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Der THW Kiel sichert sich den Supercup bereits zum sechsten Mal © getty

Der Pokalsieger holt sich in einem Krimi den Sieg im Giganten-Duell. Hamburg setzt am Ende der Partie alles auf eine Karte.

Aus der Olympiahalle berichtet Julian Meißner

München - Rekordmeister THW Kiel hat den Supercup gewonnen und im Duell der Handball-Giganten kurz vor dem Saisonauftakt der Toyota HBL das erste Ausrufezeichen gesetzt.

Der Vize-Champion und Pokalsieger besiegte am Dienstagabend in München Meister Hamburg nach hartem Kampf mit 24:23 (15:14). (NEU: Der SPORT1 Handball Manager -jetzt Team aufstellen und abräumen!)

Der THW sicherte sich den Supercup zum insgesamt sechsten Mal, der HSV (vier Erfolge) verpasste es, mit Kiel gleichzuziehen und den Cup zum dritten Mal in Folge nach Hamburg zu holen.

Bei der 18. Austragung des traditionellen Duells zwischen Meister und Pokalsieger, gleichzeitig erste echte Standortbestimmung der beiden heißesten Meisterschaftskandidaten, fiel die Entscheidung erst kurz vor Schluss.

Hektische Partie

Der THW hatte in der hektisch geführten Partie im ersten Durchgang schon zwischenzeitlich mit fünf Toren geführt, ließ den Erzrivalen aber wieder aufkommen. "Man darf am Anfang nicht so viele leichte Tore bekommen", haderte HSV-Keeper Dan Beutler nach dem Spiel bei SPORT1: "Dann wird es schwer." 126233(DIASHOW: Die HBL-Wechselbörse)

Am Ende war es Aron Palmarsson, der bereits fünf Minuten vor Schluss den entscheidenden Treffer zum Endstand erzielte - der Rest war nervöse Abwehrschlacht ohne Torerfolg. Hamburg vergab, den siebten Feldspieler auf der Platte, Sekunden vor Schluss mit einem Fehlpass ein mögliches Siebenmeterwerfen.

"Man hat gesehen, dass der HSV ganz lange ohne Linkshänder und mit zwei Kreisläufern gespielt hat ", analysierte der THW-Matchwinner Kim Andersson bei SPORT1.

Andersson überragend

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Beste Werfer auf Seiten der Kieler in der mit 8681 Zuschauern bei weitem nicht ausverkauften Olympiahalle waren der überragende Kim Andersson (9) und Momir Ilic (8/4).

Für den HSV trafen Pascal Hens (7) und Hans Lindberg (4/2) am häufigsten.

Der neue HSV-Trainer Per Carlen musste in seinem ersten Pflichtspiel auf die Verletzten Michael Kraus (Innenbandriss nach Autounfall), Marcin Lijewski (Kapselzerrung am Sprunggelenk) und Sohn Oscar (Aufbautraining nach Kreuzbandriss) verzichten.

Zeitz und Jicha draußen

Beim THW fanden sich die angeschlagenen Rückraum-Stars Christian Zeitz und Filip Jicha zunächst auf der Bank wieder. Doch Kiel machte auch so von Beginn an Ernst und zog beim 3:0 (6.) durch den prächtig aufgelegten Andersson schnell davon.

Der schwedische Ausnahme-Linkshänder, in der vergangenen Saison zumeist verletzt, erhöhte wenig später mit einem feinen Heber auf 6:2 (9.).

"Die Erleichterung ist sehr groß, dass man endlich mal wieder mitmachen kann", freute sich Andersson über sein gelungenes Comeback. "In den letzten paar Spielen habe ich schon ein sehr gutes Gefühl gehabt, aber das heute war natürlich die Krönung."

Der HSV mühte sich gegen die stabile Deckung der "Zebras" und scheiterte in den Anfangsminuten immer wieder an Kiels Star-Keeper Thierry Omeyer.

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Kiel mit fünf Toren davon

Auf der Gegenseite bekam der neue HSV-Torhüter Dan Beutler zunächst kaum eine Hand an den Ball. Beim 10:5 (17.) durch einen Siebenmeter des von der Linie äußerst sicheren Ilic wuchs der Kieler Vorsprung erstmals auf fünf Treffer an.

Doch der HSV kämpfte sich zurück und schloss durch Hens zum 11:12 (24.) auf. Die Hanseaten profitierten dabei auch von den Wechseln von THW-Coach Alfred Gislason, der Youngster Palmarsson und den wenig spritzig wirkenden Welthandballer Jicha ins Spiel brachte.

"Wir sind super zurückgekommen in der zweiten Halbzeit", war Beutler bei SPORT1 bemüht, das Positive aus der Partie mitzunehmen. "In der ersten Halbzeit waren wir nicht vorbereitet und haben viele einfache Tore kassiert."

Meckernder Omeyer raus

Kurz vor dem Pausenpfiff glich Bertrand Gille vom Kreis erstmals zum 14:14 aus, mit 15:14 für den THW ging es in die Pause.

Nach dem Wechsel zog der THW die Zügel direkt an und setzte sich unter der Regie von Superstar Daniel Narcisse auf 18:15 (37.) ab.

Eine konsequent genutzte Zeitstrafe gegen den meckernden Omeyer brachte den HSV ? nun mit Johannes Bitter im Tor - jedoch wieder heran, Routinier Torsten Jansen traf mit einem Doppelschlag zum 18:18 (43.).

Krimi in den Schlussminuten

Hens besorgte zwei Minuten später mit dem 20:19 die erste Hamburger Führung, fortan war der HSV am Drücker.Doch es blieb eng: Über 23:23 (53.) ging es auf Augenhöhe dem Ende zu.

Die Schlussminuten der spannenden, aber niveauarmen Partie wurden zum Krimi, in dem der THW dann mit etwas Glück das bessere Ende für sich hatte.

Bundesliga-Start vor der Tür

Richtig ernst wird es für die beiden Rivalen am Wochenende. Der HSV empfängt am Samstagabend zum Auftakt des ersten Spieltags den TuS N-Lübbecke.

Der THW bekommt es am Sonntag im mit Spannung erwarteten Nord-Derby gegen die SG Flensburg (17.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) gleich mit einem ganz schweren Brocken zu tun.

"Wir sind heiß darauf, wieder Titel zu gewinnen", macht Andersson klar: "Das ist jetzt mein siebtes Jahr - und fünf davon bin ich Deutscher Meister geworden. Das möchte ich nochmal erleben. Es gibt nichts Geileres, als Titel zu gewinnen."

Allerdings findet sich Kiel in einer ungewohnten Rolle wieder: "Wir sind nicht mehr die Gejagten, sondern wir jagen jetzt."

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