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Trainer Dirk Beuchler beendete die abgelaufene Saison mit dem TBV als Siebter © getty

Nach einer "Räuberpistole" finden die Lemgoer ein Millionenloch vor. Volker Zerbe schildert bei SPORT1 die Rettungsaktion.

Von Julian Meißner

München - Mit dem TBV Lemgo ist ein echter Traditionsklub des deutschen Handballs nur knapp dem finanziellen Ruin entgangen.

"Der Verein stand kurzzeitig mit dem Rücken zur Wand", erklärte der TBV-Beiratsvorsitzende Siegfried Haverkamp am Freitag auf der Vereinshomepage (NEWS: Alles zum Handball).

Trotz des Rückzugs des bisherigen Hauptsponsors (Heristo AG) hatte der Verein die wirtschaftliche Zukunft durch neue Sponsoringverträge zunächst als gesichert angesehen. Durch einen "Forderungsausfall" sei der TBV Lemgo dann jedoch in eine "sehr kritische Situation" geraten, wie es in der Erklärung heißt.

Zerbe gibt Entwarnung

"Wir haben die Situation lösen können und mit einer konzertierten Aktion alles in die richtige Richtung drehen können", gab Volker Zerbe, der Geschäftsführer Sport beim TBV, im Gespräch mit SPORT1 Entwarnung: "Das freut uns natürlich sehr."

Der 284-malige Nationalspieler präzisierte: "Durch einen Ausfall von Sponsorengeldern ist es zu einer schwierigen Situation gekommen. Es musste ein Loch von einer Million Euro gestopft werden."

Haverkamp spricht von "Räuberpistole"

Weil Zahlungsvereinbarungen nicht eingehalten wurden, stand der Deutsche Meister von 1997 und 2003 vor dem Aus.

"Dahinter verbirgt sich eine Räuberpistole, wie man sie üblicherweise nur aus Fabeln kennt", zitiert die "Lippische Landes-Zeitung" Haverkamp.

Bei einem Gesamtetat von fünf Millionen Euro riss der Ausfall ein gewaltiges Loch. "Wir werden prüfen, ob und wie wir juristisch vorgehen werden", erklärte Zerbe: "Es kommt im Sportsponsoring leider immer mal wieder zu Ausfällen, da sind wir nicht alleine auf weiter Flur."

Spieler an Einsparungen beteiligt

Ein neuer, kurzfristig eingesprungener Hauptsponsor sorgte nun für den Löwenanteil bei der Rettungsaktion. Die itelligence AG ziert künftig das in den ersten Vorbereitungsspielen noch blanke Trikot des TBV. Zudem engagieren sich zahlreiche kleinere Unternehmen.

"Dank der großzügigen Unterstützung durch lippische Unternehmen sowie kommunaler Organisationen wurde das aufgetretene Leck gestopft", heißt es auf der TBV-Homepage.

Auch die Mannschaft hat sich mit Kompromissen bei den Gehältern an der Rettungsaktion beteiligt, zudem verzichtete der Kreis Lippe offenbar auf 220.000 Euro Hallenmiete.

"Es ist richtig, dass die Mannschaft sich beteiligt hat", bestätigte Zerbe: "Die Spieler haben ein ganz klares Bekenntnis zum Verein und zu der Region abgegeben. Das ist ein außerordentlich positives Zeichen. Sie fühlen sich mit dem Klub verbunden, darum ist das gar nicht hoch genug zu bewerten, dass sie sich hier eingebracht haben."

Sportliche Ziele nicht beeinflusst

Die sportlichen Ziele für die kommende Saison in der DKB Handball-Bundesliga seien nicht beeinflusst, so Zerbe: "Die Mannschaft steht, Dirk Beuchler hat das Team auf Kurs gebracht. Daran wollen wir anknüpfen und noch konstanter spielen. Dann schauen wir, wo wir am Ende ankommen." Die Teilnahme am Europapokal sei eher mittelfristiges Ziel als Vorgabe für die kommende Spielzeit.

Zunächst einmal steht ohnehin die Wirtschaftlichkeit im Fokus - auch langfristig.

"Es war uns wichtig, dass nicht nur die Saison 2012/2013, sondern auch darüber hinaus ein Konzept gesichert ist", sagte Zerbe und zeigte sich den Umständen entsprechend zufrieden: "Die Voraussetzungen dafür, dass Handball auch in den nächsten Jahren in Lemgo stattfinden kann, sind geschaffen."

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