vergrößernverkleinern
Adrian Pfahl wechselte 2008 vom TSV Bayer Dormagen zum VfL Gummersbach © imago

Bei SPORT1sprich Adrian Pfahl über den schwierigen Saisonstart, die Pleite in Lübbecke und die Siegchancen in Flensburg.

Von Annette Bachert

München - Adrian Pfahl ist das Gesicht des VfL Gummersbach, der Top-Torschütze des Teams und der drittbeste Feld-Torjäger der Liga.

Doch die Saison in der Toyota HBL lief bei dem Europapokalsieger der Pokalsieger von 2011 äußerst schleppend an. Sieben Punkte aus elf Partien stehen momentan auf dem Konto des Tabellen-15., doch Pfahl ist sich sicher, dass es wieder nach oben geht.

In der Partie gegen die SG Flensburg-Handewitt (ab 19.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) rechnet sich der deutsche Nationalspieler zumindest Außenseiterchancen aus.

Im SPORT1-Interview spricht Adrian Pfahl über den schwierigen Saisonstart des VfL, die bittere Niederlage gegen Lübbecke und die Partie in Flensburg.

SPORT1: Nach einem ziemlich zähen Saisonstart macht es jetzt den Eindruck, dass sich der VfL etwas gefangen hat. Sehen Sie das ähnlich?

Adrian Pfahl: Es ist noch nicht alles gut, wir spielen noch nicht unseren besten Handball. Aber wir gewinnen wenigstens die direkten Duelle, die wir auch gewinnen müssen, wie gegen Hildesheim und Hüttenberg. Aber es ist noch Luft nach oben.

SPORT1: Auch was das Zusammenspiel des teils neu zusammengestellten Kaders betrifft?

Pfahl: Klar, wir haben wie in den Jahren zuvor viele Leistungsträger verloren. Wir haben dann versucht zumindest einige zu ersetzen, aber bisher ist uns das noch nicht gelungen. Der Verein wäre fast Pleite gegangen und hat gerade so noch die Lizenz bekommen. Das war auch oberste Priorität. Personell haben wir dafür eben nicht so gut nachlegen können.

SPORT1: Inwieweit belasten Sie als Spieler die finanziellen Probleme des Vereins?

Pfahl: Davon ist momentan nichts mehr zu spüren. Das war letztes Jahr. Aber auch in der Zeit, als wir auf Gehälter verzichten mussten, haben wir unsere Leistung gebracht. Damit lassen sich die Ergebnisse bisher sicher nicht erklären.

SPORT1: Momentan liegen Sie auf Platz 15. Blicken Sie in der Tabelle eher nach oben oder unten?

Pfahl: Sowohl als auch. Die Mannschaften, die direkt vor uns liegen haben die gleiche Punktzahl, eben nur eine bessere Tordifferenz, weil wir auswärts ein paar hohe Niederlagen kassierten. Aber hinter uns hat der Bergische HC auch nur einen Punkt Rückstand. Aber unser Ziel ist es, so früh wie möglich wieder ins gesicherte Mittelfeld zu kommen und dann, denke ich, werden wir auch wieder bessere Leistungen zeigen können.

SPORT1: Sie haben die hohen Auswärtsniederlagen angesprochen. Gegen Lübbecke gab es eine vor nicht allzu langer Zeit eine richtige Klatsche. Danach wurde vor allem die Einstellung kritisiert. Wie kann so etwas passieren?

Pfahl: Bereits in der Halbzeitpause und natürlich auch nach dem Spiel waren wir alle ziemlich ratlos. 0:11, nachdem wir uns vorher noch eingeschworen hatten, dass wir die Punkte mitnehmen. Das hat mich noch wochenlang verfolgt, auch jetzt ist es noch ein Thema. Aber ich habe aufgegeben, Erklärungen dafür zu suchen, denn der Blick geht nach vorne.

SPORT1: Die Partie am Samstag gegen Hüttenberg wurde im Vorfeld als Vier-Punkte-Spiel betitelt. Wie wichtig war dieser Sieg?

