Ex-Meister HSV: Die fetten Jahre sind vorbei
Hamburg - Es sind unübersehbar ein paar Falten mehr und gefühlt ein paar Kilo weniger bei Martin Schwalb.
Der Trainer des HSV Hamburg sieht mitgenommen aus. Mit kleinen Augen verfolgt er das Geschehen beim Elefantentreffen der norddeutschen Bundesliga-Trainer.
Während sein Kieler Kollege Alfred Gislason immer wieder gluckst und lächelt, wenn er von der bevorstehenden Saison in der DKB Handball-Bundesliga (ab 19.45 Uhr LIVESCORES) spricht, blickt Schwalb finster drein.
Nach dem Ausstieg von Medizinunternehmer Andreas Rudolph als Präsident und Mäzen muss der HSV in diesem Jahr kleinere Brötchen backen.
Schwalbs Ziel: Anders auftreten
Die Hamburger waren in den vergangenen Jahren der große Herausforderer des THW Kiel. Sie sorgten für Spannung in der Liga, hohe Einschaltquoten im TV und volle Hallen im ganzen Land.
Nach einer verkorksten Vorsaison mit Platz vier und den aktuellen Finanzproblemen werden die Ziele in diesem Jahr jedoch deutlich vorsichtiger formuliert.
"Die letzte Saison gehört nicht gerade zu den glorreichen Kapiteln unserer zehnjährigen Geschichte. Unser Ziel ist nicht in erster Linie eine bessere Platzierung. Es geht um die Art und Weise, wie wir spielen, kämpfen und uns vor den eigenen Fans präsentieren", sagt Schwalb: "Es wird nicht einfach, die Mannschaften vor uns zu verdrängen, aber wir versuchen möglichst viele Spiele zu gewinnen."
Rund eine Million weniger im Etat
So zurückhaltend hat man den starken Mann beim HSV selten erlebt. Die Finanzprobleme beim Ex-Meister haben ihm arg zugesetzt.
Die fetten Jahre, in denen sich sein Klub packende Duelle um die Meisterschaft lieferte, scheinen erst einmal vorbei. "Wir versuchen, uns zu konsolidieren. Wir drehen jeden Stein um und versuchen, Einsparungen vorzunehmen", so Schwalb.
Nachdem der Etat um rund eine Million Euro eingedampft worden ist, soll den Spielern nach übereinstimmenden Medienberichten ein freiwilliger Gehaltsverzicht von 20 Prozent nahegelegt worden sein. (DIASHOW: DKB HBL-Transfermarkt).
Durchhalteparolen vom Kapitän
Bereits die Verträge von Blazenko Lackovic, Marcin Lijweski und Torsten Jansen waren zu reduzierten Bezügen verlängert worden.
"Ich würde lügen, wenn ich sage, dass mich die Situation nicht beschäftigt. Gut, dass der Verein auf uns zugegangen ist und uns früh informiert hat", sagte Ex-Nationalspieler Pascal Hens: "Man hört so viel von Sparzwängen anderer Klubs und hofft, dass es einen selbst nicht trifft. Nun ist es so. Und wir gehen als Mannschaft zusammen da durch."
Kiels Geschäftsführer Klaus Elwardt konnte sich einen hämischen Kommentar unterdessen nicht verkneifen. "Bei allen Vereinen mit Einzelsponsoren gibt es irgendwann Schwierigkeiten. Bei uns nicht. Wir sind da breiter aufgestellt", stichelte Elwardt in Richtung des Nordrivalen.
"Der HSV tut der Liga gut"
Der Klub müsse nach dem Rückzug von Rudolph nun zurückdrehen.
Dabei braucht die Liga einen starken HSV, das weiß Elwardt genauso wie Schwalb. "Die Bundesliga kann froh sein, dass es uns gibt. Der HSV tut der Liga gut. Es ist wichtig für den deutschen Handball, dass wir einen guten Job machen und gegen Kiel dagegenhalten", sagt Schwalb.
Ansonsten droht der Bundesliga eine ähnlich langweilige Saison wie im Vorjahr. Zuletzt gewann der THW die Meisterschaft mit 68:0-Punkten.