Puzzeln für den nächsten Durchmarsch
Vom Super Cup berichtet Julian Meißner
München - Punkt 22 Uhr war es wieder soweit: Der Pokal kam bei Daniel Narcisse an, und der Franzose streckte die Trophäe wie gewohnt in Usain-Bolt-Pose und unter dem Jubel seiner Mitspieler in die Höhe.
Mit seinem siebten Sieg beim Super Cup hat der THW Kiel ein deutliches Zeichen an die Konkurrenz gesendet. Wer Meister werden will, muss an den Schwarz-Weißen vorbei.
THW-Trainer Alfred Gislason sprach zwar nach dem 29:26 (14:14) über Vizemeister SG Flensburg-Handewitt ( Bericht) davon, dass er "einen engen Kampf" um den Titel erwarte.
Doch seine neu formierte Mannschaft zeigte sich beim Aufgalopp zur Spielzeit 2012/2013 trotz erschwerter Vorbereitung und vier Neuzugängen schon in mehr als passabler Frühform.
"Man hat gesehen, dass wir noch viel Arbeit vor uns haben, um den Rhythmus des letzten Jahres zu finden", sagte Gislason: "Wir müssen uns steigern."
Vujin trumpft auf
Im letzten Jahr, da waren die "Zebras" in allen Wettbewerben von Sieg zu Sieg geeilt und hatten in der Liga am Ende einen Durchmarsch mit 68:0 Punkten hingelegt.
"Es wäre schön, das zu wiederholen, aber es wird nicht leicht", so Gislason. (VIDEO: Der THW-Coach im SPORT1-Interview)
Eine bedeutende Rolle im Spiel des neuen THW wird Marko Vujin einnehmen. Der Serbe steht vor der Mammutaufgabe, Kim Andersson im rechten Rückraum zu ersetzen. In seinem ersten Pflichtspiel für die Kieler deutete der Zwei-Meter-Mann, der im Sommer aus Veszprem an die Förde wechselte, sein Potenzial an.
Mit neun Treffern, darunter vier Siebenmeter, war er bester Werfer seines Teams.
"Diese Breite wollen wir nutzen"
Eine Rückkehr Anderssons, nach Kopenhagens Pleite vertragslos, ist dennoch nicht vom Tisch.
"Natürlich hätten wir ihn gerne wieder", meinte Gislason. Auch beim schwedischen Rechtsaußen Niclas Ekberg gebe es noch leise Hoffnung. Er gehe aber davon aus, dass man mit der Mannschaft, die sich in München präsentierte, auch in die Saison gehe, so Gislason.
Darunter sind mit Linksaußen-Routinier Gudjon Valur Sigurdsson sowie den beiden Kreisläufern Patrick Wiencek und Rene Toft Hansen drei weitere Puzzleteile, die den THW noch variabler machen dürften (DIASHOW: DKB HBL-Transfermarkt).
"Diese Breite wollen wir nutzen", erklärte Gislason, der aber im Härtefall immer noch auf eine eingespielte erste Sieben voller Top-Stars bauen kann.
Djordjic schwer verletzt
Auf Seiten der Flensburger überschattete die schwere Verletzung von Youngster Petar Djordjic, der sich das rechte Knie verdrehte, den ansprechenden Auftritt des Vizemeisters.
Der 21-jährige Rückraumspieler musste Mitte der zweiten Halbzeit vom Feld geführt werden, da schwante SG-Trainer Ljubomir Vranjes schon Böses.
"Es sieht nicht so gut aus", meinte der Schwede nach Abpfiff. Bei einer MRT-Untersuchung am Mittwoch stellten die Ärzte dann einen Riss des vorderen Kreuzbandes im rechten Knie fest (NEWS: Schock für Flensburg).
Die Leistung seines Teams sei trotz vieler Fehler "okay" gewesen, sagte Vranjes, und Flensburgs Geschäftsführer Dierk Schmäschke meinte angesichts der tropischen Temperaturen in der Halle: "Trotz der Gluthitze haben wir ein erfrischendes Handballspiel gesehen."
Glandorf mit kleinen Schritten
Erfreulich wurde der starke Auftritt Holger Glandorfs aufgenommen, der mit sechs Treffern zum besten Werfer seines Teams neben Anders Eggert (6/3) avancierte.
"Ich freue mich einfach, wieder dabei zu sein", sagte Glandorf bei SPORT1. Der Linkshänder hatte nach einer Entzündung der Achillessehne und drei Operationen zwischenzeitlich sogar um seine Karriere bangen müssen.
Es werde noch "Wochen, Monate" dauern, bis er wieder der Alte sei, so Glandorf, der sich aber über "einen Schritt nach vorne" freute.
Super Cup heiß begehrt
Während Glandorf auf dem Weg zu alter Stärke ist, steht die Zukunft des Super Cup in den Sternen.
Der Vertrag mit dem Olympiapark München als Veranstalter läuft in diesem Jahr aus, andere Bewerber dürfen sich mehr denn je Hoffnungen auf die Austragung machen.
Die kurzfristige Verlegung aus der Olympiahalle aufgrund von Schäden an der Dachkonstruktion ins deutlich kleinere Eisportzentrum hatte die DKB Handball-Bundesliga zu "viel Improvisation" gezwungen, wie Geschäftsführer Frank Bohmann sagte: "Wir werden das jetzt in Ruhe bewerten. Die Veranstaltung ist sehr begehrt."
Wo auch immer der Super Cup 2013 stattfindet - die Chancen, dass der THW zum neunten Mal in Folge beim traditionellen Aufeinandertreffen der besten Teams aus Liga und Pokal dabei ist, stehen ziemlich gut.