Abwehr. Die werden wir wohl auch häufiger spielen", verrät der Coach.

Dass Beutler Carlens Wunschspieler war und Bitter deshalb vielleicht benachteiligt werden könnte, kann sich der ehemalige deutsche Nationalspieler nicht vorstellen: "Das denken viele. Und natürlich, kennen sich die beiden besser und können ihre eigene Sprache sprechen, aber ich sehe die beiden als faire Sportsmänner."

"Wenn es nicht läuft, spielt eben Dan"

Außerdem weiß Bitter um seine Qualitäten: "Ich denke schon, dass ich über einen sehr großen Zeitraum sehr konstant gespielt habe und das zeichnet einen Torhüter aus."

"Zwei, drei Spiele überragend zu spielen kann zwar nicht jeder, aber das können nicht viele. Der Mannschaft über einen längeren Zeitraum konstant zu helfen, ist das, was ich mir vorgenommen habe", erklärt Bitter:

"Ich möchte eine gute Vorbereitung machen, mich in jedem Training quälen, fit werden und meine Leistungen aus der letzten Saison bestätigen. Und wenn es nicht läuft, spielt eben Dan, damit am Ende niemand sagen kann, es hat am Torhüter gelegen."

"Den HSV auf Vordermann bringen"

In der deutschen Nationalmannschaft will der gebürtige Oldenburger weiterhin pausieren.

"Ich habe einfach in den letzten Jahren gemerkt, dass es sehr schlaucht und die Psyche ist immer sehr beansprucht. Auch die Trennung von meinen Kindern hat mir nicht immer gut getan. Ich schaue jetzt erst mal bis die Kinder älter sind und wenn die Leistung noch stimmt, bin ich wieder dabei", erzählt Bitter.

Dan Beutler, 2002 und 2003 noch schwedischer Torhüter des Jahres, gehörte bei der WM im Januar nur noch zum erweiterten Kader der schwedischen Nationalmannschaft und kam nicht zum Einsatz (126233DIASHOW: Die HBL-Wechselbörse).

Für den Verein bedeutet das, dass sich sowohl Bitter als auch Beutler zu hundert Prozent auf ihre Leistungen beim Deutschen Meister konzentrieren können. Oder wie Bitter sagt: "Ich will den HSV erst einmal auf Vordermann bringen."

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