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Alen Muratovic kam für einen hohen, sechsstelligen Eurobetrag aus Valladolid © getty

Vor dem Derby gegen Kiel ist Flensburg unter Druck. Manager Holpert nennt Gründe der Krise und schließt Konsequenzen nicht aus.

Von Michael Spandern

München - Vor der Mutter aller Handball-Derbys gegen den THW Kiel (Sa., 14.45 Uhr LIVESCORES ) brodelt es bei der gastgebenden SG Flensburg-Handewitt.

Das Titelrennen hat Flensburg angesichts von acht Punkten Rückstand auf die Kieler schon abgeschrieben, am Dienstag folgte daheim das DHB-Pokal-Aus gegen die Rhein-Neckar Löwen.(DATENCENTER: Die Bundesliga)

Aber gerade deswegen setzt SG-Manager Fynn Holpert auf einen Befreiungsschlag: "Immer wenn der Druck am größten ist, platzt der Knoten. Das haben wir bisher auch immer geschafft", sagt Holpert Sport1.de.

"Dafür ist der Sport zu schnelllebig"

Wie groß die Unzufriedenheit ist, hat der Manager den Spielern nach der 26:27-Pleite (Löwen beißen in Flensburg zu) klargemacht: "Es gab Redebedarf. Und da war auch der Manager gefordert."

Die knappen Niederlagen zehren an seiner Geduld: "Wenn man bei sechs Spielen in den Schlussminuten führt, muss man mindestens drei davon gewinnen. Wenn sie allesamt verloren gehen, kann man nicht von Pech reden."

Dass er noch in diesem Jahr Konsequenzen zieht, mag er nicht ausschließen: "Versprechen werde ich nichts. Dafür ist der Sport zu schnelllebig und hat seine eigenen Gesetze." Doch ein Schnellschuss brächte nicht die erforderliche Ruhe.

Lob nur für Carlen

Nach dem großen Umbau im Rückraum - Blazenko Lackovic, Marcin Lijewski und Frank von Behren verließen die Schleswig-Holsteiner - hat nur einer der Neuen eingeschlagen.

"Oscar Carlen liegt vielleicht sogar über dem Plan, auch wenn er mal wie gegen Lemgo Fehler macht", lobt Holpert den 20-Jährigen.

Zwei andere haben ihn jedoch enttäuscht: "Natürlich muss man von Lasse Boesen und besonders von Alen Muratovic mehr erwarten. Boesen war der beste Halblinke bei der Europameisterschaft. Muratovic war in der Liga Asobal brandgefährlich."

Kampf um die Königsklasse

Boesen erzielte in den bisherigen 15 Saisonspielen nur 41 Tore, Muratovic, teuerster Transfer der Vereinsgeschichte, gar nur 26.

"Die Spieler sind selbstkritisch genug", meint der SG-Macher. Vieles sei eine Frage des fehlenden Selbstvertrauens.

Doch zum Hadern bleibt keine Zeit. "Wir müssen in die Erfolgsspur finden, um die Chance auf die Qualifikations-Plätze für die Champions League aufrecht zu erhalten."

"Kiel hatte ja nicht die Olympia-Strapazen"

Als Konkurrenten im Kampf um den zweiten und dritten Platz benennt er Hamburg, Magdeburg und Lemgo. "Die Löwen werden nicht mehr in die Champions-League-Plätze rutschen." Er rechnet erst in der kommenden Saison unter Trainer Zvonimir Serdarusic mit einem Angriff der Badener.

In dieser Spielzeit sei der Titel quasi vergeben: "Dass der THW so einsam seine Kreise zieht, ist ärgerlich für die gesamte Bundesliga."

"Der THW hatte ja nicht die Olympia-Strapazen, und dass Alfred Gislasson ein absoluter Top-Trainer ist, hat er ja schon vorher bewiesen", begründet Holpert die Dominanz des Rekordmeisters, der nur am ersten Spieltag einen Punkt abgab.

"Ähnliche Probleme" bei Löwen und beim HSV?

Doch in der Flensburger Campushalle, die schon seit Monaten ausverkauft ist, haben die Kieler die vergangenen fünf Partien verloren. Dennoch sagt Gislasson: "Endlich, das erste Derby. Ich freue mich darauf."

"Wir freuen uns auf dieses unglaublich intensive Spiel", stimmt Holpert vor dem Prestigeduell zu, in das Michael Knudsen (starke Rippenprellung) angeschlagen geht.

Sollte die SG verlieren, wäre der THW noch vor dem Hinrunden-Abschluss um zehn Punkte voraus: "Ich glaube, in der ganzen Geschichte hat es das nicht gegeben. Aber der HSV oder die Rhein-Neckar Löwen liegen noch hinter uns, die können auch nicht zufrieden sein. Da gibt es ähnliche Probleme wie bei uns."

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