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Hasanefendic führte Tunesien als Nationaltrainer zum 4. Platz bei der WM 2005 © imago

Der VfL Gummersbach steuert auf eine handfeste Krise zu. Der Ex-Boss fordert den Rauswurf des Trainers: "Der kann es nicht."

Von Julian Meißner

München - Es grollt im Oberbergischen: Altmeister VfL Gummersbach steuert auf eine handfeste Krise zu.

Der Tabellenzehnte hinkt nicht nur ergebnismäßig hinter den Erwartungen her. Vor allem die schwachen Leistungen der Mannschaft von Trainer Sead Hasanefendic sorgen für Unmut.

Dem starken Auftritt beim 31:29 über den TBV Lemgo, der das vorhandene Potenzial des Teams aufzeigte, folgte die Heim-Blamage gegen Göppingen (23:27). (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Ex-Boss "in tiefer Sorge"

In die Kritik gerät nun der Trainer. Vor allem Ex-Präsident Hans-Peter Krämer hat sich auf Hasanefendic eingeschossen.

"Geschäftsführer Francois-Xavier Houlet sagt, es gibt keine Trainerdiskussion? Denen werde ich eine aufzwingen. Hasanefendic ist der Sache nicht mehr gewachsen", wütete Krämer nun im Kölner "Express".

Krämer, mittlerweile Sprecher der Gesellschafter-Versammlung weiter: "Ich bin in tiefer Sorge. Hasanefendic brabbelt am Spielfeldrand nur noch rum, niemand hört ihm zu. Der Mann ist völlig hilflos und ratlos. Der kann es nicht."

Not-Lösung: Houlet und Kurtagic

Eine Attacke aus dem Affekt oder ein gezielter Angriff? Es scheint, als wolle Krämer die Klub-Führung vor der WM-Pause unter Druck setzen.

"Man sollte Hasanefendic bei der Ehre packen. Vielleicht geht er dann von selbst. Aber mit ihm weiterdilettieren ist für den Klub viel teurer als ihn rauszuschmeißen", so der 67-jährige DOSB-Vizepräsident für Finanzen.

Krämer hat auch schon eine Not-Lösung parat: "Zur Not muss Houlet das bis Saisonende mit Emir Kurtagic selber machen." Ex-Profi Kurtagic fungiert momentan neben Hasanefendic als Co-Trainer.

"Genügend Alternativen auf dem Markt"

Doch für Krämer sind auch andere Kandidaten denkbar: "Mit Juri Schewzow, Kent-Harry Andersson oder Michael Roth sind genügend Alternativen auf dem Markt. Fest steht: Es besteht dringender Handlungsbedarf!"

In der Klub-Führung sieht man das anders. "Es ist für uns kein Thema, den Trainer zu entlassen", erklärte Claus Horstmann, der Vorsitzende des Aufsichtsrates im "Kölner Stadt-Anzeiger".

Doch auch die Fans gehen mittlerweile auf die Barrikaden - bei der Schlappe gegen Frisch Auf machten die Zuschauer ihrem Unmut lautstark Luft. Sie spüren: Mit der Mannschaft wäre mehr drin als ein Mittelfeldplatz bei 21:15 Punkten.

"Lemgo war schön..."

"Alfred Gislason wäre mit dieser hochkarätigen Mannschaft mindestens Dritter", meint Krämer: "Aber da fehlt jede Führung, jede taktische Anweisung. Ich saß direkt hinter der Bank: Die Spieler wechselten sich am Ende selbst ein und aus. Dem Trainer hört niemand mehr zu."

Hasanefendic musste nach der Pleite gegen Göppingen einräumen: "Sicherlich war das im Vergleich zum Spiel gegen Lemgo ein Unterschied wie Tag und Nacht. Solche Spiele gibt es. Lemgo war schön, aber die Realität ist eher so wie das heutige Spiel."

Hans-Peter Krämer wird das sicherlich anders sehen.

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