"Wir können wieder um drei Titel mitspielen"
Von Julian Meißner
München - Der Gewinn des Super Cup ist nicht eben das Ereignis, das Thierry Omeyer vor Euphorie aus den Socken kippen lässt.
Kiels französischer Keeper hat in seiner Karriere so viele Titel eingeheimst, dass er den Prestigesieg gegen die SG Flensburg ( Bericht) eher nebenbei mitnimmt.
Fünfmal Deutscher Meister, fünfmal deutscher Pokalsieger, fünfmal französischer Meister, fünfmal französischer Pokalsieger, viermal Champions-League-Sieger, dreimal Weltmeister, zweimal Europameister, zweimal Olympiasieger, das sind die wichtigsten Erfolge in "Titis" Bilanz.
Und geht es nach dem 35-jährigen Welthandballer von 2008, der von der EHF 2011 zur "lebenden Legende des Handballsports" ernannt wurde, ist noch lange nicht Schluss.
Der gigantischen Saison 2011/2012 seines THW mit dem Triple-Gewinn und dem Durchmarsch in der DKB Handball-Bundesliga sollen weitere Trophäen folgen.
Im Interview mit SPORT1 spricht Omeyer über die neue Saison, die Rivalen im Kampf um die Meisterschaft und die Zukunft der französischen Nationalmannschaft.
SPORT1: Herr Omeyer, der THW hat den Super Cup gewonnen und damit die neue Saison begonnen, wie er die alte abgeschlossen hat. Wie fühlt sich das an?
Thierry Omeyer: Natürlich ist das schön, auch wenn es nur der Super Cup ist. Immerhin ist es ein Titel. Und das Spiel war ein schöner Härtetest für uns. Wir hatten nicht viel Zeit, uns auf die Saison vorzubereiten. Insgesamt war es ganz gut dafür, dass wir als Mannschaft nur eine Woche zusammen waren. Aber wir müssen uns steigern für die nächsten Aufgaben.
SPORT1: War das Spiel schon ein Fingerzeig, wie die Saison laufen wird?
Omeyer: Ich denke, verschiedene Mannschaften werden um den Titel mitkämpfen. Flensburg gehört dazu, und der THW natürlich auch. Es wird eine schwere Saison, aber am Ende wollen wir wieder Meister sein.
SPORT1: Neuzugang Marko Vujin hat einen guten Einstand gezeigt. Wie haben Sie sein Debüt erlebt?
Omeyer: Natürlich ist er ein Top-Spieler. Es ist keine Überraschung, dass er viele Tore macht, er hat schon in Veszprem bewiesen, wie stark er ist. Er braucht sicher noch Zeit, um in die Mannschaft zu finden. Aber wenn er in jedem Spiel neun Tore macht, ist das kein Problem.
SPORT1: Hat er Kim Andersson schon vergessen gemacht?
Omeyer: Die Frage stellt sich nicht. Kim hat uns in Kiel lange sehr geholfen. Jetzt ist Markos Zeit, und er muss uns helfen, Titel zu gewinnen. Man sollte sie nicht vergleichen.
SPORT1: Wie groß ist die Chance, dass der THW das Triple wiederholen kann?
Omeyer: Ich glaube schon, dass wir eine starke Mannschaft haben, die wieder um drei Titel mitspielen kann. Der Start ist enorm wichtig, wir müssen gut in die Liga einsteigen. In der Champions League brauchen wir eine gute Ausgangsposition nach der Gruppenphase, um Chancen auf das Final Four zu haben. Und im Pokal darfst du sowieso kein Spiel verlieren.
SPORT1: Wer kann neben Kiel und Flensburg in den Titelkampf eingreifen?
Omeyer: Wie in den vergangenen Jahren: Hamburg, die Rhein-Neckar Löwen und Berlin. Die Löwen haben viele neue Spieler und wirklich eine gute Mannschaft beisammen. In Berlin hat sich nicht viel verändert, sie haben letztes Jahr bewiesen, dass sie sehr konstant spielen. Auch der HSV hat viele Weltklasse-Spieler.
SPORT1: Sie und viele andere Kieler waren bei Olympia - ein Problem in der Vorbereitung?
Omeyer (lacht): Wenn man mit der Goldmedaille zurückkommt, ist es kein Problem, wieder die Motivation zu finden. Es ist eigentlich ganz einfach: Jetzt bin ich wieder beim THW und möchte mit dieser Mannschaft Freude haben.
SPORT1: Im Frühjahr 2013 ist die WM in Spanien. Sehen wir dort Frankreich noch einmal in der "alten" Besetzung oder war Olympia-Gold der Abschied für diese Generation?
Omeyer: Ich habe mit den anderen Spielern noch gar nicht darüber gesprochen. Wir wollen auf jeden Fall dort wieder um den Titel mitspielen. Mit welcher Mannschaft, das wird man sehen.
SPORT1: Der THW startet am Samstag in Gummersbach. Was erwarten Sie?
Omeyer: Wir wollen natürlich zwei Punkte zum Auftakt, aber Gummersbach hat auch eine starke Mannschaft. Das wird schwer, zumal das erste Spiel einer Saison immer etwas Besonderes ist. Wir werden uns dementsprechend gut vorbereiten.