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Kim Andersson steuerte neun Treffer zum 26. Sieg seiner Kieler bei © getty

Der THW zementiert gegen Berlin seine Dominanz - umkurvt die M-Frage aber weiter. Beim HSV könnte es rechnerisch klar werden.

Von Katharina Blum

Kiel/München - Die Füchse Berlin hatten eine klitzekleine Hoffnung: das "Rest-Adrenalin".

Doch die Hoffnung im Rausch des Königsklassen-Coups auch den übermächtigen THW entzaubern zu können, war schon nach 14 Minuten zerschlagen, als Nationaltorwart Silvio Heinevetter seinen Kasten verlassen musste.

Elf Mal warfen die Kieler bis dahin auf sein Tor, elf Mal konnte er den Ball nur aus dem Netz zu holen.

Und weil dem eingewechselten Petr Stochl anschließend auch kein wirkliches Meisterstück gelang und die Füchse-Keeper zusammen nur sechs Würfe parierten, siegten am Ende wieder einmal überragende Kieler mit 36:28 (VIDEO: Kim Andersson im Interview).

"Kiel spielt in einer anderen Liga"

"Ich bin froh, dass es nicht zweistellig geworden ist", gestand Berlins Nationalspieler Sven-Sören Christophersen gegenüber SPORT1: "Der THW spielt einfach in einer anderen Liga."

Und Manager Bob Hanning, der vorab ausnahmsweise seine gewohnte Tiefstapelei abgelegt und seiner Mannschaft auch in Kiel "alles" zugetraut hatte, räumte ein: "Das Spiel in Hamburg hat viel Kraft gekostet. Ich glaube, die Spannung war ein wenig raus."

26 Siege in 26 Spielen

26 Siege in 26 Spielen und 52:0 Punkte: Das ist einmalig in der 46-jährigen Geschichte der Handball-Bundesliga (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Deutscher Rekordmeister ist der THW Kiel bereits, und dass in diesem Jahr der nächste nationale Titelgewinn hinzukommen wird, bezweifelt kaum einer mehr.

Acht Spieltage vor dem Saisonende steht das Team von Alfred Gislason inzwischen zehn Punkte vor den Berlinern und strebt unaufhaltsam seiner 17 Meisterschaft entgegen.

Nur sieben Punkte aus den acht ausstehenden Spielen brauchen die Kieler noch, um es offiziell zu machen - und das auch nur für den Fall, dass Konkurrent Berlin alle noch zu vergebenden Punkte holt.

Die Meister-Party könnte folglich ausgerechnet in Hamburg steigen, wo der THW am 13. Mai zu Gast ist.

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Abgefertigt wie in einem Trainingsspiel

Die andere Frage, die noch offen ist, lautet: Gelingt dem THW die Jagd nach der Null?

"Natürlich ist es unser Ziel, jedes Spiel zu gewinnen", erklärte Filip Jicha nach dem Spiel - so selbstverständlich das ist, so bedrohlich muss es sich gerade anhören für die Konkurrenz (VIDEO: Filip Jicha im Interview).

Viel spricht dafür, dass die Mission gelingt, wenn sogar der Tabellenzweite im gesamten Spiel nur ein einziges Mal in Führung (1:2) liegt und am Ende abgefertigt wird wie in einem Trainingsspiel.

"Die Meisterschaft ist entschieden", erklärte Hanning in den "Kieler Nachrichten": "Kiel hat es verdient, aber für die Liga ist es schade."

Gegner schwächen sich selbst

Am Geld allein liegt die Dominanz nicht. Die Kieler kaufen einfach geschickter und vorausschauender ein, mit viel Fach- und Menschenkenntnis. Für die kommende Saison sind unter anderem mit Gudjon Valur Sigurdsson und Marko Vujin wichtige Transfers schon wieder unter Dach und Fach.

Der HSV, der mit einem geschätzten Neun-Millionen-Etat nur über eine halbe Million Euro weniger Geld verfügt, katapultierte sich unter anderem mit seinem unglücklichen Trainerwirrwarr ganz von selbst aus dem Meisterrennen.

Und die Rhein-Neckar Löwen sind nach dem Rückzug ihres Hauptgeldgebers Jesper Nielsen viel zu sehr damit beschäftigt, den unausweichlichen personellen Umbruch einzuleiten.

Selbstbewusste Berliner

Dass es auch ohne viel Geld geht, zeigen in dieser Saison immerhin die Berliner, die mit 4,8 Millionen Euro den halben THW-Etat besitzen sollen.

In Kiel schafften sie es immerhin kurzzeitig, sich an den designierten Meister heranzukämpfen, als Spielmacher Bartlomiej Jaszka der Anschluss zum 20:23 (39.) gelang. Dann aber schwächten sich die Berliner durch Zeitstrafen selbst.

Grundsätzlich ist das notwendige Selbstbewusstsein der Konkurrenz da. Fragt man den Füchse-Überflieger Johannes Sellin, wann er denn zum Branchenprimus wechseln möchte, sagt der bei SPORT1, dass es doch einen Klub geben müsse, der dem THW Kiel Paroli bieten kann - "damit es nicht noch mal so läuft wie in dieser Saison".

Nur Kiel umkurvt M-Frage

Dass in dieser Saison die M-Frage abgehakt ist, wird nur noch an einem Ort offiziell bestritten: in Kiel.

"Da können wir am 2. Juni nochmal drüber sprechen", antwortete THW-Nationalspieler Dominik Klein zum Thema Titel.

Bei diesem Satz musste er selber grinsen.

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