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Problemzone: Hamburgs Blazenko Lackovic (M.) muss auf der rechten Seite aushelfen © imago

Beim Supercup, dem letzten Härtetest vor Saisonstart, offenbaren die Meisterschaftsfavoriten Kiel und Hamburg ihre Problemzonen.

Von Julian Meißner

München - Auch nach der 18. Austragung des Supercups waren sich die Beteiligten über den Stellenwert der Veranstaltung schnell einig.

Von einem "Test nach Maß" sprach Hamburgs Torhüter Johannes Bitter, nachdem der Deutsche Meister mit 23:24 (14:15) den Kürzeren gegen den THW Kiel gezogen hatte.

"Niemand wurde auf Biegen und Brechen umgehauen, es war ein sehr faires Spiel", so Bitter: "Wir wollten gewinnen, aber mit dem Ergebnis können beide leben."

Weit wichtiger als das Ergebnis waren dann auch die Erkenntnisse, die die beiden Top-Favoriten auf den Meistertitel vier Tage vor Start der neuen Saison in der Toyota HBL zogen.

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Vakuum im rechten Rückraum

Die Elefanten der Branche haben trotz geringer personeller Veränderungen durchaus Baustellen zu beackern.

Während der HSV verletzungsbedingt im Rückraum ein echtes Linkshänder-Problem hat, macht dem THW die Position am Kreis Sorgen, wenn auch etwas geringere.

Hamburg hat Krzysztof Lijewski zu den Löwen abgegeben und dafür Oscar Carlen, Sohn des neuen Trainers Per Carlen verpflichtet - doch der ist nach einem Kreuzbandriss noch lange nicht wieder fit. Und Marcin Lijewski verletzte sich jüngst am Knöchel und wird den Saisonstart aller Voraussicht nach verpassen.

Außen ohne Futter

"Klar ist das ein Problem", meinte Hans Lindberg nach dem Spiel. Der Däne, letztes Jahr noch Bundesliga-Torschützenkönig, war ebenso wenig ins Spiel eingebunden wie der später eingewechselte Stefan Schröder.

"Man hat ja gesehen, dass ich keine Bälle bekommen habe und Schrödi auch nicht", sagte Lindberg: "Wir haben vollkommen ohne Außen gespielt und nur 23 Tore erzielt."

Carlen sieht es positiv

Auch Bitter redete nicht um den heißen Brei herum: "Es ist schwierig, dort mit einem Rechtshänder Druck aufzubauen. Insofern war das Spiel sehr erkenntnisreich."

[kaltura id="0_lacn38mt" class="full_size" title="Kiel holt den Supercup"]

Coach Carlen sah es positiv und meinte, seine Spieler seien mit der "ganz schweren Situation" mit drei Rechtshändern im Rückraum "super umgegangen".

Doch auch er musste konstatieren: "23 Tore, das ist nicht normal für den HSV."

Andersson mit grandiosem Comeback

Auf der Gegenseite, auf jener halbrechten Position, feierte Kiels Kim Andersson mit neuen Treffern ein grandioses Comeback auf großer Bühne und strahlte danach über beide Ohren.

Sein Trainer Alfred Gislason, der auf einen Einsatz des angeschlagenen Christian Zeitz verzichtete, freute sich: "Kim ist besser denn je. Mit ihm können wir taktisch ganz anders auftreten."

Ilic warnt die Konkurrenz

Insgesamt war das torarme Spiel auf beiden Seiten geprägt von nervösen Aktionen und technischen Fehlern, in den letzten fast fünf Minuten fiel kein einziger Treffer mehr.

Momir Ilic, mit acht Toren bei vier Siebenmetern zweitbester THW-Werfer, schickte eine Warnung an die Konkurrenz: "Für uns ist wichtig, dass wir so schlecht gespielt, aber trotzdem gewonnen haben. Das ist gut fürs Selbstvertrauen. Wir wollen schließlich in allen Wettbewerben angreifen."

Ahlm allein auf weiter Flur

Vor dem Auftakt-Knaller gegen die SG Flensburg Handewitt am Sonntag (17 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) drückt Gislason eigentlich nur am Kreis der Schuh (NEWS: SG lange ohne Szilagyi).

Hinter Marcus Ahlm steht mit Abwehrchef Daniel Kubes nur bedingt ein adäquater Ersatz bereit. Milutin Dragicevic bekam im Supercup erneut keine Minute Einsatzzeit und wird sein Dasein weiter auf der Bank fristen.

"Das ist die größte Gefahr für uns", bekannte Gislason: "Wenn Marcus sich verletzt, dann haben wir ein echtes Problem."

Der "Diesel" darf nicht ausfallen

Wie im vergangenen Jahr, als man als in der Not kurzfristig Robert Arrhenius aus Aragon verpflichtete 126233(DIASHOW: Die HBL-Wechselbörse).

Ahlm, der in München durchspielte und dabei einmal mehr offensiv wie defensiv seine Weltkasse unter Beweis stellte, wird früher oder später Pausen benötigen.

"Er ist wie ein Diesel", meinte Gislason zwar über seinen Kreisläufer: "Er kann endlos laufen."

Wird Wiencek wieder zum Thema?

Doch die Saison ist lang, was natürlich auch Klaus Elwardt weiß. "Es ist nicht geplant, dass wir kurzfristig noch eine Verpflichtung tätigen", so der THW-Manager gegenüber SPORT1.

Elwardt wurde in München auch im Zwiegespräch mit Patrick Wiencek gesichtet.

Der Gummersbacher wurde vor der Partie als "Rookie des Jahres" ausgezeichnet und wird 2012 für den THW auflaufen - spätestens.

Elwardt sagt: "Sollte mit Marcus etwas passieren, müssen wir reagieren."

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