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Oliver Roggisch wechselte 2007 vom SC Magdeburg zu den Rhein-Neckar Löwen © dpa Picture Alliance

Bei den Löwen fallen reihenweise Spieler aus. Roggisch soll sich nach vorne orientieren, Groetzki mehr Verantwortung übernehmen.

Von Annette Bachert

München - Die Spieler werden immer weniger und die Sorgenfalten bei den Rhein-Neckar Löwen tiefer.

Zwischendurch standen Löwen-Coach Gudmundur Gudmundsson von 13 Feldspielern nur noch zehn zur Verfügung.

Bei den Torhütern war die Quote zuletzt noch schlechter. Von drei Keepern im Kader konnte Gudmundsson zuletzt nur noch mit einem planen.

Am Anfang der Verletzungsmisere stand Neuzugang Goran Stojanovic. Als Ersatz für den nach Polen abgewanderten Slawomir Szmal gekommen, musste sich der montenegrinische Torhüter wegen Bandscheiben-Beschwerden erst einmal unters Messer legen.

Aber schon in ein zwei Wochen soll er laut Gudmundsson wieder ins Training eingreifen. Wann er aber wieder voll einsatzfähig sein wird, ist noch unklar.

"Cupic ist ein großer Kämpfer"

Nur wenige Tage nach Stojanovic' OP-Termin kam dann die nächste Hiobsbotschaft.

Rechtsaußen Ivan Cupic kugelte sich im Training die Schulter aus und zog sich dabei schwere Band- und Kapselverletzungen zu. Da die Luxation nicht die erste bei dem Kroaten ist, war auch hier eine Operation unumgänglich.

Laut den Ärzten wird Cupic erst in vier Monaten wieder auf dem Parkett stehen. Glaubt man aber dem Verletzten selbst, wird er bereits vier Wochen früher auf Torejagd gehen.

Und Löwen-Manager Thorsten Storm vertraut auf seinen Schützling: "Cupic ist ein großer Kämpfer. Auch wenn er uns in der nächsten Zeit sehr fehlen wird."

Bald keine sieben Spieler mehr?

Am härtesten trifft die Mannheimer aber der Ausfall von Bjarte Myrhol. Der Norweger, der am Kreis und in der Abwehr-Zentrale fest gesetzt ist und einer der Leistungsträger in der vergangenen Spielzeit war, fällt nun auf unbestimmte Zeit aus.

Bei dem 29-Jährigen ist eine alte Rückenverletzung aufgebrochen, die voraussichtlich auch operiert werden muss.

"Puh, das hat uns wirklich hart getroffen", ist die einfache und ehrliche Antwort Gudmundssons in der "Rhein-Neckar Zeitung" auf das Verletzungspech: "Nun darf wirklich nichts mehr passieren."

Wenn sich die Spieler weiterhin in diesem Tempo Richtung OP-Tisch verabschieden, wird der Trainer zu Saisonbeginn Probleme haben, überhaupt sieben Spieler aufzustellen.

Erschwerte Bedingungen

In der abgelaufenen Saison, die die Badener als Bundesliga-Vierter abschlossen, erschwerte neben Verletzungspech auch die Ungewissheit in der Personalplanung Gudmundssons Job.

"Die Unruhe gegen Ende der vergangenen Spielzeit hat meine Arbeit ungemein erschwert, das muss man so sagen", sagte der Ex-Profi dem "Mannheimer Morgen".

Nachdem zwischenzeitlich der totale Ausverkauf gedroht hatte, waren es letztlich mit Olafur Stefansson und Gudjon Valur Sigurdsson dann doch nur zwei Leistungsträger, die die Löwen Richtung Kopenhagen verließen.

Roggisch an den Kreis

Für das Verletzungspech hat Arbeitstier Gudmundsson Lösungen, Ideen oder zumindest Wünsche parat. Am Kreis soll Abwehr-Hüne Oliver Roggisch Robert Gunnarsson unterstützen.

"Ihn werde ich im Training nun ganz bewusst vorne miteinbinden. Und ich bin mir sicher: Oli kann das auch", ist sich Gudmundsson sicher.

Für den 32-jährigen Roggisch ist das eine neue Situation. Sowohl bei den Löwen als auch in der deutschen Nationalmannschaft agiert der 2,02-m-Mann fast ausschließlich in der Defensive.

Im letzten Jahr bekam Roggisch ohnehin immer weniger Einsatzzeiten.

Kein Ersatz für Cupic

Auf Rechtsaußen, wo in erster Linie Cupic wirbeln sollte, liegt nun die volle Verantwortung beim 22-jährigen Patrick Groetzki.

"Ich hoffe einfach, dass Patrick mit der Belastung klar kommt und vor allem gesund bleibt", so der Trainer über den Junioren-Weltmeister von 2009. Denn es ist kein Geld für neue Spieler da.

"Wir haben keine finanziellen Möglichkeiten mehr", sagt Storm.

Auf der Torhüter-Position hat sich die Lage inzwischen wieder ein wenig entspannt. Zum einen wird Stojanovic bald wieder angreifen können. Zum anderen hat der Verein nach wochenlangem Hin und Her und juristischem Einsatz die Spielerlaubnis für den von BM Valladolid gewechselten Oldie Tomas Svensson erhalten.

"Es wird schwer"

Der 46-Jährige wird neben Henning Fritz den Löwen-Kasten hüten bis Stojanovic wieder fit ist. Danach soll der Schwede vorrangig als Torwart-Trainer agieren.

Zu den Verletzungen kommt hinzu, dass die Löwen mit Szmal und Grzegorz Tkaczyk weitere namhafte Spieler abgegeben haben.

"Es wird schwer das zu kompensieren", so der Coach.

Lijewski und Ruß geben Hoffnung

Doch mit den Neuzugängen Krzysztof Lijewski (HSV Hamburg) und Niklas Ruß (TSG Friesenheim) hat Gudmundsson zwei vielversprechende Akteure dazubekommen (126233DIASHOW: Die HBL-Wechselbörse).

Besonders Linkshänder Lijewski, den Gudmundsson als einen "der besten Halbrechten der Welt" bezeichnet, soll die Lücke, die Stefansson hinterlässt, "in gewisser Weise" füllen.

"Wir freuen uns sehr auf seine Qualitäten im rechten Rückraum. Er steht voll im Saft", verkündet Storm.

Ruß bester Werfer

Und Ruß, der vor wenigen Tagen mit den DHB-Junioren Weltmeister wurde und deshalb zu Beginn der Vorbereitung fehlte, soll den neuen Löwen-Kapitän Uwe Gensheimer auf Linksaußen unterstützen.

Beim 49:21-Testspiel-Sieg gegen den Partnerverein HSG Eckbachtal waren Ruß mit zehn und Groetzki mit neun Treffern maßgeblich am Erfolg der Mannheimer beteiligt (BERICHT: Lemgo setzt Ausrufezeichen - Kiel in Top-Form).

Sollten sich Gudmundssons verbleibende Youngster, die Hoffnungs- und Leistungsträger weiter derart in Szene setzen und ihren teils neuen Vorgaben gerecht werden, kann der Coach trotz aller Sorgen positiv in die Zukunft schauen.

Aber dass den ambitionierten Badenern unter diesen Bedingungen endlich der Griff nach dem ersten Titel glückt, ist eher unwahrscheinlich.

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