vergrößernverkleinern
Michael Müller wechselte 2009 vom TV Großwallstadt zu den Löwen © imago

In Berlin stehen die Mannheimer nicht nur wegen ihrer Abwehrschwäche unter Druck. Der SCM will das nahezu Unmögliche schaffen.

Von Annette Bachert

München - Die Rollen sind klar verteilt, die Vorzeichen ähnlich und beide Teams haben ein Problem: Die Abwehr.

Sowohl die Füchse Berlin wie auch die Rhein-Neckar Löwen hadern vor dem Spitzenspiel am 12. Spieltag in der Toyota HBL (ab 18.55 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM) mit ihrer Defensive.

Füchse-Manager Bob Hanning erklärte zuletzt in der "Berliner Zeitung":

"Auch in den guten Spielen war die Deckungsarbeit nicht so, wie ich mir das vorstelle. Doch Trainer Dagur Sigurdsson hat durch die vielen Reisen und Spiele gar keine Zeit mehr für gezieltes Abwehrtraining. Er muss das Thema lösen, aber wir wissen noch nicht wie."

Denn mit sechs Spielen in drei Wochen und weiteren sieben bis Weihnachten haben die Füchse ein straffes Programm zu absolvieren (DATENCENTER: Die Toyota HBL).

Überzeugender Sieg

Nach dem 33:24-Sieg in der Champions League gegen MKB Veszprem am Sonntag (Bericht) sollte Hanning zumindest ein wenig wohler zu Mute sein.

Dort zeigten die Hauptstädter eine wahre Glanzleistung, vor allem Silvio Heinevetter (STENOGRAMME: Der 12. Spieltag).

Der 27-Jährige musste nach einer Verletzung Petr Stochls in den Anfangsminuten durchspielen, entschärfte aber viele Bälle und hatte damit großen Anteil an dem Sieg beim ungarischen Meister.

Doch auch wenn die Löwen mit Goran Stojanovic und Henning Fritz ebenfalls ein Torhüter-Duo von Weltformat haben, herrscht in Baden ebenso Unzufriedenheit mit der Defensiv-Leistung.

Storm unzufrieden

"Wir haben vor allem nach dem Seitenwechsel ganz schlecht verteidigt. Wenn wir in Berlin genauso spielen, bekommen wir die Hütte voll", sagte Michael Müller nach dem 42:30-Erfolg gegen den niederländischen Vertreter OCI Lions im EHF-Pokal (News).

Denn nach der 21:9-Pausenführung wurde der Vorsprung der Mannheimer nur noch verwaltet, anstatt sich durch einen überzeugenden Kantersieg Selbstvertrauen für das Spiel gegen die Füchse zu holen.

[kaltura id="0_r0mftj56" class="full_size" title="M hsamer Pflichtsieg f r Berlin"]

Auch Löwen-Manager Thorsten Storm zeigte sich mit der Leistung in der "Rhein-Neckar Zeitung" nicht zufrieden: "Mir kommt es manchmal so vor, als befänden wir uns in einer Komfortzone, in der nach 40, 50 guten Spielminuten, das Tempo reduziert und die Arbeit fast gänzlich eingestellt wird."

Nicht nur deshalb sieht der 47-Jährige sein Team in der Außenseiterolle, auch wenn er einen kleinen Hoffnungsschimmer durchscheinen lässt: "Die Ergebnisse der zurückliegenden zwölf Monate lassen keinen anderen Schluss zu. Aber vielleicht überrascht mich unsere Mannschaft ja."

"Füchse zu Hause eine Macht"

Wollen die Mannheimer den Kontakt zu den Champions-League-Plätzen halten, müssen beim direkten Konkurrenten in Berlin zwei Punkte herausspringen.

SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar rechnet allerdings mit einem Sieg der Hauptstädter: "Die Füchse sind zu Hause einfach eine Macht, das haben einige Mannschaften schon leidvoll erfahren. Sie haben momentan zu Hause ein Niveau, das schwer zu schlagen sein wird."

Und weiter: "Den deutlichen Sieg in Veszprem hat man nicht unbedingt erwartet. Aber von den Füchsen bekommt man sowieso immer wieder etwas geboten, was man nicht erwartet. Sie überzeugen Spieltag für Spieltag mit ihrer Stärke und ihren Ergebnissen."

SCM empfängt Kiel

Im zweiten Topspiel des Abends empfängt der SC Magdeburg den Meisterschaftsfavoriten Nummer eins, den THW Kiel (ab 20 Uhr im LIVESTREAM und 20.40 Uhr LIVE im TV auf SPORT1).

Dass der in dieser Saison noch ungeschlagene Rekordmeister ausgerechnet beim Tabellen-Achten in Magdeburg stolpert, scheint unmöglich, doch zumindest Außenseiterchancen rechnet sich der SCM aus, wie Kretzschmar weiß:

"Für mich sind die Kieler auch in Magdeburg der Favorit, aber was ich von einigen Spielern so gehört habe, haben sie sich einiges vorgenommen und werden ordentlich Gegenwehr leisten."

Zumal die Magdeburger den Kielern die letzte Niederlage in der Liga zugefügt haben. Seither gewann der Rekordmeister 16 Spieler in der Toyota HBL in Folge.

Kretzschmar hofft auf Sensation

Als ehemaliger SCM-Star hofft "Kretzsche" auf eine Überraschung:

"Normalerweise verliert der SCM neun von zehn Spielen in der jetzigen Situation gegen den THW, aber dieses eine Spiel ist möglich. Wenn alles stimmt, inklusive der riesigen Euphorie in der Halle, dann halte ich das nicht für unmöglich, dass der SCM die Kieler vor Probleme stellt."

Wie die Magdeburger tatsächlich eine Chance haben, weiß Kretzschmar natürlich auch:

"Sie müssen eine sehr kompakte aggressive Abwehr hinstellen und sich selbst richtig viel einfallen lassen im eigenen Angriff, viele Auslösehandlungen spielen und sich mehr bewegen als die Kieler."

Doch klar ist auch: "Ein einzelner Spieler von Magdeburg wird den THW sicher nicht schlagen können. Da muss die ganze Mannschaft hundert Prozent bringen."

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel