Zebra-Jagd: Liga vor Mission Impossible
München - Der erste Warnschuss des THW Kiel hat gesessen.
Der Triple-Sieger und Rekordmeister ließ beim Erfolg im Supercup gegen Vizemeister Flensburg (29:26) ( NACHBERICHT: Puzzeln für den nächsten Durchmarsch) schon mal seine Muskeln spielen - und zeigte der Liga: Der Titel geht auch in diesem Jahr nur über den THW.
Kiel wieder Favorit
Die Spannung an der Spitze der DKB Handball-Bundesliga hält sich in Grenzen - es droht eine weitere Saison der Langeweile.
34 Spiele, 34 Siege - mit Magenschmerzen blicken die Konkurrenten auf die vergangene Serie zurück.
Und vor dem Saisonstart am Freitag besteht bei der Konkurrenz nur wenig Hoffnung, die Dominanz der Zebras zu durchbrechen.
Hanning hofft auf Kieler Schwäche
"Ich kann die Liga nicht beruhigen", sagte Bob Hanning, Manager der Füchse Berlin, dem Fachmagazin "Handballwoche" und beschwört den Fluch der kurzen Vorbereitung:
"Vielleicht liegt für uns alle ein Vorteil darin, dass die Kieler auf Kim Andersson verzichten müssen und vielleicht durch Olympia auch etwas länger brauchen, um in den Rhythmus zu kommen und nicht von Anfang an so eine Dominanz ausstrahlen."
Starke THW-Neuzugänge
Nur zwei Wochen nach dem olympischen Finale ist der THW-Motor allerdings schon wieder heißgelaufen. Andersson-Ersatz Marko Vujin bewies mit seinen neun Treffern bei der Premiere gegen Flensburg im rechten Rückraum seine Klasse.
Dabei legte der Rekordmeister wieder in der entscheidenden Phase zu - wie in der Triple-Saison.
Und mit dem schwedischen Rechtsaußen und Olympia-Torschützenkönig Niclas Ekberg könnte in den kommenden Tagen noch ein weiterer Weltklassemann dazukommen.
Gislason bremst Erwartungen
Dennoch bremst Trainer Alfred Gislason die Erwartungen:
"Zuletzt lief alles zu unseren Gunsten, aber es steht uns eine ganz andere Saison bevor. Es geht bei Null los", sagte der Meister-Coach.
Der HSV Hamburg, Kiels großer Konkurrent der vergangenen Jahre, kämpft zurzeit mehr mit sich selbst als mit dem Kontrahenten.
In der Diskussion um die Finanzprobleme des Ex-Meisters, der seinen Etat in diesem Jahr deutlich runterfahren musste, haben sich kurz vor dem Ligastart nun erstmals die Spieler und Trainer Martin Schwalb zu Wort gemeldet.
Probleme beim HSV
"Ich mache mir Sorgen um meinen HSV. Ich würde lügen, wenn ich sage, dass mich die Situation nicht beschäftigt. Gut, dass der Verein auf uns zugegangen ist und uns früh informiert hat", sagte Ex-Nationalspieler Pascal Hens der "Bild"-Zeitung.
"Wir stehen in Gesprächen, wie man zusätzliche Einnahmen generieren und die Ausgaben senken kann", sagte Schwalb. Allerdings habe bisher kein Spieler auf etwas verzichten müssen.
Die Verantwortlichen des HSV hatten zuvor stets bestritten, den Spielern einen freiwilligen Gehaltsverzicht von 20 Prozent nahegelegt zu haben. Dies hatte das "Hamburger Abendblatt" berichtet.
Flensburg in der Verfolgerrolle
Flensburg und Berlin gelten somit als aussichtsreichste Kandidaten, den Kieler Branchenprimus zumindest ein bisschen zu ärgern. "Ich denke, dass die Füchse die größten Chancen dazu haben", sagte SG-Trainer Ljubomir Vranjes:
"Mein Ziel ist es, Kiel in dieser Saison einmal zu schlagen."
Seinen Traum vom Gewinn der Deutschen Meisterschaft zu realisieren, dürfte schwer werden. Die Verletzung von Youngster Petar Djordjic (Kreuzbandriss) dämpft die ganz großen Erwartungen.
Füchse zurückhaltend
In der Hauptstadt gibt man sich gewohnt zurückhaltend. "Wir wollen uns in der neuen Saison auch wieder für internationale Aufgaben qualifizieren", sagte Hanning.
Mit den Verpflichtungen von Konstantin Igropulo und Bírge Lund sollte eine ähnlich starke Saison wie im vergangenen Jahr, als die Füchse auf Platz drei eingelaufen sind, allerdings möglich sein. Alles weitere wäre eine Zugabe. (DIASHOW: DKB HBL-Transfermarkt).
Größte Unbekannte dürften die Rhein-Neckar Löwen sein. Nach dem Absprung von Investor Jesper Nielsen hat es einen personellen Umbruch gegeben. Wenn Trainer Gudmundur Gudmundsson seine neun Neuzugänge schnell integriert, könnten die Löwen für eine Überraschung sorgen.