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Christian Zeitz wechselte 2003 von der SG Kronau-Östringen zum THW Kiel © dpa Picture Alliance

Vor Saisonbeginn scheint Kiel der größte Favorit auf die Schale. Doch auch beim Rekordmeister läuft derzeit nicht alles rund.

Von Annette Bachert

München - Zwei große Vorteile und eine kleine Hoffnung:

Das ist die Ausgangslage mit der der THW Kiel in die neue Saison startet. Im Gegensatz zu den Konkurrenten wie dem HSV Hamburg oder den Füchsen Berlin hat der deutsche Rekordmeister keine neuen Spieler einzubinden und keine Abgänge zu verzeichnen.

Einzig Jerome Fernandez, der im September für den verletzten Daniel Narcisse kurzfristig geholt wurde, steht nicht mehr im Kader.

Das allerdings schon seit Anfang Mai. Eine lange Eingewöhnungsphase entfällt bei den Kielern also.

Drei schwerwiegende Ausfälle

Ein weiterer großer Vorteil für THW-Coach Alfred Gislason ist, dass er - Stand jetzt - keine Langzeitverletzten im Kader hat. Und die Blessuren von Filip Jicha an der Achillessehne und Christian Zeitz (Schulter) sollten bald ausgeheilt sein.

Im letzten Jahr sah das noch ganz anders aus. Mit Daniel Narcisse (Kreuzbandriss), Kim Andersson (erst Knie-Operation, dann Fingerbruch) und Christian Zeitz (Außenbandriss) fielen drei wichtige Rückraum-Spieler viele Monate aus.

Ein eingespieltes Team

Narcisse und Andresson bezeichnete Gislason kürzlich scherzend als "die zwei Neuzugänge". Doch hatten beide gen Ende der vergangenen Saison noch diverse Einsätze und sollten keinerlei Leistungs-Defizit mehr ausweisen.

Somit kann der Isländer in diesem Jahr mit einem fitten und perfekt eingespieltem Team Richtung Titel stürmen.

Drei Neue? Erst nächstes Jahr

Gislason lässt diese Tatsache aber nicht gerade in Begeisterungsstürme ausbrechen. "Klar habe ich nun eine eingespielte Mannschaft für die neue Saison beisammen, aber etwas mehr Glück könnte nicht schaden", sagt der 51-Jährige der "Handballwoche".

Das Glück fehlt den Norddeutschen momentan bei den drei künftigen THW-Akteuren (126233DIASHOW: Die HBL-Wechselbörse).

Sowohl die Kreisläufer Patrick Wiencek und Rene Toft Hansen sowie Rückraum-Shooter Marko Vujin müssen ihre Verträge bis 2012 in ihren jetzigen Vereinen erfüllen und können nicht schon in dieser Saison für Kiel auflaufen.

Und Kreisläufer Milutin Dragicevic, dem der THW bereits einen Wechsel nahelegte, ist auf der Suche nach einem neuen Verein noch nicht fündig geworden.

Bleibt Gislason allein?

Der einzige Platz, der im Gegensatz zur Vorsaison leer bleiben wird, ist der von Co-Trainer Ole Viken.

Der Norweger kehrt aus familiären Gründen in seine Heimat zurück und wird Gislason also künftig nicht mehr unterstützen. Ein Nachfolger wurde noch nicht präsentiert. Es könnte allerdings auf den jetzigen Jugend-Sportdirektor Raul Alonso hinauslaufen. Oder Gislason bleibt vorerst ohne Assistenten.

"Froh, wenn die Sache vorbei ist"

Die bedeutenden personellen Veränderungen und Unruhen herrschen beim THW eher in den oberen Etagen.

Der überraschende Abgang von Geschäftsführer Uli Derad (BERICHT: Paukenschlag in Kiel: Derad dankt ab) und die äußerst kurze Suche nach Nachfolger Klaus Elwardt hinterließen zuletzt doch einen faden Nachgeschmack.

Dazu kommt, dass der Prozess im Manipulations-Skandal um Derad-Vorgänger Uwe Schwenker und den ehemaligen THW-Coach Noka Serdarusic nächsten Monat beginnt. Und die Kieler damit in den nächsten Wochen und Monaten wohl häufiger damit konfrontiert werden und das Sportliche in den Hintergrund rücken könnte.

Gislason, der als guter Freund Schwenkers gilt, sagt dazu: "Ich bin froh, wenn die Sache endlich vorbei ist."

Das ist "unbefriedigend"

Umso wichtiger sind in diesem Jahr die sportlichen Leistungen.

"Natürlich wollen wir um alle Titel mitspielen. Die Meisterschaft und die Champions League haben beide eine sehr große Bedeutung für uns", verrät Gislason.

Und weiter: "Eine Saison ohne Titel ist unbefriedigend."

Hartes Programm für Kiel

In der Vorbereitung läuft es bisher für die "Zebras" bisher ziemlich gut.

Beim Orlen Cup im polnischen Plock besiegten sie den slowenischen Vizemeister Gorenje Velenje, die japanische Nationalmannschaft und den Heim-Verein Wisla Block. Vor allem Momir Ilic und Kapitän Marcus Ahlm überzeugten in Polen (BERICHT: Lemgo setzt Ausrufezeichen - Kiel in Top-Form).

Mit dem Jahrhundert-Turnier in Lemgo, Schlecker-Cup in Ehingen, "Unser Norden"-Cup und dem Supercup gegen den HSV haben die Kieler auch noch ein anspruchsvolles Programm bis zum Saisonstart am 4. September zu bewältigen.

Dann geht es im Nordderby gegen die SG Flensburg-Handewitt, die laut Gislason ein echter Konkurrent um die Meisterschaft werden könnte.

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