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Dirk Beuchler (r.) gewann mit Portland San Antonio 2002 die Spanische Meisterschaft © getty

Nach der Tragödie um die Schiedsrichter-Zwillinge steht die Handball-Welt unter Schock. Dennoch geht der Spielbetrieb weiter.

Von Annette Bachert

München - Nur Stunden nach dem tragischen Unfalltod der Schiedsrichter-Zwillinge Bernd und Reiner Methe müssen einige Spieler und Verantwortliche versuchen, wieder zur Tagesordnung zurückzukehren (BERICHT: Bestürzung nach dem Unfalltod der Methe-Brüder).

Die restlichen fünf Partien des 10. Spieltages werden wie geplant am Samstag und Sonntag statt finden. Das entschied HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann noch am Freitagabend.

"Wahrscheinlich ist das richtig. So ganz wissen wir es aber auch nicht", sagte Bohmann: "Natürlich fragen wir uns, ob es mit der Pietät vereinbar ist, die Spieler und Schiedsrichter in so eine Situation zu bringen."

"Wir überlassen es aber den Schiedsrichtern, ob sie pfeifen wollen. Wenn ein Paar nicht pfeifen möchte, werden Ersatzschiedsrichter angesetzt", erklärt Bohmann.

"Entscheidung in ihrem Sinne"

Die Mannschaften werden mit Trauerflor auflaufen, eine Schweigeminute wird stattfinden. Dann wird es allerdings wieder ernst.

Lemgos Geschäftsführer Volker Zerbe, der mit dem TBV am Samstagabend beim deutschen Rekordmeister THW Kiel (ab 18.15 Uhr LIVE im TV auf SPORT) antritt, sagte: "Die Entscheidung zu spielen, ist sehr schwer. Aber ich denke, es wäre in ihrem Sinne gewesen."

Und die Lemgoer wollen versuchen, den THW zu stoppen und ihm die ersten Punkte in dieser Spielzeit abluchsen.

Dafür gab es mit Chefcoach Dirk Beuchler zur Vorbereitung auf die Partie in Kiel mal eine Trainingseinheit der besonderen Art. Der 40-Jährige saß mit seinen Mannen statt vor dem Videorekorder beim TuS N-Lübbecke auf der Tribüne, als dieser sich vom Rekordmeister über weite Strecken vorführen lassen musste.

"Werden gut vorbereitet auftreten"

Mit 32:22 gewann der THW und baute damit seinen grandiosen Startrekord in der Toyota HBL auf 22:0 Punkte aus (Bericht).

"Den kommenden Gegner noch einmal live zu sehen, war für die Mannschaft eine gute Sache. Wir werden am Samstag gut vorbereitet in Kiel auftreten", sagte der TBV-Coach nach dem Ausflug ins knapp 40 Kilometer entfernte Lübbecke.

Lemgo mit starkem Saisonstart

Neben so mancher Trainingsmethode ist beim TBV überhaupt einiges anders in dieser Saison. Nach dem Abgang von Leistungsträgern wie Holger Glandorf, Martin Galia und Ferenc Ilyes sowie vier Neuzugängen hat sich das Team mit dem neuen Coach bereits gut eingespielt.

Das Ergebnis: Mit Rang sechs und 12:6 Punkten kratzen die Lipper an den Europacup-Plätzen. Ein Ziel, das eigentlich erst in den kommenden drei Jahren erreicht werden sollte.

Beste Bilanz für den TBV

Doch ob es trotz bester Vorbereitung und guter Verfassung zu zwei Punkten reicht?

Die Kieler jedenfalls scheinen in der Liga unverwundbar und marschieren von Sieg zu Sieg. Die Differenz von 107 Plus-Toren aus elf Partien spricht ebenfalls eine deutliche Sprache.

Die Bilanz der Lemgoer gegen das Team von Alfred Gislason sieht aber gar nicht so schlecht aus.

Zwei Siege und ein Unentschieden aus den letzten sechs Aufeinandertreffen weist der TBV immerhin auf - so viele Punkte holte keiner der 17 Bundesligisten in den letzten drei Jahren gegen die "Zebras".

[kaltura id="0_kta7dnd7" class="full_size" title="Die ersten Reaktionen zum tragischen Unfalltod"]

"Trauben hängen extrem hoch"

Beuchler bleibt dennoch realistisch: "Wir wissen um die Stärken der Kieler, die unglaublich fokussiert und konzentriert zu Werke gehen und die sowohl in der Spitze wie auch in der Breite extrem stark aufgestellt sind."

Und weiter: "Dass die Trauben in Kiel für jede Mannschaft extrem hoch hängen, ist ja nichts Neues und das gilt auch für uns."

Jicha tut sich schwer

Für den THW gilt das gleiche Motto wie in jedem Spiel.

"Hellwach zu sein, muss unser Ziel sein. Und mit Spaß an die Sache heran gehen, einfach das Handballspiel und unsere Leistung genießen", erklärte Kiels Rückraum-Shooter Flip Jicha bei SPORT1.

Der Tscheche trifft auf seinen Ex-Verein, für den er 2007 spielte. "Für mich persönlich ist es nie einfach, gegen Lemgo zu spielen", räumte er ein (DATENCENTER: Die Toyota HBL).

Patrail bald für den THW

Unter besonderer Beachtung steht wohl auch Lemgos Neuzugang Mait Patrail. Denn ab 2013 wird der Este in der Sparkassen-Arena zu Hause sein, wo er bereits einen Vorvertrag unterschrieben hat.

Unabhängig von Siegesserien, Tabellenplätzen und Wechselabsichten stellt sich aber doch die Frage: "Können die Akteure dieses tragische Unglück für einige Zeit beiseite schieben und einen der schwersten Spieltage der Geschichte vernünftig zu Ende bringen?"

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