Pfahl: Sehr sehr wichtig - vor allem auch, weil wir nach einem Vier-Tore-Rückstand über den Kampf wieder ins Spiel gefunden haben. Und es am Ende mit drei Toren doch noch einigermaßen deutlich ausging. Aber so souverän, wie wir auftreten wollten, war es leider nicht.

SPORT1: Warum nicht?

Pfahl: Am Anfang war bei beiden Teams nahezu jeder Angriff ein Tor, das heißt die Abwehrreihen fanden eigentlich nicht statt. Dann hat Hüttenberg auf eine offensivere Abwehr umgestellt, mit der wir zuerst wieder nicht zu Recht gekommen sind. Dann kam noch die Rote Karte von Barna Putics vor der Halbzeit dazu, weil er dem Gegner beim direkten Freiwurf ins Gesicht geworfen hat, was nicht das erste Mal war. Und danach waren wir irgendwie noch in Schockstarre. Aber dann hat Kentin Mahe auf der Mitte für viel Wirbel gesorgt, die Löcher in der offensiven Abwehr gefunden, uns leichte Tore beschert und ist damit zum echten Matchwinner geworden.

SPORT1: Auswärts haben Sie bisher erst ein Spiel gewonnen. Warum klappt es in dieser Saison in fremden Hallen noch nicht?

Pfahl: Es ist natürlich nicht schön, auf Auswärtsspiele zu fahren mit der Einstellung, dass man auch zu Hause wieder nicht gut gespielt hat. Aber der Sieg in Hildesheim war sehr positiv für uns, auch weil uns viele Fans unterstützt haben.

[kaltura id="0_bkiycymx" class="full_size" title="Der 11 Spieltag kompakt"]

SPORT1: Das wird in Flensburg wohl eher nicht der Fall sein?

Pfahl: Nein, da sind wir wohl wieder auf uns allein gestellt. Aber darum rechnet wohl auch keiner mit einem Sieg, was es für uns einfacher macht. So haben wir keinen Druck und machen uns auch keinen. Von uns erwartet gerade niemand etwas, auswärts vor allem nicht und das könnte unsere Chance sein. Vielleicht unterschätzen uns dann auch die Flensburger, die die zwei Punkte sicher eingeplant haben. Wir versuchen einfach, die Flensburger so lange wie möglich zu ärgern und vielleicht sogar vorzulegen. Aber wir fahren sicher nicht mit hängenden Köpfen nach Flensburg.

SPORT1: Auf wen oder was wird es in Flensburg ankommen?

Pfahl: Da möchte ich alle in die Pflicht nehmen. Wir brauchen eine geschlossene Mannschaftsleistung, eben das, was uns die letzten Jahre immer stark gemacht hat. Wir haben eigentlich keinen Spieler im Team, der herausragt. Wir wissen auch, dass unsere Qualität durch die Abgänge gefallen ist, aber das müssen wir mit unbedingtem Willen und Kampfgeist kompensieren. Das schaffen wir auswärts zu selten, finden einfach nicht ins Spiel. Das müssen wir jetzt besser machen und gleich gut loslegen, dass wir Sicherheit in den Würfen und auch den Abwehr-Aktionen bekommen und die Torhüter auch ihre Bälle halten. Dann können wir uns auch richtig hineinsteigern.

SPORT1: Auf wen aus dem Flensburger Team müssen Sie besonders aufpassen?

Pfahl: Holger (Anm. d. Red.: Glandorf) spielt bisher eine sehr gute Saison. Er ist immer für leichte schnelle Tore gut. Aber auch Lars Kaufmann ist kein unbeschriebenes Blatt, auch wenn Viktor Szylagis nach seiner Verletzung zurückkommt, bringt uns das sicher keinen Vorteil. Sie haben gute Distanzschützen, aber auch einen schnellen Gegenstoß mit Anders Eggert und Lasse Svan Hansen. Wir müssen einfach tierisch aufpassen.

SPORT1: Aber trotz allem, ein Sieg in Flensburg ist möglich?

Pfahl: Ja, ein Sieg ist immer möglich. Das sollte man von vorneherein auch nie ausschließen. Wir fahren ganz bestimmt nicht dahin, um den Flensburgern die Hände zu schütteln und die Punkte einfach her zu schenken. Wir wollen diese weite Fahrt auf keinen Fall umsonst antreten.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel