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Kent-Harry Andersson war fast sechs Jahre Coach der SG Flensburg © getty

Nach der 29:37-Heimpleite gegen THW Kiel zieht die SG Flensburg die Notbremse. Der Chefcoach wird nach sechs Jahren entlassen.

Flensburg - Der THW Kiel steuert unaufhaltsam seinem 15. Meistertitel entgegen und die SG Flensburg-Handewitt beurlaubte Trainer Kent-Harry Andersson.

Nach der derben 29:37-Pleite im 60. Nordderby gegen den THW waren die Tage des 59 Jahre alten Schweden nach fünfeinhalb Jahren an der Förde gezählt.

"Der Schritt war nötig. Wir müssen neue Impulse in die Mannschaft bringen", sagte SG-Manager Fynn Holpert. Das Trainer-Amt übernimmt der bisherige Co-Trainer Per Carlen.

Die Flensburger reagierten damit auf die sportliche Entwicklung der letzten Wochen.

Die drei letzten Pflichtspiele verloren

Die Mannschaft hatte ihre letzten drei Pflichtspiele verloren und belegt in der Tabelle nur den fünften Platz. Andersson betreute die SG seit 2003 und führte das Team 2004 zur Deutschen Meisterschaft. Sein Kontrakt lief noch bis zum 30. Juni 2010.

Uneingeschränkte Freude herrschte dagegen bei den Kielern, zumal der Rekordmeister nach Patzern der nächsten Verfolger TBV Lemgo (29:31 beim VfL Gummersbach) und SC Magdeburg (25:26 bei den Rhein-Neckar Löwen) nun bereits mit sechs Punkten Vorsprung an der Spitze thront.

Der THW Kiel steuert schier unaufhaltsam seinem 15. Meistertitel entgegen und hat die Konkurrenten in der Bundesliga schon zur Saison-Halbzeit zu Statisten degradiert.

Dem Titelrennen droht damit gähnende Langeweile, während der Kampf um die Champions-League-Plätze umso mehr Spannung verspricht.

Seit 35 Ligaspielen ungeschlagen

"Ich habe dem THW ja schon vor Saisonbeginn zur Meisterschaft gratuliert. Die sind von niemandem zu schlagen", erklärte SG-Trainer Kent-Harry Andersson nach dem ersten Kieler Sieg in Flensburg seit sechseinhalb Jahren.

Zugleich bauten die in dieser Saison weiter ungeschlagenen "Zebras" ihre Rekordserie auf nunmehr 35 Ligaspiele ohne Niederlage aus.

THW-Coach Alfred Gislason wollte freilich noch keine Glückwünsche entgegennehmen.

"Unser ganz normales Spiel"

Er machte den Kontrahenten allerdings wenig Hoffnung auf einen möglichen Einbruch seiner Mannschaft in der Rückrunde: "Wir haben seit Saisonbeginn nochmal einen Riesenschritt nach vorne gemacht. Deshalb wusste ich nach der etwas schwächeren ersten Halbzeit auch, dass wir nur unser ganz normales Spiel zeigen müssen, um automatisch besser zu werden."

Hatten die Flensburger das Spiel im ersten Durchgang noch ausgeglichen gestalten können, so waren sie nach der Pause gegen den "normalen" THW vollkommen chancenlos.

Der überragende Kieler Torwart Thierry Omeyer und ein immer stärker werdender Rückraum mit Top-Torschütze Filip Jicha (9 Treffer) brachten die Gastgeber in der ausverkauften Campushalle schier zur Verzweiflung.

Holpert hofft auf Dienstag

"Wir haben 40 Minuten gut mitgehalten, aber über 60 Minuten wird das gegen den THW eben schwer. Wir haben gegen ein besseres Team verdient verloren", meinte Andersson.

Trösten konnte sich die SG allein damit, dass sich die Rivalen im Kampf um die Champions-League-Plätze durch eigene Niederlagen nicht absetzen konnten. Nach Minuspunkten trennen die zweit- bis fünftplatzierten Lemgo, Magdeburg, HSV Hamburg (38:25 beim Stralsunder HV) und Flensburg nur vier Zähler. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Trotz der dritten Pflichtspielniederlage innerhalb einer Woche regiert bei Flensburg daher die Zuversicht. "Natürlich müssen wir uns zusammensetzen und etwas ändern, aber wir können schon am Dienstag gegen die Rhein-Neckar Löwen den Schalter umlegen", so Manager Fynn Holpert.

Lemgo hadert über Fehler

Zweiter Gewinner des Spieltags war derweil der HSV, der nach holprigem Saisonstart das Feld allmählich von hinten aufrollt.

"Wir freuen uns, dass wir zwei wichtige Auswärtspunkte ergattern konnten", erklärte Trainer Martin Schwalb nach dem souveränen Erfolg in Stralsund, der die Hamburger auf Platz vier vorrücken ließ.

Enttäuscht zeigte sich indes Lemgos Coach Markus Baur nach der dritten Saisonniederlage des TBV. "Gummersbach hat das ganze Spiel geführt und verdient gewonnen. Ich bin nicht zufrieden, wir haben heute zu viele individuelle Fehler gemacht."

Löwen gegen letzten Zweitligisten

Derweil bescherte die Auslosung des Pokalviertelfinals in der Halbzeit des Nordderbys den Top-Teams jeweils lösbare Aufgaben.

Cupverteidiger Kiel muss am 10. und 11. März bei der HSG Wetzlar antreten.

In den drei weiteren Begegenungen treffen GWD Minden auf den diesjährigen Pokalfinalisten HSV, die Rhein-Neckar Löwen auf Zweitligist HSG Düsseldorf und der VfL Gummersbach auf die HSG Nordhorn.

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