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Die Zwillingsbrüder Bernd (l.) und Reiner Methe pfiffen seit 1988 gemeinsam © dapd

Der tragische Unfalltod des Schiedsrichter-Duos Bernd und Reiner Methe versetzt die deutsche Handball-Welt in tiefe Trauer.

München - Mit großer Bestürzung und tiefer Trauer hat der deutsche Handball auf den Unfalltod der Schiedsrichter Bernd und Reiner Methe reagiert.

"Der tragische Tod zwei unserer besten Schiedsrichter hat mich geschockt. In ihrer langjährigen, auch international hochklassigen Karriere hat mich das Auftreten der Beiden immer sehr beeindruckt. Ihr Tod macht mich tieftraurig", sagte Ulrich Strombach, der Präsident des Deutschen Handball-Bundes (DHB).

Die 47-jährigen Zwillingsbrüder Methe waren am Freitagabend auf dem Weg zum Bundesligaspiel HBW Balingen-Weilstetten gegen den SC Magdeburg tödlich verunglückt (BERICHT: Schiedsrichter-Duo tödlich verunglückt).

Aus ungeklärter Ursache waren sie auf gerader Strecke auf die Gegenfahrbahn geraten und dort frontal mit einem LKW mit Anhänger zusammengestoßen.

Restlichen Spiele finden statt

"Das ist ein ganz furchtbarer Verlust - menschlich wie sportlich. Das reißt eine große Lücke. Ich bin am Boden zerstört", sagte Frank Bohmann (weitere Reaktionen ab 18.15 Uhr LIVE im TV auf SPORT1).

Der Geschäftsführer der Handball-Bundesliga (HBL) bestätigte, dass aber trotz des tragischen Unglücks alle angesetzten Spiele an diesem Wochenende wie geplant stattfinden sollen (DATENCENTER: Die Toyota HBL).

"Wahrscheinlich ist das richtig. So ganz wissen wir es aber auch nicht", sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann: "Natürlich fragen wir uns, ob es mit der Pietät vereinbar ist, die Spieler und Schiedsrichter in so eine Situation zu bringen."

Klubs unterstützen Entscheidung

Bohmann hatte noch am Freitag telefonischen Kontakt zu den am Samstag und Sonntag im Einsatz befindlichen Schiedsrichtern und Vereinen aufgenommen. Den Unparteiischen ist es freigestellt, ob sie in der schwierigen Situation zur Pfeife greifen wollen.

"Es kann kurzfristig zu Umbesetzungen kommen", sagte Bohmann, der von den Klubs Rückendeckung für die Entscheidung erhielt. Zumal eine Absage der Spiele aufgrund des engen Terminkalenders zu weitgehenden Problemen führen würde.

Trauerflor "nur ein Zeichen"

Alle Mannschaften werden mit Trauerflor spielen, zudem wird es in allen Hallen eine Gedenkminute geben.

"Ich glaube, die Vereine tragen das mit. Alle Mannschaften werden mit Trauerflor auflaufen, es wird vor den Spielen eine Schweigeminute geben. Aber das kann nur ein Zeichen sein", sagte Bohmann.

Lemgos Geschäftsführer Volker Zerbe, der mit dem TBV am Samstagabend beim deutschen Rekordmeister THW Kiel antritt, sagte: "Die Brüder Methe haben ihren Job mit sehr viel Leidenschaft ausgeübt und ihr Hobby ja praktisch zum Beruf gemacht. Die Entscheidung zu spielen, ist sehr schwer. Aber ich denke, es wäre in ihrem Sinne gewesen."

[kaltura id="0_kta7dnd7" class="full_size" title="Erste Reaktionen zum Ungl ck"]

"Wir sind alle geschockt"

Über einen neuen Termin für die Begegnung Balingen-Weilstetten gegen Magdeburg entscheidet die HBL am Montag. Nachdem die traurige Nachricht am Freitag in Balingen die Runde gemacht hatte, standen Spieler und Offizielle unter Schock.

"Das ist an Tragik nicht zu überbieten", sagte HBW-Trainer Rolf Brack. SC-Torhüter Gerrie Eijlers erklärte, die Gedanken der Magdeburger Mannschaft seien "bei den Schiedsrichtern und ihren Angehörigen".

"Wir sind alle geschockt", sagte SCM-Trainer Frank Carstens.

Einsatz bei Frauen-WM geplant

Bernd und Reiner Methe waren seit 1987 Schiedsrichter und stiegen in dieser Zeit zu den weltweit besten Gespannen auf.

Seit über zehn Jahren pfiffen sie international, 2010 leiteten sie in Wien das Finale der Europameisterschaft zwischen Frankreich und Kroatien (25:21). Im Dezember sollten Methe/Methe auch bei der Frauen-WM in Brasilien zum Einsatz kommen.

"Der Verlust ist nicht zu beschreiben"

Bernd Methe hinterlässt seine Ehefrau und einen Sohn, Reiner Methe seine Ehefrau und zwei Söhne.

"Das ist ein Schicksalsschlag - da zählen für mich nur die Familien. Bernd und Reiner waren zwei der besten Schiedsrichter der Welt. Sie konnten auf zwei starke Familien, die ihnen immer zur Seite gestanden haben, vertrauen. So ein Leid und Schmerz - das ist unfassbar", sagte DHB-Schiedsrichterchef Peter Rauchfuß.

Und weiter: "Der Verlust ist nicht zu beschreiben. Ich bin mehr als tief betroffen und weiß nicht, wie wir die Sache verarbeiten sollen."

"Strahlten unglaubliche Lebensfreude aus"

"Das ist unglaublich tragisch, unfassbar. Wir sind alle schockiert. Man denkt vor allem an die Familien. Beide waren ja auch Papa", sagte Präsident Martin Schwalb vom deutschen Meister HSV Hamburg. Und weiter:: "Sie waren nicht nur Top-Schiedsrichter, sondern auch sehr sympathische Menschen. Sie haben eine unglaubliche Lebensfreude ausgestrahlt."

Die HBL berät derzeit, wie man das Gedenken an die beiden Referees in Ehren halten und auch deren Familien unterstützen kann. "Sie sollen wissen, dass wir nicht nur aus sportlicher Sicht zu ihnen standen", sagte Bohmann.

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