Kieler Überflieger schon wieder in Titellaune
Vom Super Cup berichtet Julian Meißner
München - Nächstes Ausrufezeichen des Triple-Siegers: Der umformierte THW Kiel hat unmittelbar vor dem Saisonstart in der DKB Handball-Bundesliga seine Favoritenstellung untermauert.
Der Meister, Pokalgewinner und Champions-League-Sieger besiegte Erzrivale SG Flensburg-Handewitt beim Super Cup in München am Dienstagabend mit 29:26 (14:14)
Elf Monate ohne Niederlage
Die "Zebras" führen damit ihre unglaubliche Erfolgsgeschichte fort, ihre letzte Niederlage - gegen Montpellier in der Champions League - liegt nun knapp elf Monate zurück.
Eine Vorentscheidung in der letzten Belastungsprobe vor dem Ernstfall am Samstag fiel durch einen THW-Zwischenspurt Mitte der zweiten Hälfte, als sich die Kieler auf vier Tore absetzen konnten. Flensburg schnupperte noch einmal Morgenluft, aber am Ende hieß der verdiente Sieger einmal mehr THW Kiel.
Starker Einstand von Vujin
Beste Werfer für den THW waren der starke Neuzugang Marko Vujin (9/4) und Superstar Filip Jicha (6). (DIASHOW: DKB HBL-Transfermarkt).
Für Flensburg trafen Holger Glandorf (6) sowie Anders Eggert (6/3) am häufigsten.
Seinen siebten Super-Cup-Sieg feierte der THW in ungewohnter Umgebung. Die 19. Austragung war wegen Schäden an der Dachkonstruktion der Olympiahalle kurzerhand ins deutlich kleinere Eissportzentrum nebenan verlegt worden.
Doch die beengten Bedingungen in dem brütend heißen Gemäuer taten der guten Stimmung unter den knapp 6200 Zuschauern keinen Abbruch.
Besserer Start für Flensburg
Auf beiden Seiten durfte je ein Neuzugang von Beginn an ran: THW-Trainer Alfred Gislason brachte den serbischen Kim-Andersson-Ersatz Vujin für den rechten Rückraum, sein Gegenüber Ljubomir Vranjes schickte mit Steffen Weinhold ebenfalls einen neuen Linkshänder aufs Feld.
Den besseren Start erwischte der Vizemeister, setzte sich schnell auf 4:1 ab (5.) – doch der THW wäre nicht der THW, hätte er sich davon schocken lassen.
Mit dem 4:4 durch einen Gegenstoßtreffer Dominik Kleins (8.) fiel der Ausgleich, kurz darauf feierte Vujin seinen ersten Pflichtspieltreffer für Kiel und die erste THW-Führung im Spiel mit geballter Faust.
Offene erste Halbzeit
Die Partie blieb in der Folge trotz vieler Wechsel auf beiden Seiten ein recht ansehnlicher Härtetest und bis zur Halbzeit völlig ausgeglichen.
Flensburg zeigte sich gewohnt spielfreudig über die Außen, Kiel kam in erster Linie durch seinen starken Rückraum zu Toren.
Vujin, Typ Brecher, gab dabei im Angriff eine Kostprobe seiner Durchschlagskraft, übernahm Verantwortung bei Strafwürfen, offenbarte aber auch Defizite in der Deckungsarbeit.
Kiel kommt besser aus der Pause
Im zweiten Durchgang agierte Jicha als vorgezogene Spitze in der THW-Deckung, die SG stellte sich darauf zunächst mit verstärktem Spiel über den Kreis gut ein.
Dann jedoch zogen die "Zebras" die Zügel an: Kopenhagen-Neuzugang Gudjon Valur Sigurdsson mit einem Gegenstoßtreffer, Momir Ilic aus dem Rückraum und Aron Palmarsson mit einem krachenden Sprungwurf an den Innenpfosten sorgten für das 22:18 (46.).
Djordjic verletzt sich
Flensburg hatte den Faden verloren, auch weil Youngster Petar Djordjic sich nach einem Zusammenprall am Knie verletzte und vom Feld geführt wurden musste.
Nach einer Vranjes-Auszeit bestimmte Kiel weiter das Geschehen, spielte seine Klasse aus und brachte den Sieg nach Hause – auch wenn die SG kurz vor Schluss noch einmal bis auf ein Tor heran kam.
"Es haben heute Kleinigkeiten entschieden", sagte Flensburgs Nationalspieler Lars Kaufmann, "am Ende war der THW in den entscheidenden Situationen schneller als wir und hat unsere kleinen Fehler eiskalt ausgenutzt. Uns hat vielleicht die Abgebrühtheit gefehlt."
Man habe "überragend gearbeitet, es lief hervorragend", hatte Gislason die nun fast abgeschlossene Vorbereitung bewertet, obwohl zahlreiche Olympiateilnehmer in London weilten.
Olympiasieger präsentieren Medaille
Unter anderem holten Thierry Omeyer und Daniel Narcisse mit Frankreich Gold – und der Keeper präsentierte seine Medaille sogar stolz dem Münchner Publikum.
Die neue Spielzeit in der DKB Handball-Bundesliga startet am Freitagabend mit der Partie Großwallstadt gegen Melsungen.
Am Samstag treten dann die Kieler in ihrem ersten Ligaspiel beim VfL Gummersbach an. Die Flensburger empfangen ebenfalls am Samstag Aufsteiger TuSEM Essen.