"Der Tag des Verlierens wird kommen"
Von Julian Meißner
München - Olympia-Gold ist kaum vergeben, da richtet sich der Blick auf den Saisonstart in der DKB Handball-Bundesliga: In gut einer Woche wird die neue Spielzeit mit dem traditionellen Super Cup in München eröffnet.
Der THW Kiel trifft am kommenden Dienstag auf die SG Flensburg Handewitt (ab 19.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1).
Und die "Zebras" starten nach ihrer Giganten-Saison wieder als Top-Favorit schlechthin, auch wenn das Klub-Management die Erwartungen zu dämpfen versucht.
"Der Tag des Verlierens wird kommen", sagte Geschäftsführer Klaus Elwardt am Montag in Anspielung auf die perfekte Spielzeit seines Teams, das mit 68:0 Punkten zur Meisterschaft gestürmt war und daneben auch Pokal und Champions League für sich entschieden hatte.
Durchmarsch einmalig?
"Der THW hat den Anspruch, immer zu gewinnen", so Elwardt: "Aber ob wir nahtlos an diese Saison anknüpfen können, müssen wir sehen." Seinem Team sei mit dem erstmaligen Durchmarsch einer Mannschaft in der Geschichte der Bundesliga "etwas Einmaliges" gelungen.
Großen Anlass zur Skepsis bietet die nur leicht umformierte Mannschaft des Rekordmeisters jedoch nicht. Der gewichtigste Neuzugang ist der serbische Linkshänder Marko Vujin, der Ausnahmekönner Kim Andersson ersetzen soll.
Der Schwede steht aktuell zwar mit Olympia-Silber in der Hand, aber nach der Insolvenz seines neuen Klubs AG Kopenhagen auch ohne Arbeitgeber da.
Ekberg eine Option
Eine Rückkehr zum THW sei unwahrscheinlich, erklärte Elwardt, schloss jedoch nichts aus. Auch Anderssons Landsmann, Kopenhagens Rechtsaußen Niclas Ekberg ist bei Kiel im Gespräch.
"Ekberg ist ein hervorragender Spieler, der bei Olympia ein tolles Turnier gespielt hat. Ein interessanter Mann, sicherlich auch für uns", sagte Elwardt gegenüber SPORT1. Der THW-Kader sei zwar komplett, aber: "Ergänzen kann man natürlich immer."
Ob es noch Zugänge gibt oder nicht, die klar formulierte Zielsetzung des Triple-Siegers heißt: erneut um alle Titel mitspielen.
Flensburg will "Niveau halten"
Etwas kleinere Brötchen backt der ewige Rivale der Kieler, Vizemeister SG Flensburg-Handewitt.
"Wir wollen unser Niveau halten", erklärte Geschäftsführer Dierk Schmäschke im Gespräch mit SPORT1: "Wir sehen uns als Konkurrenten, aber wir können uns nicht mit dem THW Kiel vergleichen." Zumal für den Gewinner des Europapokals der Pokalsieger die Belastung in der Champions League hinzu komme.
Zunächst einmal sei der Super Cup eine ordentliche Standortbestimmung, und: "Den THW schlägt man immer gern."
Dachschaden erzwingt Umzug
Wo der Super Cup überhaupt stattfinden würde, stand nach dem Bekanntwerden eines Schadens an der Dachkonstruktion der Olympiahalle bis vor kurzem noch gar nicht fest.
Vergangene Woche erst wurde bekannt gegeben, dass die Veranstaltung zum siebten Mal in München stattfindet - in der Eissporthalle des Olympiaparks.
"Das hat uns viel Mühe und Schweiß gekostet", sagte Frank Bohmann zu der kurzfristigen Verlegung.
Ob diese eine Auswirkung auf die zukünftige Wahl des Austragungsortes habe, ließ der DKB HBL-Geschäftsführer offen. "Das werden wir nach der Veranstaltung bewerten", so Bohmann.
Elwardt brach unterdessen eine Lanze für den Standort in Bayern: "Der Super Cup gehört nach München."
Wieder Frankreich gegen Schweden
Mit von der Partie bei der ersten Standortbestimmung sind auch die Teilnehmer des olympischen Finales.
Kiels Thierry Omeyer und Daniel Narcisse treffen auf die beiden Schweden Tobias Karlsson und Mattias Andersson - es würde nicht verwundern, sollten die beiden Franzosen erneut die Oberhand behalten und den Tag des Verlierens noch etwas hinauszögern.