"Es könnte eine schwere Zeit werden"
Von Annette Bachert
München - Bei den Rhein-Neckar Löwen werden neuerdings kleinere Brötchen gebacken.
Mäzen Jesper Nielsen hatte sich bereits Anfang des Jahres zurückgezogen, versprochene Zahlungen blieben aus. Statt auf fertige Stars soll ab der neuen Saison deshalb vermehrt auf Talente gesetzt werden.
Jung, aber schon fast ein Star ist der neue Löwen-Keeper Niklas Landin.
"Niklas Landin ist eines der größten Talente in der Handballwelt. Ihm gehört sicher die Zukunft", sagt Manager Thorsten Storm über den 22-jährigen Dänen (DIASHOW: DKB HBL-Transfermarkt).
Härtetest geglückt
Allerdings muss sich der von BSV Bjerringbro-Silkeborg gekommene Youngster im Kampf um den Platz zwischen den Pfosten mit Torhüter-Legende Goran Stojanovic duellieren.
Beim Harz-Energie-Cup in Ilsenburg kamen beide Schlussmänner zum Einsatz und trugen ihren Teil zum Turniersieg der Löwen bei.
Zum Start der neuen HBL-Saison steht nun das schwere Auswärtsspiel bei Frisch Auf Göppingen (So., ab 15.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) auf dem Programm.
Bei SPORT1 spricht Landin über seine ersten Eindrücke von Deutschland sowie vom neuen Team, über die Keeper-Rivalität, Trainer Gudmundur Gudmundsson und seine Olympia-Enttäuschung.
SPORT1: Herr Landin, Glückwunsch zum ersten Turniersieg beim Harz-Energie-Cup. Wie waren die ersten Spiele mit ihrem neuen Team?
Niklas Landin: Wir konnten einige Spielsysteme trainieren. Von daher war es gut, gegen gute Teams zu spielen.
SPORT1: Was muss noch besser werden?
Landin: Wir müssen uns eigentlich nicht verbessern, sondern das zeigen, was wir können. Wir hoffen, dass wir viele Spiele gewinnen können. Aber wir wissen, dass wir nicht das beste Team in der Liga sind. Unser Ziel ist aber die Spitzengruppe. Wir haben viele junge Spieler und müssen uns reinhängen.
SPORT1: Also waren Sie mit dem Auftritt im Finale gegen Magdeburg zufrieden?
Landin: Als Team spielen wir schon ganz gut, aber ich selber kann noch um einiges besser spielen als zuletzt.
SPORT1: Sie sind erst wenige Tage in Mannheim. Wie ist der erste Eindruck vom Team und vom ganzen Umfeld?
Landin: Es ist alles gut. Meine Teamkollegen sind sehr nett, und es lief in den ersten Tagen hier sehr gut für mich. Der Klub und die Trainingsbedingungen sind äußerst professionell. Ich habe nach einer Woche im Verein ein sehr gutes Gefühl.
SPORT1: Mit Jesper Nielsen ist der große Geldgeber der Löwen weg. Hat sich auch für Sie dadurch etwas verändert?
Landin: Nein, ich weiß, dass er weg ist. Ich denke, dass in einem halben Jahr niemand bei den Rhein-Neckar Löwen mehr über Jesper Nielsen reden wird. Es ist jetzt nun mal so. Wir sind jetzt die neuen Rhein-Neckar Löwen, ein junges Team mit weniger Stars.
SPORT1: Mit Goran Stojanovic bilden Sie eines der besten Torhüter-Duos in der DKB Handball-Bundesliga. Sie gelten als einer der besten Keeper der Welt. Wo liegen Ihre Stärken?
Landin: Wenn ich für einen der besten Torhüter der Welt gehalten werde, dann ehrt mich das. Aber ich denke nicht, dass ich momentan einer der besten bin. Ich habe noch viele Jahre vor mir und muss mich noch weiterentwickeln. Es spielt auch keine Rolle, ob wir eines der besten Torhüter-Duos in der Liga sind, wir müssen einfach unser Tor sauber halten.
SPORT1: Pushen Sie sich gegenseitig?
Landin: Natürlich machen wir das, aber wir sprechen nicht darüber, wer die Nummer 1 oder die Nummer 2 ist. Wir sind ein gutes Gespann und wir unterstützen uns gegenseitig. So verbessern wir uns und zeigen, dass wir die besten Keeper für den Klub sind.
SPORT1: Wollen Sie die Nummer 1 sein?
Landin: Ich will immer im Tor stehen und die gesamte Spielzeit spielen, aber ich weiß, dass Goran ein richtig guter Keeper ist. Das hat er auch beim Harz-Energie-Cup bewiesen. Er wurde zum besten Torhüter des Turniers gewählt. Es könnte eine schwere Zeit für mich werden, aber ich kann es vielleicht schaffen.
SPORT1: Wer sind Ihre Vorbilder?
Landin: Ich habe keine Idole, aber ich beobachte die anderen Keeper schon und hole mir da einige Ideen für mein Spiel. Ich habe aber im Basketball ein paar Vorbilder, Kobe Bryant zum Beispiel. Ich mag seinen Stil.
SPORT1: Was hat Sie bewogen nach Deutschland und zu den Rhein-Neckar Löwen zu wechseln?
Landin: Ich denke, dass die Bundesliga die beste Liga in der Welt ist. Für die Löwen habe ich mich wegen Trainer Gudmundur Gudmundsson entschieden. Er war schon mein Coach bei GOG Svendborg TGI und hat mich dort sehr nach vorne gebracht. Ich war damals nur die Nummer zwei im Verein. Er hat mir das Vertrauen gegeben und mich zu einem der besten Torhüter der dänischen Liga gemacht.
SPORT1: Welche Ziele haben Sie sich mit dem Team gesteckt? Wollen Sie die Champions League erreichen?
Landin: Natürlich würde ich mich freuen, in der Champions League zu spielen. Dafür müssen wir unter den Top Vier landen. Das ist sicher ein gutes Ziel.
SPORT1: Bei Olympia sind Sie mit Dänemark als Favoriten angereist und bereits im Viertelfinale gescheitert. Woran lag es?
Landin: Wenn ich darüber nachdenke, muss ich sagen, dass wir uns als Team nicht weiterentwickelt haben. Wir waren in jedem Turnierspiel schlecht und müssen uns daher an unsere eigene Nase fassen. Jeder muss sich darüber Gedanken machen, was bei den Olympischen Spielen passiert ist und die Lehren daraus ziehen.
SPORT1: Wie haben Sie Olympia generell erlebt?
Landin: Es bedeutet mir sehr viel. Ein Traum ist für mich in Erfüllung gegangen. Wir haben Dänemark repräsentiert und wollten der Welt zeigen, dass wir die beste Mannschaft sind. Das haben wir leider nicht geschafft, aber in vier Jahren in Rio haben wir die Gelegenheit zu zeigen, dass dies nur ein Ausrutscher war.